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Heute im Programm: Filme, Unesco und Sex

Städtepartnerschaft Potsdam-Sansibar Heute im Programm: Filme, Unesco und Sex

In Sansibar bahnt sich eine zwischen der Filmuni Potsdam und dem Filmfestival vor Ort an. MAZ-Redakteurin Ildiko Röd nassauert bei den Potsdamern, passt sich den lokalen Gepflogenheiten an („Pole, Pole“) und stellt entgeistert fest, dass Unesco-Welterbestätten in Hotels umgebaut werden sollen. Ach ja, und für Sex bleibt der Delegation auch noch Zeit.

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Das alte Fort, in dem das Filmfestival stattfindet.

Quelle: Ildiko Röd

Potsdam/Sansibar. Mittlerweile glitzert in meinen Augen nur noch die pure Gier: Wo kriege ich Internet und vor allem wer hilft mir dabei. Menschen mit Computerkenntnissen beziehungsweise Internet-Zugang sind derzeit meine Idole. Der tägliche Kampf ums Netz zermürbt immer mehr. Die Zettelchen mit den Zugangscodes fürs Wlan sind, wie berichtet, heiß begehrt an der Hotelrezeption. Aber selbst wenn man so ein kostbares Stückchen Papier in Händen hält, heißt das noch nicht, dass man drin ist. Umweltexperte Steffen Tervooren aus dem Rathaus, der hier auch den Hut auf hat bei der Organisation, war neulich der selbstlose Retter in der Not. Mehrere Stunden hat er am Abend mit mir auf der Dachterrasse am Computer herumexperimentiert, obwohl gerade ein Wettbewerbsfilm beim Zanzibar Film Festival lief. Irgendwann fast gegen Mitternacht hatte der Gott des Internets dann endlich ein Einsehen. Tagsüber nassauere ich bei Einheimischen, die die Delegation begleiten. Ich darf ihre Hotspot-Verbindung übers Smartphone anzapfen - ein echter Segen und teilweise die letzte Rettung. Danke an dieser Stelle an Ali Machano!

Die Mentalität von hier sollte ich mir besser auch noch aneignen. Pole Pole, heißt es hier immer: Langsam, langsam.

Gar nicht so schäbig, so eine Gefängnisinsel

Gar nicht so schäbig, so eine Gefängnisinsel.

Quelle: Ildiko Röd

Generell sind die Menschen hier superfreundlich und sehr höflich und zuvorkommend. Überall wird man mit Jambo, Jambo (Hallo, Hallo) und Karibu (Willkommen) begrüßt.

Und ich bewundere, wie tapfer manche sind. Direkt vor dem Haus ist ein Zigarettenstand. Dahinter steht ein Mann mit verkrüppelten Beinen und einem Gesicht, das über und über mit Warzen übersät ist. Erst hier wird einem klar, wie wichtig ein gutes und vor allem selbstverständliches Gesundheitsystem ist. Gleich hinter dem Stand werden Zuckerrohrstengel mit einer kleinen Maschine verarbeitet.

Für Stadtrundgänge bleibt aber nicht viel Zeit. Die Mitglieder der Delegation sind eifrig damit beschäftigt, Kontakte zu knüpfen. Professor Thomas Weinke vom Klinikum Ernst von Bergmann hat das Hospital besucht. Pro-Potsdam-Architekt Thomas Nolte war mit dem OB und Steffen Tervooren im Büro der Stelle, die für das Unesco-Welterbe zuständig ist. Die Probleme hier in der Altstadt sind vielfältig: Immer mehr alte Häuser sollen in Hotels umgebaut werden. Für viele Hausbesitzer sind die originalen kleinen Fenster und Räume da nur störend. Die aus ihrer Sicht einfachste Lösung: Sie lassen das Haus einfach verfallen, so dass es irgendwann abgerissen werden muss.

Im Unesco-Welterbe-Büro

Im Unesco-Welterbe-Büro.

Quelle: Ildiko Röd

Julia Diebel, Sprecherin der Filmuniversität Konrad Wolf , hat an der Reise teilgenommen, um erste Kontakte zum Zanzibar International Film Festival zu knüpfen. Das Sehsüchte Festival der Studierenden der Filmuni und die neue Sparte beim großen Leinwand-Event in der neuen Partnerstadt könnten einen tollen Paarlauf machen. Auslandskooperationen sind für die Filmuniversität schon lange eine Selbstverständlichkeit: Mexiko, Teheran, osteuropäische Städte und seit neuestem auch eine Universität im US-Bundesstaat North Carolina sind mit dabei. In Sansibar steckt die Ausbildung rund um die Kamera hingegen noch in den Kinderschuhen. Die Gründung einer eigenen Filmakademie ist derzeit noch kein realistisches Ziel - das Ganze sollte eher in die Richtung eines Filmlaboratoriums gehen.

Schildkröten auf der Gefängnisinsel

Schildkröten auf der Gefängnisinsel.

Quelle: Ildiko Röd

Ach ja, für Sex bleibt der Delegation auch noch Zeit. Aber es handelt sich nicht um romantische zwischenmenschliche Bande, sondern um das Liebesspiel der Schildkröten. Diese leben auf der ehemaligen Gefängnisinsel Chaangu Island. Dort gibt es für die Potsdamer und die afrikanischen Teilnehmer ein Seminar zu den Zielen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit, das von Steffen Tervooren abgehalten wird.

Gleich neben dem Veranstaltungsort tummeln sich die fröhlichen gepanzerten Gesellen, die entweder das Grünzeug der Touris mümmeln oder fröhlich vor sich hin schnackseln. Eine reife Leistung, wenn man bedenkt, dass manche der Tiere über hundert Jahre alt sind. Jeder Jahr kommt ein Doktor und vermerkt die Zahl der Jahresringe auf dem Schildkrötenpanzer. Im Sinne der journalistischen Sorgfaltspflicht fotografiere ich die rammelnden Riesenschildkröten natürlich, halte mir als gute Katholikin dabei aber natürlich die Augen zu ...

Von Ildiko Röd

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