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Hochsaison der Bettler in Potsdam

Zwischen Dankbarkeit und Pöbelei Hochsaison der Bettler in Potsdam

Nur etwas Kleingeld?! In der Ferienzeit wird in Brandenburgs Landeshauptstadt so viel gebettelt wie nie. Gibt es kein Geld, können die Bettelnden auch mal richtig aufdringlich werden – pöbeln und spucken. Deshalb rückt hin und wieder die Polizei an, etwa beim Nobelrestaurant in der City. Inzwischen gibt es auch eine neue Masche. Kinder fragen immer öfter nach Geld.

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Um Geld zu bitten ist nicht verboten – wer andere aber bedrängt, begeht eine Straftat.

Quelle: foto: DPA

Innenstadt. Ein Spaziergang durch die Fußgängerzone während der Sommerferien beschert einem Kontakte jeglicher Art: während sich die Touristen buslandungsweise durch die Haupteinkaufsstraße zwängen, wird man auf Schritt und Tritt angesprochen. Die einen fragen nach dem Weg, andere wollen Handyverträge oder Mitgliedschaften verkaufen, wieder andere sammeln Unterschriften – oder fragen nach Geld. Das kommt in Potsdam zu keinem Zeitpunkt im Jahr häufiger vor als jetzt. Im Juli und August haben Bettler in der City Hochsaison.

Grundsätzlich ist es natürlich in Ordnung, wenn Bedürftige andere um Hilfe bitten. Da sind sich die meisten Potsdamer einig. Und viele geben dann auch gerne ein paar Euro. Die Frage ist nur, wie bettelnde Personen oder Gruppen auftreten. Das reine Ansprechen auf der Straße und sogar die Frage nach Geld, das stellt auch Polizeisprecherin Jana Birnbaum klar, stellen noch keine strafbare Handlung dar. Problematisch allerdings wird es, wenn Bittsteller zudringlich oder aggressiv werden.

Polizei rückt wegen aufdringlichen Bettlern an

„Wir haben ganz schlechte Erfahrungen gemacht“, erzählt zum Beispiel Janina Langhein, Kellnerin im Nobelrestaurant „Pfeffer & Salz“. Rund 50 Tische stehen vor dem Lokal auf der Brandenburger Straße. Häufig sei es vorgekommen, dass Gäste von Bettelnden bedrängt wurden. „Die kommen direkt an die Tische und fordern Geld“, berichtet Langhein, „manche sind stark alkoholisiert und pöbeln die Gäste an.“ Häufiger habe deswegen die Polizei anrücken müssen, in Spitzenzeiten zweimal pro Woche. Auch Kristin Köbernik, stellvertretende Marktleiterin der gegenüberliegenden Kaiser’s-Filiale, berichtet von Problemen. Vor dem Supermarkt traf sich des öfteren eine Gruppe von Trinkern. „Eine Zeit lang kamen die nahezu täglich“, so Köbernik. Alkoholisiert hätten die Männer Kunden belästigt, gebettelt, gepöbelt. Auch hier war die Polizei mehrfach im Einsatz, im Kaiser’s-Markt haben die meisten von ihnen seit langem Hausverbot. „Seit einiger Zeit kommen die aber nicht mehr“, so Köbernik weiter, „ich weiß auch nicht, warum.“

Manche Bettler „spucken auch mal“

Etwas weiter westlich entlang der Brandenburger Straße haben Gastronomen weniger heftige Erfahrungen gemacht. Maura Runge, die als Barkeeperin im „Café Alice“ nahe der Kreuzung zur Lindenstraße arbeitet, kann sich nicht an größere Probleme erinnern. „Es kommt vor, dass hier Künstler spielen“, erzählt sie. „Die kommen auch mal an die Tische und sammeln. Belästigungen habe ich aber noch keine mitbekommen.“

Im Außenbereich des Restaurants „Matador“ am Brandenburger Tor sind nach Auskunft von Betriebsleiter Roberto Ilardo auch vorwiegend Straßenmusiker aktiv. „Das ist zwar ein bisschen nervig, aber die stören mich nicht“, so Ilardo. „Ich verstehe die sogar ein wenig, allerdings bitte ich sie, die Gäste in Ruhe zu lassen oder weiterzuziehen.“ Auch hier komme es vor, dass einzelne Bettler aggressiver auftreten. „Die Älteren schimpfen laut oder spucken auch mal“, so Ilardo. „Aber das war schon immer so. Überall. Die gehen auch wieder.“

Spendausweise gefälscht?

In letzter Zeit allerdings habe er etwas Neues beobachtet: „Auf dem Platz vor dem Brandenburger Tor laufen 12- bis 16-Jährige rum, zeigen Passanten Bilder aus Krisengebieten und einen angeblichen Spendensammlerausweis.“ Er könne sich allerdings nicht vorstellen, dass diese echt seien. „Die geben sowas doch nicht an Kinder aus“, so der Gastronom.

Erscheint einem Gefragten sein Gegenüber nicht vertrauenswürdig, muss er sich zu nichts verpflichtet fühlen. „Wer nichts geben will, sollte auch nichts geben“, sagt Polizeisprecherin Jana Birnbaum. Auch die Polizei warnt vor Betrugsversuchen. Werde ein körperliches Gebrechen vorgetäuscht oder um Spenden gebeten, ohne dass ein Ausweis für offizielle Spendensammler und ausführliches Informationsmaterial zur Sammlung vorhanden sind, ist von einer Straftat auszugehen. In solchen Fällen sollte die Polizei eingeschaltet werden. In allen anderen Fällen bleibt jedem einzelnen selbst überlassen, wie er handelt.

Geben Sie etwas, wenn sie angebettelt werden?

„Gerade heute hat mich am Bahnhof ein junger Mann um Geld für seinen Fahrschein gebeten

„Gerade heute hat mich am Bahnhof ein junger Mann um Geld für seinen Fahrschein gebeten. Ich habe ihm dann einen Euro gegeben.“ Brigitta Liebscher, 77, Rentnerin aus Berlin

Quelle: Kirf
„Es ist schwierig, bewusst zu reagieren

„Es ist schwierig, bewusst zu reagieren. Unterbewusst kategorisiert man jemanden in fünf Sekunden. Ist mit jemand sympathisch, spende ich.“ Menno Veldhuis, 40, Künstler aus Potsdam

Quelle: Kirf
„Kommt drauf an

„Kommt drauf an. Wenn ich den Eindruck habe, dass jemand wirklich hilfsbedürftig ist, gebe ich gerne das Kleingeld, das ich dabei habe.“ Melanie Schönbeck, 34, Verkäuferin aus Potsdam

Quelle: Kirf

Von Marcel Kirf

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