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Potsdam Hotel Mercure mit knapp 300 Gästen evakuiert
Lokales Potsdam Hotel Mercure mit knapp 300 Gästen evakuiert
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00:25 24.03.2018
Direktor Wesolowski schließt die letzte Tür des Hotels ab. Quelle: Foto: A. Jensen
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Potsdam

„Die Zimmernummer bitte“, sagt Talicia van Engel zu einem Hotelgast. Die niederländische Praktikantin steht am Begrüßungspult im Restaurant Oscar im Mercure-Hotel. Im 30-Sekunden-Takt kommen die Gäste gegen sechs Uhr an ihr Pult und wollen zum Frühstück. „Es fühlt sich alles normal an. Ich habe keine Angst, weil ich weiß, dass das Personal gut vorbereitet ist.“

Dass in knapp eineinhalb Stunden das Hotel evakuiert wird, ist nicht zu merken. Gäste checken aus, warten in der Lobby, machen sich bereit für einen Tagesausflug. Vor den Panoramafenstern gehen die Potsdamer ihren Geschäften nach. Die Müllabfuhr holt Abfälle am gegenüberlegenen Restaurant ab.

Routiniertes Personal

Und doch ist dieser Mittwoch kein normaler Tag in der Stadt und im Mercure. Es wird eine 250 Kilo schwere Weltkriegsbombe entschärft. Das Mercure liegt im Sperrgebiet. Die Gäste merken deswegen kaum etwas von der außergewöhnlichen Situation im Hotel, weil das Personal um Hoteldirektor Marco Wesolowski sehr routiniert ist, wenn es darum geht, das komplette Haus zu evakuieren. Zweimal im Jahr gibt es Brandschutz- und Sicherheitsschulungen. Eine Evakuierungsübung ist immer ein Bestandteil davon. Außerdem gab es schon zwei Ernstfälle seit Wesolowski im Jahr 2013 Direktor geworden ist. Auch damals mussten Weltkriegsbomben entschärft werden und auch damals lag das Mercure im Sperrgebiet. „Unser Ziel ist es, dass wir das Hotel innerhalb von zehn Minuten räumen, wenn eine ad-hoc-Meldung kommt.“ In den Übungen schaffen sie das, so Wesolowski. Etwas ist dieses Mal aber schon anders. „Wir sind ausgebucht.“ Das waren sie bei den letzten Fällen nicht. Wesolowski und sein Team müssen knapp 300 Hotelgäste evakuieren. Das werde eine Herausforderung, sagt der Direktor. Tagungen finden woanders oder verkürzt statt. Die Abreiser mussten am Abend vorher ihre Rechnung zahlen, damit es am Tag der Bombenentschärfung schneller geht. Außerdem sollen sie bis sieben Uhr auschecken. Das Frühstück beginnt schon um 4.30Uhr.

„Es ist alles normal, nur dass es alles etwas früher ist“, sagt Empfangsmitarbeiterin Jennifer Idczakowsky. Die 23-Jährige ist seit fünf Uhr auf der Arbeit und kann gehen, sobald das Hotel abgeschlossen ist. Wie einige andere Mitarbeiter auch. Andere sind als Spätschicht gar nicht betroffen. Wieder andere machen den Tag ganz frei.

Die Lobby wird voller. Die Menschen sind aber ruhig. Darunter sind die beiden Finninnen Mia O’Neill und Paula Biaveson. „Ich war schockiert, als ich davon gehört habe“, sagt Biaveson. „Zum einen, wegen der ruhigen Reaktion des Personals. Als wäre es das normalste von der Welt, eine Weltkriegsbombe zu entschärfen. Und zum anderen, wegen der Entschärfung selbst.“ Ihre Kollegin sieht es genauso. „Für mich ist es ein total merkwürdiges Gefühl, dass da eine riesige Bombe im Stadtzentrum liegt“, sagt O’Neill. „Aber ich bin nicht ernsthaft besorgt, weil ich sicher bin, der Entschärfer weiß, was er tut.“

Um kurz vor acht sammelt sich Wesolowski mit seinen Mitarbeitern an der Rezeption. „In diesem Augenblick gibt es noch fünf Menschen im Hotel“, sagt er und blickt in die kleine Runde. „Uns.“Ein seltsames Gefühl in einem Haus mit knapp 200 Hotelzimmern. Das Frühstücksbuffet ist verräumt, das Restaurant ist für das Abendgeschäft eingedeckt, die Kasse ist abgeschlossen. Mit seinem „Rumpfteam“, wie er es nennt, verlässt er das Haus, schließt ab und geht in ein Café außerhalb der Sperrzone. „Dort richten wir eine Schaltzentrale ein.“

Von Annika Jensen

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