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Hoffnung für den Friedrichspark

Potsdam Nord: Marquardt, Uetz, Satzkorn Hoffnung für den Friedrichspark

Potsdams größte Gewerbebrache mit ihren immerhin 76 Hektar hat von chinesischen Erlebniswelten über riesige Einkaufszentren und Sportareale sowie Logistikdienste schon viele Ideen gesehen. Doch den großen Wurf gibt es nicht – eine schrittweise und kleinteilige Entwicklung ist nach Meinung der Wirtschaftsförderer Erfolg versprechender. Jetzt zieht auch der Eigner mit.

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Potsdams Wirtschaftsförderer Stefan Frerichs.

Marquardt. Raste nicht links der Ferienbeginnverkehr auf der A 10 und hinten der Zubringerverkehr auf der B 273 vorbei, wären da nicht ein Baumarkt, ein Busunternehmen und ein Stahlhandel sowie ein Straßenschild mit dem Namen „Am Friedrichspark“, so ließe sich kaum vermuten, das vor einem, nur flankiert von einer Eisenbahnlinie, die mit 76 Hektar größte Gewerbe- und Industriebrache Potsdams sich gen Norden erstreckt. Das ist natürlich unfair formuliert, offiziell ist der Fried­richspark ein Gewerbegebiet, von außen erschlossen, und das schon seit mehr als 20 Jahren. Viele Ideen wehten in dieser hindurch und darüber hinweg und viele Pläne wurden für die Brache zwischen Marquardt, Satzkorn und Uetz geschmiedet, Interessenten kamen und gingen, festgesetzt hat sich in großem Umfang niemand.

Bereits 1993 verabschiedeten die drei Anrainergemeinden Uetz, Satzkorn und Marquardt in einem gemeinsamen Kraftakt einen mehrteiligen Bebauungsplan, der die Nutzung der Fläche detailliert regelte. Zehn Jahre vor der Eingemeindung nach Potsdam kam das beim großen Nachbarn nicht gut an, die Landeshauptstadt fürchtete Gefahr für den Handel in der Innenstadt, falls dort ein riesiges Einkaufszentrum „auf der grünen Wiese“ entstünde und klagte. Vor den endgültigen Gerichtsentscheidungen kamen Änderungen der Pläne, statt eines riesigen Einkaufszentrums sollte nun ein Mix aus Hotels, Tagungszentren, Großhandel, Autozentrum und Schwimmbad die Fläche zieren. Auch daraus wurde nichts, die Eingemeindung kam 2003, die Pläne wanderten ins städtische Bauamt.

Von der Innenstadtbedrohung zum Ideengrab

Wäre der Friedrichspark, wie Anfang der 1990er Jahre geplant, mit einem riesigen Einkaufszentrum geplant, würden nach Meinung der Wirtschaftsförderer „florierende Ausfallstraßen und Leerstand in der Innenstadt“ den Handel Potsdams am besten umschreiben.

Erst mit dem Erwerb des Kaufhauses in der Brandenburger Straße durch Karstadt und dessen Restaurierung nach einem schweren Brand festigte sich der Handel in der Innenstadt hinreichend, um gegen solche Gefahren gewappnet zu sein.

Mit der Zeit änderte der Eigentümer seine Meinung und war bereit, auch Teilareale zu vergeben – so etwa für eine Solaranlage an der Autobahn, die dort bis 2030 ein Standrecht hat. Sie wurde nur teilweise errichtet.

Im Jahr 2006 kursierte erneut die Idee eines Einkaufszentrums mit 22 000 Quadratmetern Handelsfläche, sie stieß aber auf politischen Widerstand.

Auch eine „Infotainment-Welt“ wie die Autostadt in Wolfburg oder die Kristallwelten von Swarovski in Österreich geisterte einige Zeit durch die Ausschüsse der Stadtverordnetenversammlung – gebaut wurde sie nie.

Spätestens seither müssen sich Potsdams Wirtschaftsförderer im Rathaus stets die Frage anhören, warum sie allerorten über fehlende Gewerbeflächen klagten, wenn doch im Norden ein Riesenareal ungenutzt zwischen den Ortsteilen liege. Die Antwort ist seither dieselbe: Weil die Fläche der Stadt nicht gehört. Sie wurde Anfang der 1990er Jahre von der „Friedrichspark Grundstücksentwicklungsgesellschaft (FGE) gekauft, als allerorten Dörfer sich ein Gewerbegebiet zulegten, in der Hoffnung auf Steuereinnahmen und Arbeitsplätze. Eigner Friedrich Landwehrmann wollte die Fläche partout am Stück verkaufen, nicht in kleinen Teilen. Vermutlich wäre nach dem Preis für die brach liegenden Flächen die Innenerschließung ein unternehmerisches Risiko gewesen – der Eigner war für die MAZ leider nicht zu erreichen, um darüber Auskunft zu geben. Das brachte die Wirtschaftsförderer in eine missliche Lage, denn so riesige Ansiedlungen am Stück sind eine Seltenheit. Das Gros der Anfragen belaufe sich auf Gewerbeflächen von 5000 Quadratmetern, manchmal auch 1000 oder nur 500, sagen die Chef-Wirtschaftsförderer Stefan Frerichs und Jutta Moll unisono.

Doch es gibt Hoffnung für das Areal – und damit auch für den Eigner und die Stadt: Nach den Jahren des Wartens, nach all den Logistikzentren, Einkaufswelten, Freizeiteinrichtungen und dem Park „World of China“, die sich dort ansiedeln wollten und immer wieder zurückzogen, ist ein Konsens mit dem Eigner erzielt: Demnach soll die Stadt Interessenten bündeln, die nach 3000–4000 Quadratmetern Fläche suchen und auch bereit wären, einen Teil der Innenerschließung zu übernehmen. Stefan Frerichs ist sicher, dass, ist dort erstmal der erste Streifen bebaut, der Friedrichspark zu einem Selbstläufer werden könnte. Das wäre dann nicht der erwartete große Wurf in einem Rutsch, sondern eine bescheidenere und länger währende Lösung – doch immer noch besser als eine nicht verkaufte Brache im boomenden Norden und Einsamkeit am Zubringer.

 

Von Jan Bosschaart

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