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Potsdam Hochzeitsküsse im Palast Barberini
Lokales Potsdam Hochzeitsküsse im Palast Barberini
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18:42 02.12.2016
Sie waren die ersten: Der Schauspieler René Schwittay und die Choreografin Anja Kozik verließen den Palast Barberini gestern als Eheleute. Quelle: Christel Köster
Innenstadt

Um 10.42 Uhr nimmt der Bräutigam Reißaus. Er bahnt sich seinen Weg durch die Hochzeitsgesellschaft und entwischt mit den Worten, er habe etwas Wichtiges vergessen, durch die sich schließende Fahrstuhltür. Soll – muss – man ihn aufhalten? Der Lift setzt sich in Bewegung. Die Gäste schauen verdutzt. Die Braut lacht. So beginnt sie, die erste von drei Hochzeiten am Freitag im Palast Barberini.

Drei Paare hatten die einmalige Gelegenheit, im neu errichteten Prachtbau zu heiraten. Das Museum Barberini, das am 23. Januar 2017 mit der Ausstellung „Klassiker der Moderne“ eröffnet wird, ist zwar kein offizieller Trauort der Landeshauptstadt Potsdam, wurde aber in einem unbürokratischen Akt als „Standesamt für einen Tag“ zugelassen. „Die Idee dazu hatte unser Kurator Michael Philipp“, sagt Ortrud Westheider, Direktorin des Museums. Gespannt hatte sie sich ins Auditorium „ihres“ Hauses gestohlen, um sich die Trauung am Vormittag anzuschauen. „Es ist bemerkenswert, wie sich der Raum, wie sich die Atmosphäre verändert“, so Ortrud Westheider. „Ich bin froh, dass wir das gemacht haben.“

Die ersten, die sich im Auditorium mit Blick auf den Alten Markt, auf St. Nikolai und das Fortuna-Portal das Ja-Wort geben, sind der Schauspieler René Schwittay (38) und die Choreografin und Tänzerin Anja Kozik (51). Im Gefolge hat das Paar nahezu das gesamte Ensemble des Hans-Otto-Theaters inklusive Intendant Tobias Wellemeyer. René Schwittay trägt einen eleganten Anzug, Anja Kozik einen bodenlangen, bordeaux-roten Tüllrock und eine hauchdünne, bunt bestickte weiße Tunika. Die zwei sind es zwar gewohnt auf der Bühne zu stehen – doch das Lampenfieber vor der Trauung wird wohl so schnell keine Premiere überbieten können. Zumal man den exklusiven Termin erst vergangenen Sonntag ergattert hatte – und zwar ganz spontan.

Auch Kristin Winkler und Jan-Uwe Guhl aus Fichtenwalde heirateten am 2. Dezember 2016 im Palast Barberini. Quelle: Christel Köster

Die Brautleute – sie sind seit sechs Jahren ein Paar – halten sich fest an den Händen, während sie vor der hohen Flügeltür darauf warten, dass ihre lebhafte Festgesellschaft zur Ruhe findet. Auf dem Parkett liegen weiße Blütenblätter, an den Stühlen duften cremefarbene Rosen. Herzballons geben der Szenerie in dem lichtdurchfluteten, ansonsten schlichten Raum einen verspielten Rahmen.

Dann endlich! Punkt 11 Uhr treten Braut und Bräutigam begleitet von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ ein, gehen ein paar Schritte zu weit, finden kichernd zurück auf den rechten Weg und stehen schließlich mit fiebrigen Wangen der Standesbeamtin gegenüber. Auch Ulrike Wildner ist aufgeregt: „Das ist hier ein Ort, an dem ich nie zuvor jemanden getraut habe“, sagt sie kurz zuvor der MAZ. „Aber: Einer muss ja einen klaren Kopf bewahren und dem Paar, das noch viel aufgeregter ist, Sicherheit geben.“

Für die meisten sei dieser Freitag ein ganz normaler Tag, hebt Ulrike Wildner an. „Sie aber haben entschieden, den 2. Dezember 2016 zu einem besonderen Tag werden zu lassen und den wundervollen Bund er Ehe zu schließen.“ Seit 13 Jahren traut Ulrike Wildner in Potsdam Paare. „Für mich gehört der Augenblick des Ja-Wortes zweier Menschen, die sich innig lieben, noch immer zu den schönsten Momenten meines Berufes“, sagt die Standesbeamtin. Bevor sie aber René Schwittay und Anja Kozik fragt, ob sie bereit und gewillt sind, die Ehe einzugehen, und sie Kraft des Gesetzes zu rechtmäßigen Ehepartnern erklärt, wird es sehr persönlich und sehr romantisch: Tief bewegt trägt Aktrice Melanie Straub das Lieblingsgedicht des Paares vor – Gottfried Benns „Drohungen“ an Else-Lasker Schüler in dem er bekennt „Meine Liebe weiß nur wenig Worte: Es ist so schön an deinem Blut.“ Schließlich greift der Bräutigam gar selbst zur Gitarre und singt glückstrahlend Snow Patrols „Chasing cars“: „Wenn ich hier liege, wenn ich einfach nur hier liege – würdest du dich zu mir legen und die Welt vergessen?“ – Sie will! Und dafür gibt’s nicht nur einen, nicht nur zwei, sondern drei stürmische Küsse.

Von Nadine Fabian

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