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Die Geschichte eines umstrittenen Hotels

Streit über Mercure Die Geschichte eines umstrittenen Hotels

Seit 1969 steht das "Mercure", das frühere DDR-Interhotel, prominent in Potsdams Zentrum. Nach der Wende wurde wiederholt über den Abriss debattiert. Auf heiße Diskussionen folgte langes Schweigen. Im Jahr 2012 schien das Ende des Hotels dann besiegelt, doch es kam alles anders. Jetzt steht die Zukunft des Hauses erneut auf dem Spiel. Hier die ganze Geschichte.

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Bau des Mercures. Im Hintergrund die Nikolaikirche am Alten Markt.

Quelle: Herbert Posmyk

Potsdam. 1966 - 1969: Bau des Interhotels Potsdamdurch ein Architektenkollektiv unter der Leitung von Sepp Weber. Der Neubau markiert den Eingang zur Stadt. Als Baustein bei der laufenden Neugestaltung des Potsdamer Zentrums stellt er zudem eine bewusste gesetzte, alternative Höhendominante dar.

1969: Das Mercure eröffnet. Es ist das zehnte Interhotel in der DDR. Es hat in 17 Etagen mehr als 420 Gästezimmer.  Im Dachgeschoss gibt es ein "Café Bellevue", das tagsüber zum Imbiss mit Weitblick einlädt und nachts zur höchst gelegenen Tanzbar der Stadt wird. Rund 400 Mitarbeiter sind hier beschäftigt.

Zu den Besonderheitendes Hauses zählt ein "Knobelsdorff-Appartement", das im Kontrast zu den sonst modern eingerichteten Zimmern mit barocker Möblierung Bezug auf die Geschichte des Ortes nimmt. Im Dachcafé gibt es ein aus 150.000 gläsernen Steinen gesetztes abstraktes Wandmosaik "Luft,Wasser und Ströme" des Potsdamer Künstlers Wolfgang Wegener (1933-2002).

Das Mercure gilt quasi als der Vorgänger des mehr als doppelt so hohen Hauptstadt-Hotels am Berliner Alexanderplatz, das 1970 den Betrieb aufnahm und als "Park Inn" geführt wird.

Zum Mythos des Interhotels gehört eine komplett von der Defa angemietete Etage. Zu den prominenten Gästen des Hauses zählten Zsa Zsa Gabor, Audrey Landers, Bernhard Wicki und der sowjetische Regisseur Juri Oserow. Für besondere Besucher hält das Hotel eine hauseigene Motoryacht bereit.

Das Mercure, ehemaliges Interhotel Potsdam, wurde im Jahr 1969 fertiggestellt. Nach dem der Fall der Mauer wurde das Hotel saniert und umgebaut. Es steht an der Langen Brücke und grenzt an den Lustgarten. Seit Jahren wird über einen möglichen Abriss des Hotels gestritten. Hasso Plattner wollte am Standort des Hotels eine Kunsthalle bauen, gab das Vorhaben aber schließlich auf, weil diese Pläne auf erheblichen Widerstand stießen.

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Bis zum  Ende der DDR ist der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) Hauptnutzer, der hauptsächlich Urlauber hier unterbringt. Nach der Wiedervereinigung und der Auflösung der zentralen Gewerkschaftsorganisation erwarb die neu gegründete Interhotel AG den Gebäudekomplex.

In der  Nachwendezeit wird das Hotel mehrfach umgebaut.

1992 : Das Hotel wird für 20 Jahre an die Mercure-Kette verpachtet.

1994 : Das Panoramacafé wird geschlossen.

Oktober 1999 Es wird eine Sanierungssatzung "Potsdamer Mitte" erlassen, die auch für den Lustgarten gilt. Bei den vorbereitenden Untersuchungen werden für das Hotel aber keine Festlegungen getroffen, weil man für absehbare Zeit nicht von einer Aufgabe des Hauses ausgeht. Allerdings hält man fest, das Hotel "dominiert ... die Eingangssituation zur ehemaligen Stadtmitte. Maßstäblichkeit und der Standort im ehemaligen Lustgarten ... sind als äußerst problematisch einzustufen". 

Eigentümer der Immobilie ist jetzt die US amerikanische Investmentgesellschaft Blackstone Group, von der es Hotelbetreiber Accor gepachtet hat.

2002:  Die Räume unterm Dach werden zur Konferenz- und Veranstaltungsetage umgebaut.

Frühjahr 2006 Die Planungswerkstatt 'Potsdamer Mitte' empfiehlt: "Ein neues attraktives Hotelflächenangebot im Bereich Havelufer/Alte Fahrt sollte als Ersatz für das heutige Hotel Mercure angestrebt werden." Der Hotelstandort selbst ist kein Thema.

Frühjahr 2012 : Unternehmer und Mäzen Hasso Plattner kündigt an, er wolle eine Kunsthalle in Potsdam eröffnen. Als Standort ist das Gelände des Hotels Mercure im Gespräch.  Die Stadt teilt mit, dass man jede Chance ergreifen sollte, "dieses jede Maßstäblichkeit sprengende Gebäude abzutragen oder umzubauen, um damit Sichtbeziehungen und Proportionen in der Mitte wieder herzustellen." Plattner selbst bezeichnet das Grundstück des Mercure-Hotels als "fantastischen Standort" für eine Kunsthalle.

April 2012 Potsdamer Studenten schlagen vor, das Hotel in ein Studentenwohnheim umzuwandeln. An der Idee finden auch die Linken Gefallen. "Das ist sehr überlegenswert", sagte Linken-Kreisvorsitzender Sascha Krämer damals. Es müsse ein Weg gefunden werden, das Gebäude zu kaufen, "um es dann unter Verwaltung des Studentenwerks zu stellen", so Krämer. Sanierungskosten wären damit "tragbar" und der Mangel an innerstädtischem Wohnraum für Studenten wäre gelöst. Außerdem hätte Potsdam dadurch einen Imagegewinn: "Der neue Landtag, eine neue Synagoge, der Alte und der Neue Markt und dazu hunderte junge Menschen, die die Innenstadt mit Leben bereichern", so Krämer.

Anfang Juni 2012 : Der damalige Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) teilt mit, dass Blackstone an Plattner verkaufen will. Der Verkehrswert des Hotels ist mit 14 Millionen Euro gutachterlich festgesetzt; das wäre Plattners Kaufsumme. Weitere zwei Millionen könnte Klipp zufolge der Abriss kosten, den er als "Umbau" bezeichnet, weil womöglich das Sockelgeschoss stehen bleibt. Auf mindestens 25 Millionen Euro schätzt er die Baukosten der Kunsthalle.  Plattner hat von Oberbürgermeister Jann Jakobs bereits die Nachricht über die Standortentscheidung erhalten und „zustimmend zur Kenntnis genommen“. Er hält die Analyse für gründlich, sie könne "die Basis bilden für zukünftige Entscheidungen".

Doch der Gegenwind in Potsdam ist groß. Nicht wenige Bürger stehen einem Abriss des Hotels sehr kritisch gegenüber. Die Linke sieht in dem Plattenbau-Hotel gar einen "Meilenstein der DDR-Architektur". 

13. Juni 2012 :  Plattner erklärt, dass die Kunsthalle, die er der Stadt Potsdam in Aussicht gestellt hat, nicht am Mercure-Standort errichten wird. Er ist von den Protesten im Internet und von einer Aussage der Tourismus-Marketing Brandenburg irritiert, nach der das Hotel gebraucht würde. Er habe nicht vor, persönliche Ziele gegen den Willen einer Minderheit zu verwirklichen, sagte Plattner. Stattdessen soll die Halle mit DDR-Kunst auf dem SAP-Gelände am Jungfernsee, vor den Toren der Stadt, entstehen. Die Stadtpolitik reagierte bestürzt. Man müsse alles versuchen, Plattner umzustimmen, hieß es. 

18. Juni 2012: Die Bürgerinitiative 'Mitteschön' ruft zu einer Demonstration auf, um Hasso Plattner wieder umzustimmen. SPD, Grüne, CDU, FDP und Potsdamer Demokraten sowie Tausende Potsdamer Bürger – darunter auch Prominente wie...

...Günther Jauch,

Nadja Uhl,

und Wolfgang Joop

– protestieren auf dem Alten Markt für den Abriss des Hotels. Plattner ist überwältigt.

Er habe "eine solch überwältigende Demonstration nicht erwartet", sagte er schließlich. Wenn Potsdam so geschlossen hinter dem Projekt stehe, wolle er sich dem nicht verschließen – "dann gucken wir es uns nochmal an. An mir soll es nicht liegen", so der Mäzen, dessen Stimme danach im Jubel unterging.

Der Umschwung Plattners hängt auch damit zusammen, dass die Stadt im Hintergrund einige Hürden aus dem Weg geräumt hat. Insgesamt waren es vier Gründe, die Plattner am Standort Lustgarten zweifeln ließen: Die Kritik der Potsdamer; die älteren Rechte der Weißen Flotte, dort am Hafen zu bauen; die Behauptung, die Hotelbetten des Mercure würden gebraucht und durch seine Investition Arbeitsplätze vernichtet.

Um das Problem der Weißen Flotte will sich jetzt  die Stadt kümmern. Potsdams und Oberbürgermeister Jann Jakobs hat bereits mit Flotten-Chef Jan Lehmann gesprochen. Zusammen hat man einen neuen Platz für ein neues Gebäude der Flotte gefunden. Die Kosten der Verlagerung seien nun nicht mehr Plattners Sorge, erklärten beide, was dieser ausdrücklich begrüßt.

Ebenso hat sich die Stadt hinter den Kulissen ums Mercure gekümmert. Gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer und dem Hotel- und Gaststättenverband wurde vereinbart, dass jedem Angestellten des Mercure in Potsdam eine Arbeitsstelle angeboten werden könne. Da die Accor-Gruppe ihren Mietvertrag ohnehin gekündigt hat, würden die Mitarbeiter auch ohne Abriss arbeitslos, sofern sie nicht in ein anderes Hotel der Gruppe wechseln. Nun wäre der Abriss des Hotels für sie dank der Auffangbemühungen sogar ein Vorteil. Die wegfallenden 200 Betten sollen in einem neuen Hotel ähnlichen Zuschnitts in der nördlichen Speicherstadt entstehen, versprach Jann Jakobs.

Ende Juni 2012: Die Mercure-Mitarbeiter schreiben einen Offenen Brief an Hasso Plattner. Sie äußern ihren Unmut darüber, dass in der Stadt in Politik und Presse zwar viel über sie sprechen, aber nicht mit ihnen gesprochen werde.

Anfang Juli 2012:  Hasso Plattner nimmt endgültig Abstand von seinem Vorhaben, eine Kunsthalle am Standort des Mercure-Hotels zu errichten. Hintergrund ist die anhaltende, teilweise heftig geführte Debatte. Zudem hatten sich namhafte Architekten dafür ausgesprochen, auch alternative Standorte am Lustgarten für die Kunsthalle in Erwägung zu ziehen und einen Architekten-Wettbewerb für den Bau auszuloben. 

Plattner will die Kunsthalle nun auf einem eigenen Grundstück am Jungfernsee errichten. Die Stadtmitte kommt führ ihn jetzt gar nicht mehr in Frage.

Dezember 2012 : Anfang Dezember macht der ehemalige Betreiber Accor seine Ankündigung wahr und veröffentlicht, dass ab 1. Januar das Haus am Lustgarten zwar von einem anderen Betreiber, aber unter derselben Marke seinen Betrieb fortführt.

März 2013: Klipp stellt klar, dass für ihn das Hotel Mercure "das eigentliche Problem im Raumbezug zwischen Schloss und Lustgarten" sei. Das Hotelhochhaus störe die gesamte stadträumliche Proportion der Potsdamer Mitte, so Klipp. "Es stört vor allem die Beziehung zwischen Schloss und Lustgarten, indem es die Sichtachse zwischen Nikolaikirche, ehemaligem Schloss und wiederhergestelltem Neptunbecken verstellt." Der Baubeigeordnete rechnet in absehbarer Zeit mit einem Abriss des Hotels

April 2013 : Hasso Plattner erklärt, dass er seine Kunstsammlung doch gern in der Stadtmitte an einem prominentem Platz unterbringen will. Das Palais Barberini an der Alten Fahrt wird zukünftig seien Kunstwerke beherbergen.

Juni 2013 Die Sanierung des Lustgartens wird wieder ein Thema – und damit auch der Abriss des Hotels. "Unser Ziel ist ganz klar der Abriss", sagt Stadtsprecher Stefan Schulz. Nur selbst kaufen kann und will man das Hotel nicht. Klipp will den Abriss am liebsten vom Land Brandenburg bezahlen lassen. Er setzt dabei auf einen Topf zur "Beseitigung städtebaulicher Missstände". Auf Nachfrage stellt sich heraus, dass es tatsächlich ein Förderprogramm des Landes gibt, um städtebaulicher Denkmalschutz zu gewährleisten – und da kann schon mal ein Abriss nötig sein. Um an dieses Geld zu kommen, muss es aber eine „eindeutige Positionierung der Potsdamer Stadtverordneten“ geben, heißt es aus dem brandenburgischen Infrastrukturministerium.

September 2013 : Baudezernent Matthias Klipp präsentiert einen Plan zum Erwerb und Abriss des Mercure-Hotels. Der ist aber mit so vielen Unbekannten versehen, dass er nur Wenige überzeugt.  

Ende Oktober 2013: Potsdams Kämmerer Burkhard Exner antwortet auf die Frage wie er angesichts der aktuellen Finanzlage Potsdam das Herzensanliegen von OB Jakobs und dem Baubeigeordneten Klipp: Kauf und Abriss des Mercure-Hotels beurteile. Kurz und knapp antwortet er: "Das steht nicht an".

Derweil wird ein Werkstattverfahren zur Entwicklung des Lustgartens beschlossen, das nicht als reine Mercure-Abrissdiskussion geführt werden soll. Klipp verteidigt allerdings den von ihm bereits geäußerten Vorschlag, das Hotel zu erwerben und abzureißen. Nach seiner Ansicht sei es beim Mercure ebenso legitim, dafür öffentliche Mittel einzusetzen, wie beim Gebäude der Fachhochschule, beim Rechenzentrum an der Ecke Breite/Dortustraße oder bei dem schon vor einiger Zeit abgerissenen Gebäude der Wasserwirtschaft an der Ecke Friedrich-Ebert-/Schlossstraße.

In dem Werkstattverfahren soll bis zum Sommer 2014 von einem Gutachtergremium ausgewählten Teams nach einem ersten Werkstattgespräch ihre Vision vom Lustgarten der Zukunft aufs Papier zu bringen. Potsdamer sollen über Befragungen mehrfach die Möglichkeit bekommen, ihre Meinung etwa zur Aufgabenstellung und zu den Entwurfskonzepten einzubringen. "Wir möchten das Verfahren ganz transparent gestalten, um einen breiten gesellschaftlichen Diskurs zu ermöglichen", sagt Bert Nicke, Chef des Sanierungsträgers.

Januar 2014 : Das Panoramacafé wird für ein Wochenende im als besonderer Aussichtspunkt zum Eröffnungsfest des Landtags im wieder aufgebauten Stadtschloss am Alten Markt geöffnet.

Die Geschäftsführung des Mercure-Hotels wird zu dem Werkstattverfahren eingeladen.

Klipp macht weiter Stimmung gegen das Mercure-Hotel. Vor den Stadtverordneten bekräftigte er, man müsse "aufpassen", dass in dem Hotel "nicht jetzt noch Investitionen getätigt werden, die vielleicht wertsteigernd sind".

Frühajhr 2014: Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg fordert noch vor Beginn des Werkstattverfahrens eine Bürgerbefragung.

April 2014 : SPD, Grüne und Potsdamer Demokraten gehen auf die Linken zu. In einem gemeinsamen Antrag versprechen die drei Fraktionen, dass "weder für den Erwerb noch den Abriss des Hotels Mercure öffentliche Mittel" eingesetzt werden sollen – dafür wollen sie aber die Linke Zustimmung in der Stadtverordnetenversammlung für ein 160 Millionen Euro teure Schul-Investitionspaket.

Namhafte Experten sprechen sich für den Abriss des Hotels aus. Der Lustgarten, so Ludger Brands, Professor für Architektur und Städtebau an der Fachhochschule Potsdam,  werde seine Bedeutung nur durch den "notwendigen Abriss des Mercure-Hochhauses wiedererlangen".

Herbst 2014 : Manipulationsvorwürfe der Linken gegen Werkstattverfahren. Die ersten Entwürfe haben nämlich eines gemeinsam: Das Mercure-Hotel hätte seinen Platz im Lustgarten verloren.

Seit dem 18. November 2014 liegen die 7 Entwürfe zur Neugestaltung des Potsdamer Lustgartens vor. Alle Pläne sehen kein Hotel Mercure und mehr Grün vor. Hier die Entwürfe im Detail.

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Winter 2014 : Die Potsdamer werden um ihre Meinung zum "neuen Lustgarten" gefragt. Die Debatte um die Neugestaltung des Platzes und den möglichen Abriss wird lebhaft geführt.

Januar 2015 : In einer von Wut getragenen Pressekonferenz beklagen sich die vier führenden Köpfe der Konzerne, die das Mercure-Hotel betreiben, bitter über die Abriss-Debatte. Geschäftsschädigend sei diese "unselige Phantomdebatte. In den Büchern finde sich ein Umsatzrückgang im niedrigen sechsstelligen Bereich, sagte Event-Direktor Michael Bauer, aktueller Betreiber des Hotels. Nicht eingerechnet seien da noch die Gäste, die gar nicht erst anfragten, weil etwa beim Versuch, das Mercure im Internet zu finden, die Suchmaschinen als zweiten Treffer gleich "Abriss" ausgäben.

März 2015 : Die "Planungswerkstatt im Dialog – Lustgarten" geht in die nächste Runde. Nachdem sich die Potsdamer zu den ersten Entwürfen der sieben Planungsteams beteiligt und ihre Anregungen geäußert haben, lädt nun der Sanierungsträger Potsdam zum zweiten Werkstattgespräch ein. Gutachtern ihre überarbeiteten Entwürfe zum Lustgarten der Zukunft zur Diskussion vor. Werkstatt präsentiert überarbeitete Entwürfe: Lediglich zwei Teams haben das Hotel-Hochhaus noch auf dem Schirm.

Anfang Juni 2015 : Neuer Masterplan für Lustgarten: Statt Mercure-Hotel eine "Wiese des Volkes".

Juni 2015 : Gnadenfrist für das Mercure-Hotel: Nach der Überarbeitung der bisherigen Entwürfe von sieben Planungsbüros zur Neugestaltung des Lustgartens geben einige Architekten dem Mercure noch eine Gnadenfrist, einer sogar bis zum Jahr 2030.

Ende Juni 2015 : Potsdams Linke fordern Referendum zum Lustgarten. Das Werkstattverfahren der Verwaltung wird als intransparent kritisiert.

Juli 2015 : Rathauskoalition scheut Bürgerbefragung. Mit einem entsprechenden Antrag sind die Linken in der Stadtverordnetenversammlung am Widerstand der Rathauskooperation gescheitert. 

2015/2016 : Die Immobilie gehört jetzt einem Joint Venture aus Starwood Capital und Brookfield. Betreiber ist die Event Hotelgruppe. Mercure ist eine Marke des global agierenden Accor-Konzerns, zu dem unter anderem auch Sofitel, Novotel, Pullmann und Ibis gehören.

Januar 2016 : Im Ergebnis des Lustgarten-Dialogs ist ein 3-Phasen-Masterplan erarbeitet worden.

  • Phase 1: Umgestaltung Festplatzbereich an der Breiten Straße durch Gastronomie ("Preußischer Biergarten") und Skaterfläche. Angebote für Freizeitsport und Gastronomie im Bereich der Baumhaine. Der Garten des Lustgartens soll erhalten bleiben.
  • Phase 2: Wiederherstellung der Baumreihen am Potsdamer Hafen. In dem heute als Parkplatz genutzten Areal am Bahndamm könnten künftig ein Gebäude für die Weiße Flotte sowie zwei Gebäude für Gastronomie und Kultur entstehen.
  • Phase 3: Aufgabe des Mercure-Hotels und Neugestaltung der Fläche. Wiederherstellung des Neptunbeckens in seiner ursprünglichen Dimension mit Treppenzugang ins Becken.

Mitte Januar 2016 : Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe mischt sich in die Debatte ein und rät den Hotelbetreibern zur Schadensersatzklage gegen die Stadt. Er erfährt viel Zustimmung, aber sofort gibt es auch Gegenstimmen.

Die Stadt, so ist zu hören, plant eine Art Veränderungssperre über das Hotel zu verhängen, die alle Baumaßnahmen am Haus unmöglich machen würde.

Januar 2016 : Sucht man jetzt bei Google, schlägt die Autocomplete-Funktion als Erstes "Potsdam Mercure Abriss" vor. Hotel-Direktor Marco Wesolowski plädiert für eine Bürgerbefragung – und droht: Die Vorgehensweise der Stadt Potsdam, die das Haus kaufen und anschließend abreißen lassen will, sei "in höchstem Maße geschäftsschädigend für das Hotel und die Marke Mercure", so Wesolowski. Sollten die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am 27. Januar etwaige Anträge beschließen, droht der Stadt eine Klage.

Vor dem Beschluss der Stadtverordneten über eine "Konkretisierung der Sanierungsziele im Bereich neuer Lustgarten", der mittelfristig zum Abriss des Mercure-Hotels führen soll, dringen die Linken erneut auf eine Bürgerbefragung zur Zukunft des Ende der 1960er-Jahre errichteten Hotelhochhauses. Nach einem Änderungsantrag für die nächste Stadtverordnetenversammlung würde "vor weiteren Aktivitäten zur Änderung der Sanierungsziele für den Lustgarten" eine Bürgerbefragung "über einen möglichen Erwerb und Abriss des Hotels 'Mercure' durch die Landeshauptstadt" durchgeführt. Der Oberbürgermeister würde laut Antrag der Linken zudem beauftragt, "die rechtlichen und finanziellen Voraussetzungen für den Erwerb des Hotels 'Mercure' zu prüfen" und das Ergebnis bis April 2016 vorzulegen.

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