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Heuer über Mercure: „Neubau statt Sanierung“

Potsdamer Stadtentwicklung Heuer über Mercure: „Neubau statt Sanierung“

Im MAZ-Interview erklärt SPD-Fraktionsvize Pete Heuer ausführlich, wie er sich die Lösung im Streit um das Hotel vorstellen könnte. Weil es heute keinen Bedarf mehr an Exerzierplätzen gibt, könnte der Neubau in der Mitte der Freifläche gegenüber vom Filmmmuseum entstehen – so die Idee. Ihr Vorteil: Der Flächentausch mit dem Mercure käme die Stadt nicht so teuer.

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Pete Heuer an der Zufahrt zum Hotel Mercure, die mit waagerechten Pollern gekennzeichnet ist. Hier könnte der Neubau stehen.

Quelle: Friedrich Bungert

Innenstadt. Im MAZ-Interview erläutert SPD-Fraktionsvize Pete Heuer seinen Idee für eine Zukunft des Mercure-Hotels.

Herr Heuer, Ihr Plan, den Sie am Montag Ihrer Fraktion vorgestellt haben, klingt sehr kühn. Sie möchten das Hotel Mercure abreißen lassen und nur ein paar Meter wieder aufbauen. Wozu das Ganze?

Pete Heuer : Meine Idee ist, ein neues Mercure zu bauen und dem Besitzer dafür eine andere Fläche anzubieten und zwar in der Verlängerung der Tresckow-Straße. Die Überlegung war, dass es eine Fläche sein soll, die für die Stadt momentan keinen Wert hat.

Und weshalb hätte sie keinen Wert? Schließlich liegt das Grundstück doch in Top-Lage auf einem Filetgrundstück.

Heuer : Es stimmt: Sie ist sehr zentral gelegen. Aber es handelt sich um eine Straßenfläche und darf nach gegenwärtigem Stand nicht bebaut werden. Der jetzige Wert ist faktisch null. Der Vorteil bei dieser Flächentausch-Variante wäre ganz klar, dass keine öffentlichen Gelder für den Ankauf des Mercure eingesetzt werden müssten. Ich sehe darin eine Option, die die Stadt dem Hotelbesitzer vorschlagen und in das Finanzierungskonzept für die Konkretisierung der Sanierungsziele im Lustgarten aufnehmen kann.

Wie genau könnte so ein modernes Mercure denn aussehen?

Heuer : Das muss auf jeden Fall in einem Wettbewerb herausgefunden werden. In der Höhe könnte es sich am Knobelsdorffschen Eckhaus der Tresckowstraße orientieren, in der Länge am Marstall, wo das Filmmuseum seinen Sitz hat. Spannend wird die Gestaltung der Fassade, die sich natürlich in die Umgebung einfügen muss. Dass so ein Spagat möglich ist, zeigen die Häuser an der Humboldtstraße.

Was macht in Ihren Augen die konkreten Vorteile Ihres Plans aus?

Heuer : Damit würden wir unter anderem die berechtigte Kritik entkräften, dass durch den Abriss des Mercure-Hotels viele Tourismus-Arbeitsplätze vernichtet werden. Der Besitzer hätte ein neues und schöneres Hotel. Aus städtischer Sicht könnte durch den Abriss des Mercure die Wiederannäherung an den alten Innenstadt-Grundriss weiter umgesetzt werden. Die Sichtbeziehung zwischen dem Landtag und dem Neptunbassin wäre dann wiederhergestellt.

Und Sie glauben wirklich, dass der Mercure-Besitzer jubelt, wenn er in ein geschrumpftes Hotel mit wesentlich weniger Betten übersiedeln soll?

Heuer : Wenn ich Hotelbesitzer wäre – ja. Eine Komplettsanierung des alten Baukörpers ohne Gestaltungsspielraum ist teuer und aufwendig. Die Entfaltungsmöglichkeit ist bei einem Neubau – zum Beispiel mit einer großen Tiefgarage und Freiluftgastronomie – viel attraktiver.

Das klingt alles schön. Aber das Spannende ist ja, wer die Baukosten für den Neubau übernehmen soll. Würde die Stadt das Geld in die Hand nehmen, um dem Besitzer ein Top-Domizil hinzustellen?

Heuer : Die Kosten trägt der Investor. Neubau statt Sanierung lautet die Rechnung. In Berlin wurde etwa das Palasthotel, das zehn Jahre jünger war als das Mercure, abgerissen und durch einen Hotelneubau ersetzt.

Kritiker werden sicher sagen, dass durch einen Hotelbau der historische Lustgarten zerstört wird.

Heuer : Der Lustgarten wird in großen Teilen erhalten bleiben. Angefangen von der Rummelplatzfläche an der Breiten Straße über die Baumpflanzungen bis hin zum Gartenbereich auf der Höhe des Neptunbassins. Die Freifläche, von der ich rede, war seinerzeit Exerzierplatz für die Soldaten. Und an dieser Stelle sage ich: Wir haben heute einfach keinen Bedarf für riesige Exerzierplätze mehr und sollten sie sinnvoller nutzen. Außerdem ist dieser Bereich des Lustgartens ohnehin weitestgehend „tot“. Da passiert nichts und ich weiß auch nicht, wie man das langfristig beleben soll. Die Idee im Masterplan, es mit einem preußischen Biergarten zu versuchen, zeigt mir, dass das Problem erkannt ist.

Baulich wäre der längliche Hotelneubau aber wie ein Riegel oder eine Art Bollwerk zwischen der Innenstadt und dem Lustgarten. Fürchten Sie da nicht viel Kritik?

Heuer : Ich empfinde es eben gerade als Vorteil, dass der Lustgarten auf diese Art zur Breiten Straße hin abgegrenzt wäre. Das bedeutet eine Abmilderung des Verkehrslärms und somit eine Aufwertung der Aufenthaltsqualität im eigentlichen Lustgartenbereich. Auf der gegenüberliegenden Seite bildet das Filmmuseum übrigens einen fast symmetrischen Baukörper.

Sollte das Tauschgeschäft tatsächlich klappen, blieben immer noch die Hotel-Abrisskosten in Millionenhöhe. Ihr Credo war ja immer, dass keine städtischen Gelder dafür in die Hand genommen werden, auch keine Gelder aus dem Treuhandvermögen des Entwicklungsträgers. Bleiben Sie dabei?

Heuer : Folgt man dem Vorschlag, dürfte das Minus auf jeden Fall deutlich geringer ausfallen. Da bin ich auf das Finanzierungskonzept und andere Einnahmequellen gespannt. Bis zur Umsetzung wird ohnehin noch einige Zeit vergehen.

Interview: Ildiko Röd

Von Ildiko Röd

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