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Potsdam Hier lagerten die Hitler-Attentäter die Bombe
Lokales Potsdam Hier lagerten die Hitler-Attentäter die Bombe
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10:28 27.08.2016
Die Löwenvilla heißt eigentlich Villa Rohn – und kann gemietet werden. Quelle: Fotos: Claudia Jonov
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Jägervorstadt

Das Haus ihrer frühsten Kindheit hütet Claudia Marquard wie einen Schatz. Zwei Jahre war sie alt, als ihre Mutter, die Tanten und die Großmutter die Koffer packten und sich voller Wehmut umschauten, bevor sie die schwere Tür für lange Zeit hinter sich ins Schloss fallen ließen. „Ich selbst habe keine Erinnerungen mehr an das Haus“, sagt Claudia Marquard. In den Unterhaltungen der Frauen aber lebten die Geschichten aus Potsdam fort, so dass Claudia Marquard sie beim Rundgang beinahe so erzählen kann, als wäre sie selbst dabei gewesen – damals in den goldenen Zeiten der Löwenvilla.

Bleiglasfenster machen das besondere Flair des Hauses aus. Quelle: Claudia Jonov

1905 in den Formen des Neobarocks und Jugendstils errichtet und nahezu unangetastet erhalten, ist das Anwesen auf der Höhe der Gregor-Mendel-Straße der Hingucker schlechthin. Ungezählt sind die Flaneure, die die Nasen durch die Gitterstäbe des mächtigen Zaunes stecken und die von Löwenskulpturen flankierte Freitreppe bestaunen. Was nur, mag sich hinter so imposanter Fassade verbergen?

Das Anwesen ist eine beliebte Kulisse für Filmaufnahmen. Quelle: Claudia Jonov

Die Antwort: Ebenso Imposantes. Mosaike und Parkett, verspiegelte Wände und Schnitzereien, Marmor und bunte Bleiglasfenster, Kamine, Stuck – und aus jedem der rückwärtigen Zimmer ein unverstellter Blick in den Garten mit Grotte. 1000 Quadratmeter hat die Villa – und sie sind beinahe vollständig zu mieten; nur eines der Zimmer ist vergeben. „Wir suchen jemanden, der das, was er hier vorfindet, schätzt und vorsichtig damit umgeht“, sagt Claudia Marquard. Denn die Villa hat auch hohen ideellen Wert, wurde in ihr doch Weltgeschichte geschrieben. Oberstleutnant Fritz von der Lancken, Mitverschwörer des 20. Juli 1944, war einst ihr Besitzer. Claudia Marquard ist die Enkelin des Mannes, der mit Claus Graf Schenk von Stauffenberg das Attentat auf Hitler plante. „Konspirative Treffen haben hier im Haus stattgefunden“, sagt Marquard. „Auch die Bombe war hier des Öfteren deponiert – auch in der Nacht zum 20. Juli.“ Am Morgen sei Stauffenbergs Chauffeur vorgefahren, um den Sprengstoff abzuholen. Von der Lancken, der am Morgen die Löwenvilla verlassen hatte und wie an jedem Tag in den Bendlerblock gefahren war, kehrte nie zurück.

Eine elegante Wendeltreppe führt nach oben. Quelle: Claudia Jonov

Auch seine Zöglinge blieben der Villa fern. Fritz von der Lancken hatte in ihr ein Internat für Söhne betuchter Adelsfamilien und Gutsbesitzer geführt. Die Jungen waren gerade in den Sommerferien daheim in Pommern und Schlesien – und blieben dort. Nach dem missglückten Staatsstreich, bei dem der Ziehvater mitgemischt hatte, war Potsdam für sie tabu.

Quelle: Claudia Jonov

Statt der 30 Halbstarken zogen Gebrechliche in die Villa, nachdem ihr Altenheim ausgebombt worden war. Nach dem Krieg fanden hier Jungen und Mädchen, die allein auf der Flucht waren, Unterschlupf. Als die Familie von der Lancken 1952 nach West-Berlin übersiedelte, sicherte sich die Pädagogische Hochschule die Villa als Gästehaus. Schon damals wurde sie gern als Filmkulisse genutzt. Das ist so geblieben. „Der Fall Furtwängler“ und natürlich „Operation Walküre“ mit Tom Cruise als Stauffenberg wurden hier gedreht.

Info: www.loewenvilla-potsdam.com

Von Nadine Fabian

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