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Historische Neubewertung der Breiten Straße

DDR-Baukultur in Potsdam Historische Neubewertung der Breiten Straße

Anfang der 1970er Jahre wurde über einen Abriss des Marstalls an der Breiten Straße diskutiert. Nach Protesten wurde er saniert und für das erste Filmmuseum Deutschlands ausgebaut. Die Potsdamer Kunsthistorikerin Edda Campen erinnert an diese Episode in einem Beitrag zur DDR-Baugeschichte der Breiten Straße. Ihr Fazit: Eine Neubewertung sei „längst überfällig“.

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Ende der 1970er Jahre wurde der Marstall zur Heimstatt für das erste Filmmuseum Deutschlands umgebaut.

Quelle: Filmmuseum Potsdam

Potsdam. 1981 wurde im aufwendig sanierten Marstall an der Breiten Straße das erste Filmmuseum Deutschlands eröffnet. Dass seine Existenz wenige Jahre zuvor gänzlich in Frage stand, ist heute weithin vergessen. 1973 hatte es eine Protestwelle gegen Pläne gegeben, das 1685 errichtete Barockgebäude abzureißen, zumindest aber zu „translozieren“, also abzutragen und an anderer Stelle wieder aufzubauen.

Die Potsdamer Kunsthistorikerin Edda Campen erinnert an diese Episode in ihrem Beitrag „Kontinuitäten, Brüche und Ambivalenzen im späteren DDR-Städtebau“, der am Dienstag mit einer Schriftenreihe des Arbeitskreises „Kunst der DDR“ über die Universität Marburg unter http://archiv.ub.uni-marburg.de/es/2017/0004 im Internet veröffentlicht worden ist. Beteiligt ist der Kunsthistoriker Christian Klusemann, der im Oktober 2016 als Herausgeber den DDR-Architekturführer „Das andere Potsdam“ veröffentlichte.

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Die Wilhelm-Külz-Straße in Potsdam heißt seit 1992 wieder Breite Straße. Die DDR ist Geschichte, aber einige Bauten haben sich gehalten.

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Campen, deren Beitrag bei Klusemann bereits in gekürzter Fassung erschien, hatte für eine Tagung über Architektur und Stadtplanung in der DDR zur Geschichte der zur Magistrale erweiterten Breiten Straße geforscht. Am Beispiel der damaligen Wilhelm-Külz-Straße könne sie darlegen, dass „auch hier das die Forschung prägende Narrativ von der Zerstörung historischer Stadtstrukturen nicht aufrecht erhalten werden kann“, schreiben die Herausgeber des Tagungsbandes, Sigrid Hofer und Andreas Butter, im Vorwort.

Campen selbst kam zu dem Schluss, dass die „Stadtgeschichte Potsdams mit ihrer seit dem 17. Jahrhundert entstandenen Kulturlandschaft ... auch während der DDR als prägender Bezugsrahmen für die damaligen Planungen“ galt. Die vormalige preußische Residenz habe „in ihrer neuen Rolle als Bezirksstadt keineswegs eine reine ,Zerstörungsgeschichte’“ erlebt, sondern „ein komplexes Nebeneinander von Kontinuitäten und Brüchen in der Auseinandersetzung mit der gegebenen Bautradition“. Die Autorin konstatiert: „Eine Neubewertung ist längst überfällig.“

Beim Umbau der Wilhelm-Külz-Straße waren laut Campen „einerseits die lokalen barocken Bauten und städtebaulichen Strukturen“, andererseits die „landschaftliche Ausrichtung zum Wasser“ besonders prägend. So hätten „neben dem Neubau als solchem auch die Modernisierung, Sanierung und Restaurierung von Baudenkmalen unterschiedlicher Gattung eine zentrale Bedeutung, und selbst Wiederaufbau fand statt“. Insgesamt sei „entlang des Straßenraums ein dynamischer Wechsel von modernen Neubauten und barocken sowie originalen Bauten zu konstatieren“.

Die 1841-1843 in Form einer Moschee errichtete Pumpstation für Sanssouci nennt Campen als „zentrales Restaurierungsobjekt“ im „stadtplanerischen Zentrum der Hochhäuser an der Neustädter Havelbucht“. Wegmarken der neuen Wilhelm-Külz-Straße waren das 1948-1949 im Lustgarten gebaute Ernst-Thälmann-Stadion, das 1967-1969 „als markantes, schlankes Hochhaus“ gleich daneben errichtete Interhotel (heute „Mercure“) und das 1969-71 an die Stelle der gesprengten Garnisonkirche gesetzte Rechenzentrum.

Ausschnitt eines Modells mit Gebäuden der Wilhelm-Külz-Straße, das in den 1970er Jahren im Zirkel für künstlerische Textilgestaltung des VEB

Ausschnitt eines Modells mit Gebäuden der Wilhelm-Külz-Straße, das in den 1970er Jahren im Zirkel für künstlerische Textilgestaltung des VEB Gleichrichterwerks Stahnsdorf angefertigt wurde. Es ist in der ständigen Ausstellung des Potsdam-Museums zur Stadtgeschichte zu sehen.

Quelle: © Potsdam Museum

1972/73 wurde die heutige Breite Straße von der Schopenhauerstraße über die teils zugeschüttete Neustädter Havelbucht zur Verkehrsentlastung der Innenstadt bis zur heutigen Zeppelinstraße verlängert. Mit dem Wohnkomplex Wilhelm-Külz-Straße war die Neugestaltung der Magistrale 1981 „im Wesentlichen beendet“. Das 1983 fertiggestellte Café „Seerose“ mit seiner markanten Dachschalenkonstruktion steht mittlerweile unter Denkmalschutz.

„Bislang nicht bekannt“ war laut Campen die „teilweise Rekonstruktion“ des Großen Waisenhauses 1979. Rekonstruiert wurden das Ständehaus (1978-1981), die Hiller-Brandtschen Häuser (1978-83) und das 1674 errichtete Predigerwitwenhaus (1982). Der Sanierung um 1980 sei zu verdanken, dass die „Kiezstraße sich heute so pittoresk präsentiert und als barockes Ideal verstanden werden kann“, schreibt Campen: Auch das zeuge „von einem durchaus vorhandenen und beachtlichen Interesse, das der gewachsenen Stadt in der DDR entgegengebracht wurde“.

Der Streit um den Marstall aber veranschauliche „auf bemerkenswerte Weise die strittigen Prozesse, die in der DDR in einer an baukulturellen Denkmalen reichen Stadt möglich waren“.

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Das Thema Bauen in der Potsdamer Mitte sorgt immer wieder für Zündstoff. Wie sieht der Masterplan für die einstige Residenzstadt aus? Wie viele DDR-Bauten verträgt die Innenstadt?

Am 30. August, 19 Uhr , bittet die MAZ zum Talk in die Wissenschaftsetage im Bildungsforum, Am Kanal 47.

Auf dem Podium sitzen Burkhard Exner (SPD), Bürgermeister und Finanzbeigeordneter der Stadt Potsdam, Saskia Hüneke, Stadtverordnete Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied im Bauausschuss, André Tomczak, Sprecher der Bürgerinitiative „Mitte neu denken“, und Ludger Brands, Professor für Architektur an der Fachhochschule Potsdam.

Anmeldung für die Veranstaltung unter 0331/2840-294 oder online: www.MAZ-online.de/MazTalk

Von Volker Oelschläger

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