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Hinter Potsdams Stadttoren wird es ruhig

Zu Hause in der Nauener- und der Jägervorstadt Hinter Potsdams Stadttoren wird es ruhig

Die Nauener- und die Jägervorstadt sind die Schnittstelle zwischen der City und einer umwerfenden Landschaft. Viel Prominente schätzen den ruhigen und grünen Kiez als Rückzugsort. Auch Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) lebt hier – in einem Holzhaus in der Russischen Kolonie Alexandrowka. Es war Liebe auf den ersten Blick.

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Das Jägertor weist den Weg in die Jägervorstadt, die allerdings nicht direkt dahinter beginnt, sondern Dank der modernen Stadtplaner gut hundert Meter weiter.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Nauener-/Jägervorstadt. Hinter der Stadtmauer geht’s weiter. Doch wer meint, seinen Fuß hinter dem Jägertor auch auf das Land der Jägervorstadt zu setzen und hinter dem Nauener Tor aufs Land der Nauener Vorstadt, der irrt – zumindest im Sinne der modernen Stadtplaner. Anfang der 1990er Jahre nämlich schickte sich die Potsdamer Verwaltung – sehr kurz und sehr knapp gesagt – an, die Stadt offiziell und verbindlich zu gliedern. Dabei grenzte man Räume nach ihrer Bauweise, vor allem aber nach ihrer Funktion ab. Das Stadthaus zum Beispiel als wichtiger Träger so einer Funktion wurde der Innenstadt zugeschlagen. Auf diese Weise verschoben die Planer deren historische Grenze mit nur einem Handstreich um gut hundert Meter. Gefühlt betreten wir (wie anno dunnemal unsere Vorvorvorgänger) beim Durchschreiten der Stadttore an der Hegelallee zwar die nördlichen Vorstädte. Tatsächlich beginnen sie heute aber einige Steinwürfe dahinter: die Nauener Vorstadt auf Höhe der Behlert- und der Helene-Lange-Straße, die Jägervorstadt an der Weinbergstraße.

Herrschaftliche Villen und imposante Mietshäuser der Gründerzeit prägen das Antlitz dieser beiden Vorstädte, kolossale Kasernen und pittoreske Parks, das Schloss Cecilienhof im Neuen Garten und das Belvedere auf dem Pfingstberg, der Jungfern- und der Heilige See. Touristen sind hier leichter zu finden als Einheimische. Sie flanieren zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter über sandige Wege und über schmale Straßen und Fußwege, die sich oft biegen wie trockene Stullen. Hop-on-hop-off-Busse schieben sich durch die einst verbotene Stadt, in der kulturelle Kostbarkeiten wie das Fontanearchiv in der Villa Quandt und das Lepsiushaus schlummern. Vis à vis bewahrt die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße die Spuren und Zeugnisse stalinistischer Gräuel. Nur wenige Pforten weiter stehen in den Vorgärten blaue Schafe und Kunst, Zausel-Hecken verbergen Schaukeln, Hundehütten und Baumhäuser.

Der Ruinenberg in voller Blütenpracht – nur einer von drei Hügeln, die das Antlitz der Vorstädte mit prägen

Der Ruinenberg in voller Blütenpracht – nur einer von drei Hügeln, die das Antlitz der Vorstädte mit prägen.

Quelle: Nadine Fabian

Viele Prominente schätzen diesen ruhigen, grünen Kiez zwischen Ruinen-, Winzer- und Pfingstberg als Rückzugsort. Darunter die Schauspieler Jörg Hartmann und Nadja Uhl und die Medienmogule Friede Springer und Mathias Döpfner. Auch Potsdams Stadtoberhaupt lebt seit Jahren hier. Als Jann Jakobs (SPD) als frisch gewählter Oberbürgermeister im Jahr 2003 von Berlin-Spandau nach Potsdam zog, war die Nauener Vorstadt seine erste Adresse – und sie ist es bis heute geblieben. Eine bewusste Entscheidung, wie Jakobs sagt, immerhin liegt die Nauener Vorstadt mitten im Weltkulturerbe, bilde den Übergang von der urbanen Stadt zur brandenburgischen Landschaft und sei doch zentrumsnah. Als er damals das Angebot erhielt, eines der Holzhäuser in der malerischen Kolonie Alexandrowka zu beziehen, sei das „Liebe auf den ersten Blick“ gewesen, schwärmt Jakobs. Sein Lieblingsplätzchen ist denn auch eine kleine Bank auf dem nahen Kapellenberg – die genauen Koordinaten möchte er nicht verraten. Nur so viel: „Durch eine Schneise hindurch hat man einen herrlichen Blick auf die Russische Kolonie.“

Oberbürgermeister Jann Jakobs lebt in einem der Holzhäuser in der Russischen Kolonie

Oberbürgermeister Jann Jakobs lebt in einem der Holzhäuser in der Russischen Kolonie.

Quelle: Bernd Gartenschläger

An der Nauener Vorstadt schätzt Jann Jakobs aber auch das nahe Wasser. „Für einen Ostfriesen ein Lebenselixier.“ Kein Wunder also, dass der Oberbürgermeister nun auch nah am Wasser baut: Jakobs hat am äußersten Zipfel der Nauener Vorstadt ein Grundstück gekauft und als einer der ersten mit dem Hausbau am Plattner-Campus am Jungfernsee begonnen. Die Zukunft klopft dort an: 150 Stadtvillen sollen auf dem Arel an der Nedlitzer Straße entstehen, eine der letzten Seelagen.

Apropos: Der Seeblick und die Pionierhaus-Vergangenheit waren es, die dem Treffpunkt Freizeit beinahe zum Verhängnis wurden. Als eines der hässlichsten Gebäude an einem der schönsten Flecken der Stadt tituliert, war das Haus vielen ein Dorn im Auge und stand zur Jahrtausendwende kurz vor dem Abriss. Es kam anders – und nun posaunt sich am Heiligen See der Fanfarenzug der neuen Freiluft- und Wettbewerbssaison entgegen. Es ist doch nicht immer so ruhig da draußen hinter den Toren.

Die Nauener Vorstadt

4512 Einwohner zählt die Nauener Vorstadt (Stand 2014). Darunter sind 176 Ausländer.

Das Durchschnittsalter liegt bei 41, 7 Jahren.

Der Kinderanteil liegt mit 14,5 Prozent deutlich über dem Potsdamer Gesamtdurchschnitt von 11,9 Prozent. Es gibt sieben Kindertagesstätte und eine Grundschule.

Die Wohnfläche je Einwohner liegt bei 38,7 Quadratmeter. Es gibt 987 Singlehaushalte, 713 Zwei-Personen-Haushalte, 300 Drei-Personen-Haushalte und 285 Haushalte mit vier und mehr Personen.

Politik: Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2014 lag bei 43,8 Prozent. Stärkste Kraft waren mit 18,7 Prozent die Grünen, gefolgt von CDU mit 17,5 Prozent, der SPD mit 17,3 Prozent und der Linken mit 14,9 Prozent.

Die Jägervorstadt

2889 Einwohner zählt die Jägervorstadt (Stand 2014). Darunter sind 94 Ausländer.

Das Durchschnittsalter liegt bei 39,5 Jahren.

Der Kinderanteil liegt mit 13,4 Prozent. Es gibt keine Kindertagesstätte und keine Grundschule.

Die Wohnfläche je Einwohner liegt bei 38,1 Quadratmeter. Es gibt 755 Singlehaushalte, 536 Zwei-Personen-Haushalte, 192 Drei-Personen-Haushalte und 137 Haushalte mit vier und mehr Personen.

Politik: Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2014 lag bei 39,9 Prozent. Stärkste Kraft war mit 24,5 Prozent die SPD, gefolgt von CDU mit 20,7 Prozent, der Linken mit 14,5 Prozent und den Grünen mit 13,9 Prozent.

Von Nadine Fabian

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