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Potsdam Hobbybrauer bitten an den Stammtisch
Lokales Potsdam Hobbybrauer bitten an den Stammtisch
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10:34 22.02.2018
Alexander Sporys ist nicht nur Barkeeper, sondern auch Hobbybrauer. Gleichgesinnte bittet er nun jeden dritten Sonntag im Monat an den Stammtisch. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Natürlich gibt’s in der Bar Gelb auch mal ein Glas Wasser. „Der Gast, der das bestellt, verpasst dann aber definitiv etwas: Genuss, Neugier und ein paar Geschichten“, beteuert Barkeeper Alexander Sporys (33). „Jedes Bier hat seine Geschichte – das macht es so besonders und so einzigartig.“ Weil er mehr über die Biere wissen wollte, die er ausschenkt, hat Alexander Sporys selbst mit dem Brauen begonnen – und er ist nicht der einzige, der daheim experimentiert. An jedem dritten Sonntag im Monat bittet er ab 19 Uhr Hobbybrauer zum Fachsimpeln und Verkosten an den Stammtisch in der Charlottenstraße 29.

Wie viele Sorten Bier schenkt die Bar Gelb aus?

Wir bieten sieben Biere vom Fass an, dazu kommen etwa 30 Flaschenbiere. Die meisten Biere kommen aus Berlin-Brandenburg. Das kommt bei unseren Gästen am besten an.

Wenn die Auswahl so groß ist – wieso dann selbst brauen?

Als Barkeeper wollte ich einfach wissen, wie das Brauen überhaupt funktioniert. Denn: Wie soll ich etwas verkaufen, von dem ich nicht weiß, was dahinter steckt, woher es kommt und wie es hergestellt wird? Wenn man etwas über das Bier, das man ausschenkt, erzählen kann, macht das einfach auch viel mehr Spaß. Das Verblüffende war: Das Grundprinzip des Brauen ist sehr simpel – es allerdings anzuwenden und dabei auch noch das herauszubekommen, was man will, ist hingegen recht schwierig. Der große Clou ist, das, was man gebraut hat und mit dem man zufrieden ist, auch ein zweites Mal genau so hinzubekommen.

Woher kommt Idee, einen Stammtisch für Hobbybrauer ins Leben zu rufen?

Brauen ist nicht nur mein Hobby – es gibt so viele Leute, die daheim ihr eigenes Bier brauen. Ich zum Beispiel braue immer mit einem Freund zusammen. Zu zweit ist es einfacher, denn manchmal braucht man eine dritte Hand. Brauen ist ein Hobby, seit es vor 500, 600 Jahren die Klöster verlassen hat. Natürlich haben die Mönche ihr Wissen nicht einfach so geteilt. Die Leute haben also viel herumexperimentiert – so wir es heute auch machen. Sich darüber auszutauschen, macht das ganze noch spannender.

Wer besucht den Stammtisch?

Bis jetzt nur Männer zwischen 16 und 60 Jahren. Selbst in den einschlägigen Internetforen ist mir noch nie ein Frauenname aufgefallen. Das ist kurios, denn das Brauen war früher Frauenarbeit, es gehörte in jede Küche.

Wie groß ist die Hobbybrauer-Szene in Potsdam?

Das kann man nur schätzen. Ich glaube, dass in Potsdam 50 bis 100 Leute aktiv brauen. Der Rahmen, in dem das passiert, ist aber sehr unterschiedlich. Der Durchschnittshobbybrauer braut um die 30 Liter, aber es gibt Leute, die deutlich weniger brauen, und wieder andere, die deutlich mehr brauen. Laut Gesetz dürfen es 200 Liter pro Person pro Jahr sein – darüber hinaus müsste man sich beim Zoll anmelden und Alkoholsteuer abführen.

Kommen wir zur Gretchenfrage: Wie hält es der Hobbybrauer mit dem Reinheitsgebot?

Beim letzten Hobbybrauer-Treffen waren wir zu siebent und es gab dazu sieben Meinungen. Ein Teilnehmer sagt, das Reinheitsgebot gibt ihm so viel Freiheit, dass er gar nicht das Bedürfnis habe, etwas anderes zu verwenden als Hopfen, Malz, Hefe und Wasser. Bei mir und meinem Kumpel ist das anders: Wir wollen als nächstes ein Kartoffelbier brauen. Gerade haben wir einen Kirschbock am Start, der zum Treffen am Sonntag fertig ist. In unserer Runde ist jedem selbst überlassen, was er macht.

Wenn ich selbst mit dem Brauen beginnen möchte: Was ist zu beachten?

Ich rate immer: Einfach machen, einfach brauen! Man sollte nicht zu viel Respekt davor haben – am besten lernt man beim Ausprobieren. Unser erstes eigenes Bier hat uns beeindruckt – es war zwar ein einfaches und kein sonderlich spannendes Bier, aber es war trinkbar und klar als Bier zu erkennen. Also ein Erfolg gleich beim ersten Versuch! Was man wissen sollte: Man braucht etwas Platz zum Brauen und muss sich dran gewöhnen, dass man danach noch zwei Stunden die Küche putzt. Deshalb brauen die, die einen Garten haben, meist draußen. Man braucht auch kein aufwendiges Equipment: Es genügen ein Koch- oder ein Glühweintopf oder ein Einkocher und ein zweiter Topf, in dem alles gärt, und ein Sieb. Alles darüber hinaus ist dem persönlichen Anspruch geschuldet. Natürlich kann man noch 1000 Schläuche kaufen und fünf Eimer – aber das ist eine andere Geschichte. Hilfreich ist es übrigens zu protokollieren, was man macht – so ist alles nachvollziehbar, wenn das Bier schmeckt.

Welche Anfänger-Panne ist typisch?

Dass man noch sehr langsam ist. Wir haben fürs erste Brauen locker zehn Stunden gebraucht, obwohl nur vier nötig waren. Die allergrößte Frage und Herausforderung ist aber: Wie kriegst du die Kohlensäure ins Bier? Ist zu wenig drin, schmeckt es wie Abwaschwasser. Ist zu viel drin, baust du kleine Bomben und es hört nicht auf zu sprudeln, bis die Flasche leer ist. Deshalb machen wir am Stammtisch unsere Flaschen immer sehr vorsichtig und langsam auf und hören dabei auf jedes noch so leise Zischen. Die Teilnehmer, die seit Jahren brauen, ploppen ihre Flaschen einfach auf.

Wie läuft so ein Treffen ab?

Wer selbst braut und schon ein bisschen Ahnung hat, kommt einfach vorbei – die Teilnahme ist kostenfrei. Wir kennen uns hier alle noch nicht, aber spätestens, wenn jemand eine Flasche auf den Tisch stellt und sein Bier präsentiert und zum Verkosten anbietet, geht’s los: Da kommen Fragen über Fragen und jede wird ausdiskutiert. Die Zeit vergeht wie im Fluge und plötzlich ist es 1 Uhr morgens. Und obwohl uns das Brauen mehr interessiert als das Trinken, waren wir beim ersten Treffen im Januar alle ganz schön betrunken.

Von Nadine Fabian

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