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Hüterin der vergessenen Habseligkeiten

Fundsachen in Potsdamer Bussen und Bahnen Hüterin der vergessenen Habseligkeiten

Wie schnell lässt man beim Ein-, Aus- oder Umsteigen etwas in Bussen oder Bahnen liegen? Da ist man froh, wenn es jemanden gibt, der dafür sorgt, dass die eigene Schusseligkeit nicht zum Verlust von Geldbeuteln und Handys führt. Doreen Krebs kümmert sich um die verlorenen Habseligkeiten der Fahrgäste. Und hat schon so manchen glücklich gemacht.

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Taschen, Bücher, Regenschirme: Infopoint-Mitarbeiterin Doreen Krebs zeigt, was so in Bussen und Straßenbahnen liegenbleibt.

Quelle: Foto: Kirf

Potsdam. Nicht mal eine Stunde habe es gedauert, erzählt Sebastian Köhler noch immer sichtlich begeistert, bis der Anruf kam. Doreen Krebs, Infopoint-Mitarbeiterin der Potsdamer Verkehrsgesellschaft ViP, hatte gute Nachrichten für ihn: die vermisste Tasche ist gefunden worden und kann noch heute abgeholt werden. „Ich hatte das Ding schon abgeschrieben“, erinnert sich Hochschulprofessor Köhler. „Doch dann wurde ich sehr angenehm überrascht.“

Vorangegangen war, was sich täglich zigfach in öffentlichen Verkehrsmitteln ereignet – und doch für jeden einzelnen auf eigene Weise ärgerlich ist: Köhlers 13-jährige Tochter Stella, Schülerin am Humboldt-Gymnasium, hat ihre Sporttasche liegenlassen. Zuhause angekommen, bemerkt sie den Verlust und rekonstruiert gemeinsam mit ihrem Vater, mit welchen Bussen und Bahnen sie gefahren ist. Ihr Vater ruft die Fundstelle der ViP an, am anderen Ende der Leitung meldet sich Doreen Krebs. „Super nett“ sei sie gewesen, schwärmt Vater Köhler, und dann habe sie um eine Mail mit den Daten gebeten: Mit welchen Linien war die Tochter unterwegs? Von wo nach wo? Um welche Uhrzeit? Wie sieht die Sporttasche aus? Was ist darin? Ein kleiner Ratgeber, was alles für das Wiederbeschaffen wichtig ist, findet sich auf der Homepage der Verkehrsbetriebe. Sobald sie etwas wisse, so Krebs, würde sie sich telefonisch melden. Und das tat sie auch – gleich nachdem der Tramfahrer der Linie 93 eine Nachricht über das Auffinden der Sporttasche in die Zentrale gefunkt hatte. „Insgesamt war ich total überrascht“, resümiert Sebastian Köhler, so viel Service einer Verwaltungsstelle habe er noch nie erlebt.

Viele Fahrgäste, die ihr Hab und Gut von ihr wiedererhielten, seien „freudig erregt“, sagt Doreen Krebs lachend, „manche kommen hier gleich mit Pralinen an“. Sie betreut den Infopoint im Verwaltungsgebäude der ViP in der Fritz-Zubeil-Straße. Von ihr erhalten Kunden Informationen zu Tarifen, Fahrplänen, Abonnements – und sie ist für die Fundsachen zuständig. Angestellt ist Doreen Krebs bei der GSE Protect Gesellschaft für Sicherheit und Eigentumsschutz mbH, einem Dienstleistungspartner der Verkehrsbetriebe, der auch die Fahrscheinkontrollen übernimmt.

„Morgens hole ich als erstes die Kiste mit den Fundsachen aus der Leitstelle“, erklärt Krebs. Alles, was Bus- und Tramfahrer in den leeren Fahrzeugen finden, landet dort. Pro Tag werden zwei bis drei Fundstücke abgegeben, manchmal sind es auch zehn bis fünfzehn. „Es gibt Tage, da ist die Kiste voll bis obenhin“, so Krebs. „Man kann genau sehen, wann Sport- oder Schwimmtage in den Schulen sind.“ Neben den ViP-Angestellten können auch Kunden Gefundenes am Infopoint oder in der Leitstelle vorbeibringen. „Gar nichts hatte ich auch noch nicht“, berichtet Doreen Krebs, und präsentiert, was sich jüngst angefunden hat: Jacken, Taschen und Rucksäcke in verschiedenen Größen, Handys, Portemonnaies, Regenschirme, Sonnenbrillen, ein großer Foliant – und eine Box mit einer Bohrmaschine.

Was bei der ViP ankommt, wird genau dokumentiert, jedes Fundstück erhält eine Identifikationskarte und -nummer. Geld wird gezählt, der Inhalt von Taschen und Beuteln aufgelistet, Verderbliches entsorgt. Handys werden abgeschaltet, Abholer müssen ihre PIN eingeben. Das dient laut Krebs auch der Kontrolle. Zwei Tage lagern die Fundsachen hier, dann gehen sie ans städtische Fundbüro. „Ein Drittel der Sachen werden gleich hier abgeholt“, so Krebs. „Die anderen gehen zum Fundbüro im Rathaus. Das ist ja auch deutlich zentraler gelegen.“

Von Marcel Kirf

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