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Hexenbesen für engagierte Frauen

Buchpräsentation in Potsdam Hexenbesen für engagierte Frauen

Die Soziologin Jeanette Touissant porträtiert 27 Preisträgerinnen des jährlich an engagierte Frauen verliehenen Hexenbesens. Am Mittwochabend stellt sie das Buch in der Landeszentrale für politische Bildung vor.

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Autorin Jeanette Toussaint im Café „Zweitwohnsitz“.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Was verbindet die Ausländerbeauftragte Magdolna Grasnick mit der Ex-FDP-Stadtfraktionschefin Martina Engel-Fürstberger, die MAZ-Redakteurin Claudia Krause mit den Kriminalpolizistinnen Nadine Christ und Beate Spreemann, die Boutiquenchefin Karin Genrich mit der Sozialpädagogin Huyen Nguyen Thanh? Nun, sie alle dürfen sich mit einem Hexenbesen schmücken – seit 1994 vom Autonomen Frauenzentrum Potsdam jährlich verliehen „für herausragende Leistungen für Frauen und durch Frauen im öffentlichen Leben“. Die Soziologin und Ethnologin Jeanette Toussaint widmet den ausgezeichneten Frauen ein eigenes Buch. Am Mittwoch um 18 Uhr stellt die Potsdamerin „Ein Besen für mutige Frauen – 27 Gesichter und ein Preis“ in der Landeszentrale für politische Bildung in der Heinrich-Mann-Allee 107 vor.

Eigenständig denkende, fühlende, gar handelnde Frauen galten – nicht nur im dunklen Mittelalter – als Bedrohung männlicher Macht. Viele wurden als Hexen denunziert, verfolgt, ermordet. Ausgehend von der westlichen Frauenbewegung in den 1970ern bekam der Hexenbegriff eine neue, kämpferische Bedeutung. In diesem Sinn ging und geht der – jeweils individuell gestaltete – Hexenbesen an Potsdams kämpferischste Frauen. Denn damals wie heute braucht es für weibliches Engagement besonderen Biss. Das zeigt auch ein Abriss der Geschichte der hiesigen Mädchen- und Frauenprojekte, die nicht selten auf finanziell tönernen Füßen standen.

Zum 25. Geburtstag des hiesigen Frauenzentrums im vergangenen Jahr wurde die schöne Idee geboren, alle bisherigen Preisträgerinnen in kurzen Porträts und Interviewsequenzen, mit Fotos gebündelt vorzustellen und – abseits der Hexenbesen-Verleihung – Öffentlichkeit für sie und ihre Arbeit zu schaffen. „Aus Platzgründen“ seien die Porträts trotz intensiver Gespräche kompakt auf zwei Seiten gehalten worden, jedoch: „Über fast jede der Frauen wäre ein eigenes Buch schreibbar gewesen“, sagt Jeanette Toussaint. Eine „Lieblingsfrau“ will sie nicht benennen: „Alle sind auf ihre Weise beeindruckend. Es war interessant, zu sehen, welcher Kosmos sich hinter diesen Biografien entfaltet hat.“ Bis auf Tab Bergner vom Archiv für Feminismus und kritische Wissenschaften, Preisträgerin von 2013, führen die Befragten den Begriff Feminismus nicht im Mund. Sie sind Pragmatikerinnen, die sich weniger theoretisch als praktisch und täglich für Gleichberechtigung einsetzten.

Die vielen bunten Lebensläufe lesen sich wie spannende Was-macht-eigentlich-Storys, exemplarisch jene über die einstige Bürgermeisterin und Ordnungsdezernentin Beate Hoffmann, Preisträgerin von 1997. Wir erinnern uns gern: Die Juristin kümmert sich um Ausweichobjekte für Hausbesetzer, setzt sich für behutsame urbane Bebauung ein und holt Prostituierte von der Straße. 1998 verließ sie wegen Querelen mit dem damaligen Stadtoberhaupt Horst Gramlich (SPD) Potsdam und wird Senatorin in Lübeck. Beate Hoffmann aufzuspüren, erwies sich als am schwierigsten, erzählt die Buchautorin. „Zunächst habe ich sie nicht gefunden, schon gar nicht über Google – das waren bei dem Namen zu viele Treffer!“ Der goldrichtige Hinweis auf ihren aktuellen Aufenthaltsort kam dann von Lutz Boede, Geschäftsführer der Stadtfraktion „Die Andere“. Beate Hoffmann führt seit 2005 ein Café im niedersächsischen Wilkenstorf am Elberadweg. Dort hatte sie ein altes Bauernhaus ausgebaut. 2004 verabschiedete sie sich aus der Politik. Im Interview mit Jeanette Toussanit überraschte Beate Hoffmann mit der Aussage, sie „könnte ja Oberbürgermeisterin von Potsdam werden“. Ein spannender Gedanke.

Äußerst lesenswert sind auch die eingestreuten historischen Abrisse über jene „Berufs- und Wirkungsfelder“, die sich Frauen ab Anfang des 20. Jahrhunderts als Pfarrerinnen, Stadtpolitikerinnen oder „Polizeifürsorgerinnen“ (nicht nur) in Potsdam eroberten.

Zwei Preisträgerinnen, die legendäre Sozialministerin Regine Hildebrandt (SPD, 1941-2001) und die Stadtverordnete Gisela Opitz (Bürgerbündnis, 1931-2005) sind verstorben.

Von Ricarda Nowak

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