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Potsdam Hitlers „Mein Kampf“ wird zur „Bückware“
Lokales Potsdam Hitlers „Mein Kampf“ wird zur „Bückware“
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11:00 01.02.2016
Die kritische Edition ist enorm gefragt – und nirgends zu bekommen. Quelle: dpa
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Potsdam/Umland

Neun Nennungen bringt die Suchmaschine der Stadt- und Landesbibliothek auf die Stichworte „Mein Kampf“ und „Hitler“. An erster Stelle kommt „,Mein Kampf’ – die Karriere eines deutschen Buches“ (2015, entliehen), danach „Adolf Hitler: Mein Kampf – Weltanschauung und Programm“, ein Studienkommentar (2011, im Regal) und „Adolf Hitlers ,Mein Kampf’: eine kommentierte Auswahl“ (2007, im Regal). Auch das Original ist da: „Mein Kampf“, zwei Bände in einem Band, München (1941, nicht entleihbar).

Keine Meldung gibt es zu „Hitler, Mein Kampf – Eine kritische Edition“, jener vom Münchner Institut für Zeitgeschichte herausgegebenen Publikation, mit der die Hetzschrift erstmals seit 1945 in Deutschland komplett nachgedruckt wurde; eingebettet in eine umfangreiche wissenschaftliche Kommentierung. Am 8. Januar sind erste 4000 Exemplare in den Handel gekommen – bundesweit. Man muss schon suchen, bis man eines davon zu Gesicht bekommt.

Nachfrage ist groß – Bücher sind vergriffen

Carsten Wist, Inhaber des Buchladens an der Brandenburger, Ecke Dortustraße, nennt es „charmant unprofessionell“, dass die Herausgeber nicht gleich an eine größere Auflage dachten. Die Nachfrage sei nach der breiten öffentlichen Diskussion „doch sehr groß“. Sie käme aber auch „eindeutig“ von Kunden mit kritischem Interesse. Er habe den Neudruck zunächst abgelehnt. Mit der Kommentierung aber sei dem Buch „das dämonenhafte genommen“. Bei ihm seien knapp 40 Bestellungen eingegangen. Mit der Lieferung rechne er „Richtung März“.

Bestellungen haben fast alle von der MAZ befragten Buchhändler angenommen. Fünf sind es in der Babelsberger „Bruno-H.-Bürgel“-Buchhandlung, zwei in der „Script“-Buchhandlung, zwei bei „Kaim bringt’s“ im Markt-Center, rund zehn in der Stiftungsbuchhandlung, fünf bei Michaela Loth in Beelitz, sechs bei „Huwe & Sperfeld“ in Bergholz-Rehbrücke. An andere Geschäfte verwiesen werden Interessenten bei „Press & Books“ am Hauptbahnhof.

„Kritische Edition“ nur als Ansichtsexemplar

Kaum einer der befragten Händler hatte die „kritische Edition“ schon in der Hand. Das „Internationale Buch“ an der Friedrich-Ebert-Straße bekam am Auslieferungstag ein Einzelstück: „Wir haben uns entschieden, das als Ansichtsexemplar zu behalten“, sagt Inhaber Stefan Bellin. Für ihn ist es Ironie, dass ausgerechnet dieses Buch durch eine sehr vorsichtige Verlagspolitik zur „Bückware“ wird. Der fast fünf Kilo schwere Doppelband steht nun zwischen Büchern wie „Black Earth – Der Holocaust und warum er sich wiederholen kann“, „Habe ich denn allein gejubelt? – Eine Jugend im Nationalsozialismus“ und „Heiliger Krieg – Gewalt im Namen des Christentums“.

Stefan Bellin mit dem Ansichtsexemplar. Quelle: Köster

Die Stadt- und Landesbibliothek hat laut Sprecherin Sibylle Weber ein Exemplar der kommentierten Ausgabe geordert. Bisher gebe es keine Vorbestellungen. Die Bibliothek rechne aber auch nicht mit einer größeren Nachfrage: „Seit vielen Jahren gibt es kommentierte Ausgaben zu ,Mein Kampf’ mit Textauszügen, die auch im Regal stehen und kaum ausgeliehen werden.“

War es richtig, „Mein Kampf“ neu aufzulegen?

Ich meine, dass man es in der Schule durchnehmen sollte. Es gibt einen anderen Blick auf die Sache und zeigt, wie krank das alles war.“ Sarah Fuchs (23) Quelle: Lisa Neumann
Ich finde das gut. Ich bin für Literaturfreiheit und jeder kann alles – nicht nur das Schöne – lesen, um sich eine eigene Meinung zu bilden.“ Roman Kühne (28) Quelle: Lisa Neumann
Wie „Mein Kampf“? Das kenne ich nicht. Was ist das denn? Ich erinnere mich gar nicht mehr, ob wir das in der Schule hatten. Das ist ja auch schon lange her.“ Dagmar Lange (42) Quelle: Lisa Neumann

Von Volker Oelschläger

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