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Potsdam Herbert Schmidt feiert 80 Jahre Abitur
Lokales Potsdam Herbert Schmidt feiert 80 Jahre Abitur
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06:13 27.02.2019
Herbert Schmidt (98) beendete vor 80 Jahren in Potsdam-Babelsberg sein Abitur. Quelle: Bernd Gartenschläger
Babelsberg

Am 18. Februar 1939 hatte es Herbert Schmidt geschafft: Mit 18 hielt der Schüler der Althoffschule zu Babelsberg sein Abitur in den Händen, feierte den Erfolg am Abend des 27. Februars mit Mitschülern und Lehrern in der Aula der Städtischen Oberschule für Jungen. Heute, 80 Jahre später, wird er mit 98 Jahren diesen Tag noch einmal feiern. Denn im Seniorentreff an der Babelsberger Karl-Liebknecht-Straße haben ehemalige Schüler für den pensionierten Studienrat zum 80-jährigen Abitur ein Überraschungsfest organisiert.

Herbert Schmidt erinnert sich noch gut an jenen Tag, an dem er sein „Zeugnis der Reife“ erhielt. Bis heute hat er die alten Dokumente aufbewahrt – und mit ihnen das Ergebnis seiner „Allgemeinen Beurteilung des körperlichen, charakterlichen und geistigen Strebens und Gesamterfolges“ von 1939. Zu lesen ist dort: „Schmidt hat sich redlich bemüht und durchweg willig in allen Fächern und in den Leibesübungen mitgearbeitet.“ Seine Gesamthaltung, so heißt es, „war gut“.

Schon früh ein Faible für Chemie

Schmidt selbst mochte in der Schule vor allem die Chemie-Stunden bei Lehrern wie Dr. Gericke, der Unterricht mit den vielen Experimenten gefiel ihm sogar so gut, dass er nach dem Krieg 1946 zurück an seine alte Schule kam – und sich als Lehrer ein neues Leben aufbaute. Er absolvierte ein Fernstudium und unterrichtete an der Schule bis 1962 Chemie und Geografie. Danach wechselte er an die Helmholtz-Oberschule, wo er 1986 in den Ruhestand ging. Sein Herz allerdings schlug weiterhin für „seine“ Althoffschule, das heutige Bertha-von Suttner-Gymnasium – und tut es noch immer.

Selbst mit 90 Jahren initiierte und organisierte Herbert Schmidt noch zum 100. Bestehen der Bildungsreinrichtung gemeinsam mit ehemaligen Abiturienten die Feierlichkeiten. „Ich fühlte mich dazu verpflichtet, weil ich Schüler und Lehrer an der Schule war“, sagt er. Mehr als 450 Ehemalige schrieben sie dafür an, denn seit 1946 hatte Schmidt die Adressen aller Abiturienten gewissenhaft notiert. An vielen Abenden trafen sich der Lehrer und die Gruppe seiner ehemaligen Schüler und planten. „Wir saßen in der Schule zusammen, und Herbert verteilte die Aufgaben“, erzählt Horst Gösel. Der Einsatz zahlte sich aus: Die 100-Jahr-Feier am 2. April 2011 im Thalia-Theater wurde zu einem riesen Erfolg.

Ein guter und gerechter Lehrer

Gösel gehört wie Hans-Horst Elß, Werner Letz, Klaus Fritze, Helmut Przybilski, Eberhard Lutz, Hans-Joachim Zunft und Gerhard Taube zu der Initiativgruppe „Freundeskreis ehemaliger Althoff/Beethovenschüler“. Als Team engagieren sie sich seit Jahren für ihre alte Schule an der Babelsberger Kopernikusstraße – und für ihren ehemaligen Lehrer. Herbert, wie die Ex-Schüler der Abitur-Jahrgänge von 1954-1962 ihren alten „Pauker“ freundschaftlich nennen, ist längst Teil ihrer Gemeinschaft. Um ihn kümmern sie sich aufopferungsvoll, besuchen ihn regelmäßig, erinnern sich gemeinsam an die Schulzeit.

Ein guter und gerechter Lehrer sei er gewesen, erinnert sich Hort Gösel. „Er hatte immer ein offenes Ohr für seine Schüler.“ Hans-Joachim Zunft beschreibt ihn als „allseits beliebt und immer fair“. Hans-Horst Elß erinnert sich besonders gern an die gemeinsamen Ferienlager in Binz und die Radtouren nach Wiesenburg. Probleme mit den Pennälern, erzählt er, habe der stets akkurate, freundliche Herbert kaum gehabt. Nur wenn jemand säumig gewesen sei, habe er ihn sanft getadelt. „Wenn Ihr das nicht gründlich macht“, hieß es, “werdet Ihr eine Pleite erleben.“ Ein Spruch, der dem Lehrer irgendwann den Spitznamen „Pleite-Schmidt“ einbrachte.

Geistig noch rege

Zu Schmidts 97. Geburtstag verfasst sein ehemaliger Schüler Hans-Joachim Zunft sogar einen Vers auf den alten Lehrer. „Sein Lehrerdasein prägte immer der Blick raus aus dem Klassenzimmer. Er wollte seine jungen Recken zum Aufbruch und zur Tat erwecken. Das hat er zweifellos geschafft und uns mit seiner ganzen Kraft auf optimalen Weg gewiesen. Dafür sei er von uns gepriesen“.

Heute lebt Herbert Schmidt im Emmaushaus, dem evangelischen Seniorenzentrum in der Eisenhartstraße. Nach einem Schlaganfall 2017 zog er dort ein und wird seitdem von „seinen“ Schülern liebevoll umsorgt. „Ein halbes Jahr lang waren wir damals täglich bei ihm und haben intensive Gespräche geführt“, erzählt Elß. „So hat sich sein gesundheitlicher Zustand immer mehr verbessert.“ Er ist es auch, der die wöchentliche Besuchsliste erstellt und jedem der Gruppe zuschickt. Danach greift er dann zum Telefon, ruft Herbert an und gibt ihm Bescheid, wer in dieser Woche am Montag, Mittwoch oder Freitag vorbei kommt. Sie alle besuchten ihn gern und aus Freude, sagt Klaus Fritze. Denn Herbert sei geistig noch rege und an allem interessiert. Gemeinsam plaudere man über das, was war und das, was aktuell in der Welt geschieht. Und Herbert Schmidt? Der lächelt und sagt: „Ich bin dankbar, dass es mir so gut geht.“ Heute wird er außerdem noch mal feiern – mit Musik, Literatur und einem Lichtbildervortrag über das alte Babelsberg. Herbert Schmidt dürfte das gefallen, denn er ist – wie Klaus Fritz kürzlich von der Stadt erfahren hat – der älteste in Nowawes geborene Potsdamer.

Aus der Schulgeschichte

Im Mai 1911 feierliche Einweihung des neuen Realgymnasiums in der Yorkstraße (heute Kopernikusstraße), 1917 kommt eine Realschule dazu, beide erhalten den Namen Althoffschule.

Namensgeber ist der preußische Kulturpolitiker Friedrich Althoff (1839– 1908), der sich große Verdienste beim Ausbau und der Zentralisierung des Hochschulwesens im Deutschen Reich und der Reform des Mädchen-Schulwesens erwarb.

Von Karin Markert

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