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Herzmonitor beugt Schlaganfall vor

St. Josefs setzt das kleinste EKG der Welt ein Herzmonitor beugt Schlaganfall vor

Wenn das Herz aus dem Takt gerät, kann Vorhofflimmern eine Ursache und ein Schlaganfall die Folge sein. Eine Million Deutsche leiden daran, oft ohne es zu wissen. Als erste Klinik in der Region hat das Potsdamer St. Josefs-Krankenhaus nun einem Schlaganfallpatienten das kleinste EKG-Gerät der Welt implantiert.

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Im Infobus: Internist Holger Langreck, Oberarzt im St.-Josefs-Krankenhaus, bei einer Blutdruckmessung.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Es hilft, Vorhofflimmern zu erkennen und so Folgeerkrankungen zu vermeiden. "Das Mini-EKG-System der Firma Medtronic ermöglicht uns, über Jahre hinweg das Herz unserer Patienten kontinuierlich und drahtlos zu überwachen. Tritt Vorhofflimmern auf, so können wir Ärzte viel schneller als bisher reagieren, um Schlaganfällen vorzubeugen", sagt Eckart Frantz, Chefarzt der Kardiologie am St. Josefs-Krankenhaus.

Gerade bei älteren Menschen ist das Vorhofflimmern eine wichtige Ursache von Schlaganfällen. Leider gelinge es häufig nicht, das Vorhofflimmern mit üblichen EKG-Untersuchungen zu erkennen, sagt der Mediziner. Die Symptome treten oft unregelmäßig und in größeren zeitlichen Abständen auf. Dauerüberwachungssysteme, die dem Patienten unter der Haut eingepflanzt werden, schaffen Abhilfe. Das jetzt im St. Josefs-Krankenhaus erstmals eingesetzte System mit dem Namen "Reveal-LINQ" ist nur ein Drittel so groß wie eine AAA-Batterie und hat damit nur etwa ein Fünftel der Größe der bisherigen Geräte. Drei Jahre lang können Ärzte das Herz ihrer Patienten überwachen. Dabei besteht auch die Möglichkeit, die EKG-Daten mit einem Lesegerät von praktisch jedem Ort der Welt aus über das Mobilfunknetz zu versenden, so dass der behandelnde Arzt auch zwischen Terminen über bedeutsame kardiale Ereignisse informiert wird.

Der Herzmonitor wird durch einen kleinen Schnitt von weniger als einem Zentimeter in den oberen linken Brustbereich direkt unter die Haut eingebracht und ist dann mit bloßem Auge praktisch nicht zu sehen. "Der Herzmonitor wird in einem minimalinvasiven Verfahren eingesetzt. Das vereinfacht die Sache für Arzt und Patient", sagt Eckart Frantz.

Olaf Hoffmann, Chefarzt der Neurologie und Leiter der Schlaganfall-Einheit (Stroke Unit) am St. Josefs hebt den Nutzen für die Schlaganfallversorgung hervor: "Bei etwa einem Drittel der Patienten wird trotz ausführlicher Diagnostik keine klare Ursache des Schlaganfalls gefunden. Das neue EKG-System verbessert unsere Chancen bedeutend, bei bestimmten Patienten ein nur zeitweilig auftretendes Vorhofflimmern zu entdecken und den Betroffenen einen wirksamen Schutz vor weiteren Schlaganfällen zuteil werden zu lassen". Als weiterer Vorteil neben der geringen Größe und der langen Funktionsdauer ist das Gerät gegenüber Magnetfeldern weitgehend unempfindlich. "Sollte beispielsweise der Verdacht auf einen erneuten Schlaganfall bestehen, können Patienten auch mit diesem Mini-EKG unbedenklich im MRT (Kernspin) untersucht werden. Das EKG-Gerät muss dafür nicht entfernt werden", so Hoffmann.

Der Mediziner unterstützte gestern die Aufklärungskampagne "Herzenssache Schlaganfall" am Brandenburger Tor. Rund 200 Besucher informierten sich im roten Infobus, ließen unter anderem Blutdruck und Blutzucker messen oder sich von Diabetisexpertin Ulrike Gerstmann beraten. "Die Leute hatten konkrete Fragen: Wie schlimm sind erhöhte Blutfettwerte? Wie wirkt sich hoher Blutdruck aus? Manche haben sich Zeit genommen, ihr Risikoprofil für einen Schlaganfall zu ermitteln", erzählt der Experte. Positiv sieht Hoffmann die Bereitschaft, die Lebensweise falls nötig zu ändern. In einigen Gesprächen seien "Missverständnisse in der Behandlung deutlich" geworden. "Da haben wir dann geraten, den Hausarzt zu konsultieren." Sorge bereitet dem Arzt indes das fehlende Wissen, wie bei einem Schlaganfall schnell richtig zu handeln ist. Es ist die dritthäufigste Todesursache nach Krebs und Herzerkrankungen. "Die Leute haben Angst, die Rettung zu rufen. Doch lieber einmal zu viel bei uns, als zu spät und wir können nichts mehr tun", sagt Hoffmann. he

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