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Potsdam Horst Eckert liest aus "Schattenboxer"
Lokales Potsdam Horst Eckert liest aus "Schattenboxer"
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09:04 28.05.2015
Horst Eckert. Quelle: dpa
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Gleich auf den ersten Seiten wird das Misstrauen des Lesers gründlich angestachelt. Horst Eckert schildert die Ermordung des Präsidenten der Treuhandanstalt am 1. April 1991 aus der Perspektive des Scharfschützen. Der Killer hinterlässt am Tatort ein Handtuch mit fremden Haaren, damit das Verbrechen durch die Arbeit der Kriminaltechniker einem linksradikalen Musiker in die Schuhe geschoben werden kann. Traue keiner Spur, denn sie kann auch vorsätzlich gelegt sein!

Der Name des Opfers Detlev Rohwedder wird im Buch durch einen anderen ersetzt. Auch die Terroristen Wolfgang Grams und Eva Haule heißen anders. Authentische biografische Umstände und das bis heute nicht aufgeklärte Verbrechen bilden aber den Kern dieses mutigen Polit-Krimis. Weil von den Morden der dritten RAF-Generation bis heute keiner eindeutig aufgeklärt worden ist, machen immer wieder Verschwörungstheorien die Runde. In „Schattenboxer“ malt der 56-jährige Horst Eckert, der 15 Jahre lang als Fernsehjournalist gearbeitet hat, die These aus, ein mafiotisch organisiertes BND-Kommando habe Rohwedder aus dem Weg geräumt, weil der Chef der DDR-Treuhand die Veräußerung des Minol-Tankstellennetzes an den französischen Konzern Elf Aquitaine abgelehnt habe (Leuna-Affäre).

Auf fast 400 Seiten entspannt sich eine äußerst dichte, höchst komplexe, in sich schlüssige Handlung. Im Mittelpunkt steht Vincent Veih, der Leiter des Düsseldorfer Kriminalkommissariats 11, für dessen stressigen Alltag der Leser großen Respekt entwickelt. Was stürzt nicht alles auf diesen tatkräftigen Charakter ein! Ständig klingelt das Handy, auch Praktikantinnen wollen beschäftigt sein, der Chef droht, die Journalisten drängen und die aktuelle Freundin möchte auch noch was von ihm haben. Obendrein kommt Veih aus politisch extremen Verhältnissen. Sein Opa war ein strammer Nazi, die Mutter dagegen eine aktive RAF-Terroristin. Sie hat sich kaum um ihren Sohn gekümmert, aber nach Verbüßung ihrer Haftstrafe wohnen beide nun in Düsseldorf und ein aktueller Fall macht sie scheinbar zu unmittelbaren Gegenspielern. Brigitte Veih, die inzwischen als Autorin und Fotografin mit brisanter Vergangenheit von der Medienöffentlichkeit hofiert wird, engagiert sich in einer Bürgerinitiative für die Freilassung eines angeblich zu Unrecht verurteilten Farbigen. Ihr Sohn ist es, der die Ermittlungen nun noch einmal aufrollt und in der Tat schlimme Machenschaften seiner Polizeikollegen aufdecken muss.

Wer den aktuellen Maskenmann-Prozess verfolgt, kann diesem Strang des Buches eine gewisse Wahrscheinlichkeit nicht absprechen. Was die detailreich konstruierte Handlung aber vorantreibt, das sind gleich mehrere sadistische Sexualmorde. Auch auf der Täterseite zeichnet sich bald eine Familiendynastie ab, die von der Diskontinuität der deutschen Geschichte geprägt wurde. Im Mittelpunkt steht ein selbstherrlicher politischer Liedermacher (ein Typ wie Hannes Wader oder Konstantin Wecker). Während dessen Vater in der berüchtigten Legion Condor gekämpft hat, verwahrloste der außereheliche Sohn des Liedermachers im flippigen Milieu der Achtundsechziger Generation.

Dass sich am Ende alles mit allem irgendwie verknüpft, liegt in der Natur eines Kriminalromans. Horst Eckert gelingen pointierte Dialoge, prägnante Milieuschilderungen und eine ausgebuffte Dramaturgie. Der Spiegel, den er der Gesellschaft vorhält, ist sehr breit, denn er erzählt sowohl aus der Perspektive der Täter, der Opfer und der Ermittler. Seine Fantasie schrammt so hart an der Realität, dass die Figuren und die Orte im Gedächtnis des Lesers ein Eigenleben entfalten.

Von Karim Saab
 

Horst Eckert: Schattenboxer. Wunderlich, 396 Seiten, 19,95 Euro.
Lesung am Donnerstag, 28. Mai, 19 Uhr im MAZ Media Store Potsdam, Friedrich-Ebert-Straße 85/86 (Nähe Nauener Tor). Eintritt 5 Euro. Kartenreservierung unter (0331) 2840 284.

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