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Potsdam Tierschutzverein sieht Handlungsdruck am Bahnhof
Lokales Potsdam Tierschutzverein sieht Handlungsdruck am Bahnhof
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17:12 28.06.2018
Im ehemaligen Blumenladen und dem früheren Grilletta-Imbiss am Bahnhof Pirschheide lebt eine Frau mit einem Hund und zwei Katzen und kritischen Umständen. Der Hund ist in den Augen von Anliegern eine Gefahr. Quelle: Rainer Schüler
Pirschheide

Immer wieder bleiben Passanten vor dem Gebäude stehen, schauen durch die verdreckten Scheiben ins Innere und sind fassungslos: Am Bahnhof Pirschheide, wo täglich hunderte Fahrgäste zwischen Bahn, Auto, Tram und Bus wechseln und viele Leute zum Bowlen gehen oder auf ein Konzert in der einstigen Schalterhalle, lebt in dem heruntergekommenen DDR-Komplex aus Ex-Blumenladen und Ex-Grilleta-Imbiss jemand offenbar im Müll. Diverse Papp- und Plastikkisten, Holzststiegen, Mülltüten und Blumentöpfe liegen herum und stapeln sich. Leere Tassen, Flaschen und Teller stehen auf zugekramten Ablagen. Zwei Hauskatzen schleichen durch das Chaos, irgendwo hinten bellt es aufgeregt; ein großer schwarzer Hund springt in den Raum und verbellt jeden, der sich dem Fenster nähert.

Die Betreiber des benachbarten Bowling-Centers und Besucher berichten, der Hund sei bis zu zehn Stunden täglich eingesperrt und aggressiv. Wenn er mit seiner Halterin draußen sei, sei er gefährlich. Vor zwei Wochen soll er einen Mann in den Unterarm gebissen haben. Auch bei Bowlingmitarbeiter Matthias Frank schnappte er schon zu. „Der Hund ist eine Waffe. Die kleine Frau kann den nicht halten, wenn er losmarschiert.“ Kay Schilling, der selber einen Hund hat und öfter auf ein Bier zum Bowling-Center kommt, weiß, dass der Riesenschnauzer all die Stunden angeleint ist: „Sonst wäre der sofort am Fenster.“ Und das ist kein Schutz, berichtet Frank: „Der ist schon zwei mal einfach durch das große Schaufenster durch gesprungen und hat sich verletzt dabei.“

Nutzerin der beiden Gebäude ist Gerda Huppert (Name geändert –d.Red.), die dort nach eigenen Worten eine Werkstatt betreibt. Auf dem Bassinplatz handelt sie mit Blumen, wohnt selbst aber am Kiewitt. Sie hasse Putzen, sagt sie der MAZ; niemand könne ihr vorschreiben, wie sie zu leben hat; sie sei ein „Aussteiger“. Das hoffnungslose Durcheinander in den Räumen sei gewollt; hier lerne der Hund, Gegenstände zu suchen. Der sieben Jahre alte Riesenschnauzer „Nabucco“ sei ihr dritter derartiger Hund und gut erzogen: „Der hört aufs Wort.“ Als der MAZ-Reporter und Tierschutzvereinsmitglied Hella Drohla einer aktuellen Bürgerbeschwerde nachgehen und mit der Frau reden wollen, rastet das Tier im Haus komplett aus; seine Halterin braucht etliche Minuten, ihn soweit zu beruhigen, dass sie das Haus verlassen kann, doch er bellt drinnen weiter.

Die Menschen würden sie beobachten, provozieren und Lügen verbreiten, behauptet sie. Kay Schilling, den sie wegen angeblichen Hausfriedensbruchs schon mal verklagt hat, lauere ihr mit seinem Hund auf, klopfe immer an die Scheiben und mache ihren Hund kirre. Auch Schilling hat sie schon angezeigt. „Ich hab nichts gegen sie, aber der Hund muss anständig behandelt und erzogen werden. Der darf keine Leute anfallen.“ Dass er das getan hat, bestreitet die Frau vehement. Den Mann vor zwei Wochen habe er nur „gezwackt“, weil er sich ihm von hinten genähert hatte; das habe der Hund als Bedrohung gesehen. Sie habe das klären wollen mit dem Mann; der habe das aber nicht gewollt.

Martin Pippirs ist Betreiber des Märker Bowling und kennt die Frau seit Jahren als Störenfried. „Wenn die mal Gassi geht mit dem Hund, dauert das drei Minuten“, erzählt er: „Sie zerrt an der Kette und schreit ihn an. Die hat alle Mühe, ihn zu bändigen.“ Der Hund habe mehrere Leute gebissen; mit der Frau könne man nicht reden: „Die ist noch gefährlicher als ihr Hund.“ Sie habe mal einen Bowling-Gast angezeigt, der mit einen Hund da war. Der Riesenschnauzer sei schon mal eineinhalb Stunden frei herumgelaufen auf dem Bahnhofsvorplatz. Das Tier sei mannsgroß, wenn es auf die Hinterbeine geht. Er rief die Feuerwehr und die Tierrettung. „Die kamen auch. Gemacht haben sie nichts.“

Diese Erfahrung machte auch Kay Schilling. Im vergangenen Jahr zeigte er die Frau an bei der Polizei; die stellte den Fall aber ein und riet ihm, sich beim Ordnungs- und beim Veterinäramt zu beschweren. Das tat er. Alle drei Instanzen und die Tierrettung waren nach Kenntnis des Tierschutzvereins mehrfach da, ohne Ergebnis. Das Veterinäramt sehe keinen Grund zum Eingreifen, solange die Tiere zu fressen und zu saufen kriegen, berichtet Anke Drohla. „Aber der Hund ist stark, völlig unerzogen, kaum beherrschbar und stark pflegebedürftig.“ Das konnte sie sehen, als sie ihn am Donnerstagmorgen auf einen schlecht gesicherten „Hofteil“ der Gebäude in Augenschein nahm: Der Hund ging sofort auf sie los; nur ein Zaun hielt ihm vom Angriff ab. „Der weiß gar nicht, dass er da eigentlich locker rüber springen kann“, sagt Drohla. „Der Hund hat keinen Kontakt zu Artgenossen, hat viel zu wenig Raum zum Leben. Man muss dem Tier helfen und auch dieser Frau.“

Doch die lehnt jede Hilfe ab. Bis auf eine: Wenn man ihr helfen wolle, statt sie zu beleidigen und zu verfolgen, sagte sie der MAZ und der Vertreterin des Tierschutzvereins, solle man ihr einen „einen kleinen Abfallcontainer“ hinstellen. Sie habe beim letzten Starkregen einen Wasserschaden gehabt und manches wegzuschmeißen.

Von der Stadtverwaltung war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu bekommen.

Von Rainer Schüler

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