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Potsdam Helikopter aus der Roten Kaserne
Lokales Potsdam Helikopter aus der Roten Kaserne
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07:10 23.04.2016
Ralf Buxnowitz mit einem der Modell-Hubschrauber, die sein Unternehmen Mikado von Potsdam aus in alle Welt verschickt. Quelle: Foto: Marcel Kirf
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Nauener Vorstadt

Endlich sind alle Kartons im Kleinlaster des Paketdienstes verstaut. Der Fahrer verabschiedet sich. Im selben Moment fährt der Transporter des Konkurrenzunternehmens auf den Hof. Am frühen Nachmittag ist Versandzeit bei „Mikado“ in der Roten Kaserne. Dann ist es ruhig in der zwölftausend Quadratmeter großen Werkshalle an der Graf-von-Schwerin-Straße. Die Sortierer und Einpacker fangen im Morgengrauen an und haben bereits Feierabend. Nur am Hallentor herrscht rege Betriebsamkeit. „Einige tausend“ dieser Kartons gehen jährlich in alle Welt, verrät „Mikado“-Chef Ralf Buxnowitz. In ihnen befinden sich technische Bausätze. Seine Potsdamer Firma ist einer der weltweit führenden Hersteller von ferngesteuerten Modell-Hubschraubern.

Die ersten auf dem Gelände überhaupt

Seit 15 Jahren verschickt „Mikado“ von der Roten Kaserne in der Nauener Vorstadt aus seine Produkte. „Am Anfang waren wir hier ziemlich allein“, erinnert sich Buxnowitz, „die ersten auf dem Gelände überhaupt.“ Rund ein Jahrhundert hatte hier zuvor das Militär gehaust, zuletzt russische Truppen. Nach deren Abzug folgte Brache, dann war das Grundstück als Gewerbegebiet deklariert worden. „Zehn Jahre haben wir das Gebäude da drüben genutzt“, sagt Buxnowitz und zeigt durch das große Hallenfenster quer über den ehemaligen Kasernenhof, „um uns herum waren da nur Ruinen und unsanierte Altbausubstanz.“ Nachdem das gut angebundene Areal in Potsdams wachsendem Norden vor einigen Jahren auch für eine Wohnbebauung freigegeben wurde, stand die Firma plötzlich inmitten einer der größten Baustellen der Stadt. Buxnowitz nutzte die Chance, um selbst zu bauen: eine größere Halle, die den Bedürfnissen seines florierenden Unternehmens entsprach.

Bis unter die Decke reichen die Regale im Inneren. Darauf befinden sich bereits verpackte Helikopter-Modelle, Bau- und Ersatzteile – von der Mutter oder Sicherung bis hin zum hochkomplexen elektronischen Steuermodul. Morgens werden die einzelnen Bestandteile in Tütchen und Beutel verpackt, in Pappkartons mit größeren Kunststoffteilen und Elektronik zu Bausätzen zusammengefügt. Was hier eingetütet wird, ist kein Kinderspielzeug. „Modellflug ist ein technisches Hobby“, so Buxnowitz, „da muss man sich schon ein bisschen auskennen.“ Eine detaillierte Konstruktionsanleitung, die allen Paketen beiliegt, zeigt, wie aus rund 500 Einzelteilen ein Hubschrauber wird. „Grundsätzlich sind alle unsere Modelle an zwei Abenden zusammengebaut“, meint der 50-Jährige, „wer aber zwei linke Hände hat, wird nicht glücklich damit.“ Auch preislich unterscheiden sich die Potsdamer Elektrohubschrauber von den plastenen Fluggeräten für Kids. Die kleinsten Modelle sind ab 350 Euro zu haben, die größten und technisch ausgefeiltsten schlagen vierstellig zu Buche.

Der Mikado-Chef hat sogar ein Patent

Entwickelt hat Buxnowitz die Hubschrauberserien selbst, mithilfe eines Werkzeugbauers aus Magdeburg. In dessen Firma werden unter anderem die Kunststoffteile für die Hubschrauber gefertigt. Auch die Fernsteuerungen der „Mikado“-Luftflotte werden in Deutschland produziert: die Elektronik in Herford, das Gehäuse ebenfalls in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts. Für die Erfindung einer Fluglagen-Regelung besitzt Ralf Buxnowitz sogar ein Patent. Darüber, dass sein Unternehmen hierzulande quasi Marktführer ist, denkt er nicht nach: „Wir operieren in einem Nischenmarkt.“ Außer „Mikado“ gibt es in der EU nur noch eine italienische Firma, die vergleichbare Modelle produziert, weiß Buxnowitz, einige weitere in China und Taiwan. Rund sechzig Prozent der Helikopter-Bestellungen kommen aus dem Ausland: aus Nord-Amerika, anderen EU-Staaten und Asien. Und so geht dank Ralf Buxnowitz überall auf der Welt jeden Tag ein kleines Stück Potsdam in die Luft.

Die Rote Kaserne

Von 1892 bis 1895 wurde die Rote Kaserne entlang der Nedlitzer Straße erbaut. Ihren Namen verdankt sie dem roten Klinker an den Außenfassaden der meisten Gebäude.

Als erste bezogen das 2. und 4. Garde-Feldartillerie-Regiment der preußischen Armee die damals größte und modernste Kaserne Potsdams. Auch Reichswehr und Wehrmacht nutzten das Areal, Ende der 1940er Jahre übernahm die Rote Armee.

Jahrelanger Leerstand folgte nach Abzug der russischen Truppen. Noch 2001 nutzte der französische Regisseur Jean-Jeacques Annaud die ehemalige Kaserne als Szenerie für seinen Stalingrad-Film „Enemy at the Gates“.

Nach umfangreicher Sanierung befinden sich hier heute hochwertige Eigentumswohnungen, ein Seniorenheim, Büro- und Gewerbeflächen. mck

Von Marcel Kirf

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