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Heimkehrer-Drama nach 1945

Kinder- und Jugendtheater Heimkehrer-Drama nach 1945

Auch heute lassen sich aus den Gesichtern von Flüchtlingen unglaubliche Schicksale herauslesen. Wie war es aber, als in Deutschland die Generation der Großväter aus dem Krieg heimkehrte? Das Hans-Otto-Theater greift das Thema in dem Stück „Mensch Karnickel“ auf. Doch wie interessant können die alten Zeiten für Kinder und Jugendliche von heute sein?

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Jan Jaroszek (Blemens) und Kristin Graf (Rotkreuz-Schwester).

Quelle: GOERAN GNAUDSCHUN

Potsdam. Um Jugendliche von heute dafür zu interessieren, was für Schicksale hinter den Suchmeldungen des Roten Kreuzes nach 1945 stecken können, ist harte Überzeugungsarbeit nötig. Die Kriegsheimkehrer – das war ein Thema für die Großvätergeneration. Etliche angestaubte Spielfilme erzählen vom Schicksal totgeglaubter Soldaten, die unverhofft aus der Kriegsgefangenschaft heimkehren und ihre Frauen in den Armen eines anderen Mannes vorfinden. Auch Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“ bezeugt, wie tief verunsichert und entwurzelt sich ein Mensch gefühlt hat, der jahrelang im Krieg gewesen ist. Die Eindringlichkeit seiner fiebrigen Sprache wirkt heute wie aus der Zeit gefallen.

Rudolf Herfurtner brachte 1990 mit „Mensch Karnickel“ einen historischen Jugendroman aus westdeutscher Perspektive heraus, der eine ähnliche Tragödie anhand der Figur eines 13-Jährigen darstellt. Mit einer Theaterfassung für Kinder- und Jugendliche ab neun Jahre startete am Mittwochvormittag das Hans-Otto-Theater in die neue Saison.

Regisseurin Kerstin Kusch und Ausstatterin Regina Fraas belassen das Thema in seiner historischen Kulisse. Sie erzählen die Geschichte vom verlorenen Sohn mit Attributen der späten 40er Jahre. Aber Swing-Musik, ein Petticoatkleid und ein Bakelit-Telefon entfesseln bei Teenagern von heute noch keine gesteigerte Aufmerksamkeit. Das besorgen vor allem die drei Gastschauspieler, die in jeder Szene eindringlich, präzise und kraftvoll agieren.

Allen voran Kristin Graf, die sowohl als streng-gütige Rotkreuz-Schwester wie auch als emotional unter Hochdruck stehende Mutter ein Höchstmaß an Bühnenautorität entfaltet. Hier zeigt sich ein großes Schauspiel-Talent, in ihre Darstellung tiefer Verzweiflung mischt sich keine falsche Geste, kein affektierter Schluchzer. Ihr Mann ist im Krieg gefallen und nun soll der seit fünf Jahren verschollene Sohn, den sie vor den Bomben aufs Land verschickt hatte, in einem polnischen Lager aufgetaucht sein. Inzwischen ist die Witwe wieder verheiratet mit einem Witwer. Und dessen etwa gleichaltriger Sohn Timo (Florian Lenz) reagiert tief verstört, als er erfährt, dass er seine neue Mutter bald mit einem anderen Jungen teilen muss.

Um diesen einsamen, verschlossenen, traumatisierten Clemens darzustellen, darf Jan Jaroszek radebrechen und auch mit polnisch-ostpreußischem Dialektfärbungen sprechen, mit den Augen flackern und liebevoll die Pfote eines Karnickels streicheln, das ihm Glück gebracht hat und an einer Kette um seinen Hals hängt.

Die Inszenierung wartet mit einer erstaunlichen Intensität auf. Bildstarke Szenen, knappe Projektionen und auch eine Tanzeinlage machen die Aufführung auch für Erwachsene interessant.

Nächste Vorstellungen: heute, 24., 25.9., jeweils 10 Uhr. 23.9., 14 Uhr. Reithalle. Schiffbauergasse. Karten unter 0331/98118.

Von Karim Saab

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