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Hoteliers fürchten Airbnb-Boom in Potsdam

Touristen im Schlafzimmer Hoteliers fürchten Airbnb-Boom in Potsdam

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband beobachtet mit Argwohn die Ausweitung der Airbnb-Angebote in Potsdam. Für den Hotelverband ist klar: Das ist Wettbewerbsverzerrung; die Stadt Potsdam muss eingreifen.

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Residieren im Holländischen Viertel oder nahe Park Sanssouci: Auf Airbnb bieten derzeit rund 300 Potsdamer Zimmer für Gäste an.

Quelle: Screenshot: MAZ/Scheerbarth

Potsdam. Ob Loft mit Garten in Fahrland für 80 Euro pro Nacht oder Zimmer mit Aussicht am Park Sanssouci für 26 Euro – auf der Onlineplattform Airbnb finden Potsdam-Touristen mittlerweile eine Menge Unterkünfte von Privatanbietern. Der Internetmarktplatz boomt. Mehr als 100 0000 Übernachtungsmöglichkeiten in ganz Deutschland werden mittlerweile angeboten – zum Ärger vieler Hoteliers.

In Potsdam gebe es zur Zeit mehr als 300 Unterkünfte, teilt Airbnb-Sprecherin Isabelle Witzleben mit. 2015 waren es noch weniger als 200 Unterkünfte. Auch Privatleute aus dem Umland, etwa aus Werder und Teltow, bieten ihr Schlafzimmer für Touristen. Home Sharer – Heimteiler – werden die Gastgeber neudeutsch genannt. „Die Unterkünfte sind in der Regel nicht das ganze Jahr über verfügbar, weil sie von den Home Sharern selbst bewohnt werden“, so Witzleben. Die meisten Airbnb-Gastgeber in Potsdam seien Privatpersonen, die entweder einzelne Zimmer in ihrer selbst bewohnten Wohnung vermieten oder ihre komplette Wohnung oder ihr Haus zur Verfügung stellen, während sie im Urlaub oder auf Dienstreise sind. In Potsdam seien auch besondere Unterkünfte wie Hausboote, Jurten, Turmzimmer, Lehm- oder Gartenhäuser zu mieten.

„Kein fairer Wettbewerb“

Olaf Lücke, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Brandenburg, sieht die Entwicklung mit Argwohn. Er habe grundsätzlich nichts dagegen, wenn Privatleute das Kinderzimmer der längst ausgezogenen Tochter an Touristen vermieten, aber er fordert: gleiche Pflichten für alle Anbieter. „Hotelbetriebe, die zudem noch Arbeitsplätze schaffen, müssen hohe Auflagen erfüllen, vom Brandschutz über Hygienevorschriften bis zur Barrierefreiheit“, so Lücke. „Es kann nicht sein, dass man dann bei Privatanbietern ein Auge zudrückt. Es darf keine rechtsfreien Räume geben.“ Denn die Online-Offerte des eigenen Heims sei keineswegs nur ein nettes Angebot unter gleichgesinnten Globetrottern, meint Lücke. Die Anbieter – und die Plattform – würden damit schließlich auch Geld verdienen. „Hoteliers in Potsdam werden mit der Bettensteuer belastet, private Anbieter hingegen nicht. Das ist kein fairer Wettbewerb“, findet der Verbandschef. Hier sei die Landeshauptstadt in der Pflicht, zu handeln. „In anderen Städten geht das doch auch.“

Hohe Geldstrafen in anderen Städten

Amsterdam will zum 1. Oktober eine Meldepflicht für Vermieter einführen. Wer ohne Registrierung auf Plattformen wie Airbnb Zimmer anbietet, riskiert eine Geldstrafe von bis zu 20 500 Euro. In Berlin ist die kommerzielle Vermietung von kompletten Privatwohnungen über Internetplattformen seit Mai 2016 verboten. Nur einzelne Zimmer können legal zwischenvermietet werden. In beiden Städten hatten sich Anwohner auch über den Lärm durch Touristen in Wohnhäusern beschwert. „Solche Plattformen dürfen weder auf Kosten der Anwohner, noch der Hotelbranche gehen“, fordert Olaf Lücke.

Auch der Potsdamer Mieterverein schlug bereits im Vorjahr Alarm. In der Landeshauptstadt fehle bezahlbarer Wohnraum. Die Zweckentfremdung von Wohnungen als Gästeunterkünfte verschärfe die Situation. Anlass war eine Auswertung des Berliner Immobilienentwicklers GBI. Dieser hatte ermittelt, dass 2015 in Potsdam rund 70 000 Übernachtungen über Anbieter wie Airbnb, Wimdu oder 9flats gebucht worden sind. Dem gegenüber standen rund 1,1 Millionen Übernachtungen bei Hotels und Pensionen.

Die Stadt hatte erklärt, keinen Handlungsbedarf zu sehen und gar keine Eingreifmöglichkeit zu haben. Eigentümer könnten ihre Wohnung vermieten an wen sie wollen. Und Untervermietungen seien eine Angelegenheit zwischen Mieter und Vermieter. Ein Landesgesetz, das wie in Berlin die Vermietung der heimischen Wohnstube reglementiert, ist in Brandenburg bereits 2001 abgeschafft worden.

Von Marion Kaufmann

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