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Heinz Rudolf Kunze kämpft gegen Angstgegner

Konzert im Lindenpark Heinz Rudolf Kunze kämpft gegen Angstgegner

Deutschrockpoet Heinz Rudolf Kunze, der am 30. November 60 Jahre alt wird, hat im Lindenpark ein klasse Konzert gegeben. Eingeladen hatte die liberale Friedrich-Naumann-Stiftung. Auch in Babelsberg wurde Kunze von seinem Angstgegner begleitet.

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Liedermacher Heinz Rudolf Kunze begeisterte am Donnerstag im Lindenpark.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Babelsberg. Einen engagierten Liedermacher wie Heinz Rudolf Kunze verortet man rein gefühlsmäßig ja nicht im Umfeld der FDP, sondern eher bei Linken, Grünen, Sozialdemokraten. Doch der bald 60-Jährige musizierte nicht das erste Mal bei den Liberalen. So am Mittwochabend im Lindenpark. Dort spielte der Deutschrockpoet auf Einladung der Friedrich-Naumann-Stiftung. Den Abend eröffneten Stiftungsvorstand Wolfgang Gerhardt und FDP-Kreischefin Linda Teuteberg mit einem Podiumsgespräch zu „Sozialer Marktwirtschaft“.

Doch gekommen waren sie wegen HRK. Im Saal saßen unter den 200 Gästen etliche, die Kunzes Haarfarbe – silbergrau – teilten und wahrscheinlich seinen Megahit „Dein ist mein ganzes Herz“ vor drei Jahrzehnten als junge Menschen mitsangen. Eine Gitarre, ein Klavier, zwei Stühle. Dazu eine klare, sonore Stimme und ein bisschen Hilfe der namentlich gelobten Bühnentechniker Richie und Torsten – mehr brauchte Heinz Rudolf Kunze für sein Soloprogramm „Einstimmig“ nicht. Abgesehen noch von Texten, klugen, guten Texten. Vor jeden Song setzte er ein Poem. Mit Hintersinn, mit Botschaft. Da reimten sich Vorurteil und Seelenheil, da führen brennende Bücherberge zum Weltenbrand. In jenem Gedicht richtete sich Kunze deutlich gegen islam- und ausländerfeindliche Pegida-Marschierer und AfD-Politiker, warnte vor den Folgen, wenn man seine „Nase in den Mörderwind“ hält. „Und dann will es keiner gewesen sein.“ Klare Kante gegen diese Leute zu zeigen, war Kunze offenkundig wichtig, nachdem er wegen seines toleranzkritischen Songs „Willkommen, liebe Mörder“ Applaus aus der rechten Ecke bekam.

In Kunzes Alter schaut man zurück, weil mehr Vergangenheit als Zukunft vor einem liegt. Wie schwer es der Künstler als junger Mensch in der nordrhein-westfälischen Provinz in den 1960ern gehabt haben muss, davon erzählt er in seinem berührenden, autobiografischen Song „Brille“. Der handelt vom „krüppeldicken Kellerkind mit furchtbar guten Noten“, das von den coolen Sporti-Kids gehänselt und gemobbt wurde, doch Rettung naht: „Im Radion John Lennon, auch so’n schräger Brillenspinner. Der zeigt, dass Noten Töne sind, ein Notausgang für’n kluges Kind. Und Träumer sind Gewinner.“ Alles wird gut: „Die anderen schon scheintot, Du springst aufs Podest – Du bist besser dran, Brille, besser, viel besser als der Rest." Auch gesprochen wird zurückgeblickt: „Früher schlugen wir uns den Bauch voll und hatten keinen. Jetzt haben wir den Salat und haben einen.“ Da applaudierte man im Publikum spontan. „Früher stellten wir uns die Nachrichtensprecherin nackt vor, jetzt gucken wir keine Nachrichten mehr.“

Abwechselnd an der Gitarre oder am Klavier begleitete sich HRK selbst. Bei jedem seiner Auftritte kommt der Angstgegner zu Besuch. Gemeint ist nicht das vermutete Lampenfieber. Sondern – das Mundharmonikagestell. „Wir können zum Mond fliegen, aber an dieser Stelle nichts Vernünftiges zustande bringen“, seufzt Kunze. Immer sei das Gestell zu nah oder zu weit weg, sitzt irgendwie nie wirklich kommod an Kunzes Kinn. „Wie hat das Bob nur 50 Jahre ausgehalten?“ Gemeint ist Bob Dylan, prominentester aller Mundharmonikaspieler. Dass nun HRK für seine Texte – wie der US-Kollege – einen Literaturnobelpreis bekommt, steht nicht zur Debatte. Ein großartiger Liedermacher ist Kunze auch so.

Von Ricarda Nowak

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