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Potsdam Horst Girnt schließt nach 60 Jahren seinen Elektroladen
Lokales Potsdam Horst Girnt schließt nach 60 Jahren seinen Elektroladen
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17:35 31.07.2016
Horst Girnt mit RFT-Tonbandgerät von 1964. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Waldstadt

Nach sechs Jahrzehnten im Berufsleben geht Horst Girnt, in Potsdam gleichsam ein Synonym für Unterhaltungselektronik und Service, in den Ruhestand. Zum 1. Oktober schließt der 84-Jährige sein Fachgeschäft im Waldstadt-Center. Dass eine Mieterhöhung anstand, sei jedoch nicht der ausschlaggebende Grund gewesen. „Ich wollte die 60 Jahre voll machen, das war mein Wunschtraum. Nun ist Feierabend“, sagt Horst Girnt, der seine erste Werkstatt – damals noch mit einem Partner – am 1. August 1956 in der Friedrich-Ebert-Straße eröffnete. Repariert wurden vor allem Radios und der „Rembrandt“, das erste in der DDR produzierte TV-Gerät – mit einem Bildschirm, der kaum größer war als ein Taschenbuch. Doch da gab es einen Trick. „Das Gehäuse ließen wir vom Tischler aufschneiden und bauten eine größere Bildröhre ein“, erzählt der gelernte Rundfunkmechaniker, der von 1968 bis 1990 Innungs-Obermeister war.

„Wir hatten eine schöne Zeit", resümiert Horst Girnt, nicht ohne sich bei allen „lieben und treuen Kunden“ zu bedanken, „die jahrelang unsere Dienstleistung in Anspruch genommen haben Wir bitten um ihr Verständnis, das wir nach 60 Jahren schließen“. Ehefrau Christa (81) kümmerte sich von Anfang an um die Buchhaltung. Als die Girnts mit Geschäft und Werkstatt Mitte der 1990er Am Kanal zu finden waren, feierten sie dort sogar Silvester. „Bei uns oft wurde oft eingebrochen, einer fuhr mal mit einem Lastwagen ins Schaufenster. Silvester flog ein Böller in den Laden. Also blieben wir vor Ort – nahmen Sekt und Bettzeug mit“, erzählt Christa Girnt. 2005 zog die Girnt TV-Service GmbH ins Waldstadt-Center. Da in der DDR der Verkauf in staatlicher Hand war, durfte Horst Girnt Unterhaltungselektronik nur reparieren, nach der Wende auch damit handeln. Die Angebotspalette reicht von Handys über Digitalkameras bis zu Fernsehern. Nach 1990 habe sich der Boom gut zehn Jahre gehalten, sagt der Chef. Danach wurde es schwieriger. Reparaturen machen nur noch einen verschwindend geringen Anteil am Gesamtgeschäft aus – „vielleicht ein Prozent“. Neue Geräte kaufen viele Leute bei großen Ketten oder im Internet. Bis 1990 bildete Horst Girnt 20 junge Leute zu Rundfunkmechanikern aus – der erste Lehrling von einst ist schon in Rente.

Die Söhne Bernd und Detlef traten ebenfalls in Vaters Fußstapfen. Sie sind inzwischen in einem reiferen Alter und übernehmen das Geschäft nicht. Im Ruhestand will sich das Paar vor allem um den üppigen Garten in Groß Glienicke kümmern. Und Horst Girnt ist begeisterter Flugmodellsportler, baute mindestens 500 Exemplare. „Damals habe ich die halbe DDR mit Flugmodelltechnik versorgt“, sagt er.

Von Ricarda Nowak

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