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Hundedrama: Gift tötete ihren Liebling

Drewitzer Mischling starb trotz Rettungsaktion an Rattengift Hundedrama: Gift tötete ihren Liebling

Am Donnerstag haben wir über Giftanschläge auf Hunde in Potsdam berichtet. Nun haben sich bei der MAZ Leser gemeldet, deren Hunde Gift gefressen haben. Einer davon ist "Socke", er hat den Anschlag nicht überlebt. Die MAZ gibt Tipps, was Hundebesitzer tun sollten, wenn ihr Vierbeiner Gift gefressen hat.

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Laura Straube hat „Ganjas“ Sohn „Socke“ verloren; mit seinem Halsband schläft sie jede Nacht.

Quelle: Christel Köster

Drewitz. Nur ein Halsband ist noch von "Socke" da. Und die Erinnerung an einen lieben, süßen Hund. "Ich selber hab' ihn auf die Welt gebracht, hab seine Nabelschnur durchschnitten", erzählt Laura Straube und bezwingt die Tränen: "Er war so klein wie meine Socke, also habe ich ihn so genannt." Seine Mutter lebt noch bei ihr, sie ist 13; einen weiteren Wurf wird sie nicht bekommen.

Söhnchen "Socke" ist tot, qualvoll gestorben an Rattengift, innerlich verblutet. Den Köder hat der sechseinhalb Jahre alte Mix aus Labrador und Schäferhund vermutlich beim Spaziergang im Wäldchen hinter der Märchenland-Kita von Drewitz gefressen, wo Laura (28) mit ihm und seiner Mutter "Ganja" so oft war.

Am 19. August brach "Socke" in der Wohnung zusammen, konnte nicht mehr gehen, hechelte heftig, rang nach Luft. Mit dem 45 Kilo schweren Tier auf den Armen hetzte Laura aus dem 5. Stock im Hertha-Thiele-Weg panisch runter auf die Straße und zur Tierarztpraxis von Una Mathews in der Hans-Albers-Straße, doch dort würde erst in eineinhalb Stunden geöffnet. Eine Menschentraube sammelte sich, erschüttert, mit Handys nach Ärzten telefonierend. Frau Mathews kam früher als nötig, nahm sich des Hundes an, gab ihm Vitamin K, um die Blutgerinnung zu normalisieren, das einzige Mittel, das hier hilft.

Doch der Hund würde Betreuung brauchen. Sie rief die Tierrettung an und die Klinik in Potsdam-West. Dorthin brachten die Retter "Socke". Man gab ihm reichlich "K", eine Überdosis würde ihm nicht schaden. Am Folgemorgen lief er schon, brach zwei Stunden später aber wieder ein. Laura Straube erfuhr es nicht: "Ich hätte ihn einschläfern lassen, um ihm die Qualen zu ersparen."

"Socke" ist kein Einzelfall. Detlef Schwarz (49) hätte vor zwei Monaten im Industriegebiet Groß Glienicke fast seinen Rottweiler "Rod" verloren; der hatte ein Leberwurstbrot gefressen, das auf Alufolie am Wegesrande lag. Er erbrach sich, schied Blut aus, wurde in der Tierklinik jedoch gerettet.

Giftköder seien "an der ganzen Nuthe verteilt", erzählte Hundebesitzer Nico Griese am Donnerstag der MAZ. Seine Boxer-Hündin "Tequila" hatte mal einen Köder entdeckt, seitdem läuft sie nur noch an der Leine. Die Köder hat Griese eingesammelt und weggeworfen. Außerdem alarmierte er Freunde und Bekannte, die ihre Hunde an der Nuthe laufen lassen.

Christiane Fittkau und Howawart-Rüde "Gino" sind oft im Park Babelsberg, am liebsten, wo es übersichtlich ist. Denn "Gino" ist "ein kleiner Staubsauger", frisst alles, was ihm vor die Nase kommt. Damit er das bleiben lässt, bleibt er häufig an der Leine.

"Kelly" dagegen hat gelernt, was sie nicht fressen darf. Für Frauchen Alexandra Kiss sind Giftköder in der Waldstadt nichts Neues. Die letzten präparierten Leckerlies fand man hier Anfang Winter 2012. Damals warnten viele Flyer im Stadtteil vor der Gefahr. Von neuem Rattengift hat sie jetzt im Internet erfahren. Besonders bei Facebook waren viele Warnungen zu lesen. Orte, an denen Gift gefunden wurde, meidet sie: "Wenn Kelly an sowas sterben würde, wäre das für mich, als würde mir jemand mein Kind wegnehmen."

Susann Haase hat Babelsberg immer als sehr "hundelieb" erlebt. Dass ihr Welpe an der Rudolf-Breitscheid-Straße mit giftigen Substanzen in Kontakt kommen könnte, hätte die junge Frau nie vermutet: "Wer das macht, muss ein Hundehasser sein." Sie regt sich auch über Hundehaufen auf, doch seien diese Tretminen Schuld der Halter, sagt sie, nicht der Hunde.

Von Rainer Schüler und Franziska Maria Schade

Was tun im Ernstfall?

Verschlucken Hunde Rattengift, ist das ein akuter tiermedizinischen Notfall.

Je nach Dosis des Giftes zeigen sich die Beschwerden meist erst nach mehreren Stunden.

Das Gift wirkt schleichend, denn vergiftete Ratten sollen lange genug leben, dass auch andere Ratten Gift fressen. Eine tote Ratte schreckt andere Ratten ab.

Das Gift macht Adern und Organe stark blutdurchlässig; das Tier verblutet nach innen. Vitamin K kehrt den Prozess um.

Mögliche Symptome sind Erbrechen, Unruhe, Durchfall, blasses Zahnfleisch, unregelmäßiger Herzschlag, Muskelzucken und Atembeschwerden.

Ohne lebensrettende Maßnahmen durch den Tierarzt droht dem Hund der Tod, oder er trägt schwere Schäden davon. Zeigen sich erste Symptome einer Vergiftung, sollte sofort eine Probe des Köders gesichert und dem Tierarzt übergeben werden.

Ist bereits bekannt, dass in der Gegend Giftköder verteilt wurden, muss der Tierarzt auch dazu unbedingt informiert werden.

Wurde der Hund beim Verzehr des Köders beobachtet, darf auf keinen Fall selber Erbrechen provoziert werden. Das Tier darf keine Maulschlinge angelegt bekommen.

Besteht der Verdacht auf eine Vergiftung, MUSS der Hund zum Tierarzt, denn nur der kann das Tier kontrolliert erbrechen lassen.

Bewusstlose Tiere sind sofort in die stabile Seitenlage zu bringen. Ist der Hund wach, muss man ihn und sich selbst beruhigen.

Die Fahrt zum Tierarzt sollte so schnell wie möglich erfolgen. Ist der Tierhalter zu aufgeregt, um Auto zu fahren, sollten Bekannte und Freunde helfen.

Es ist ratsam, vorher mit dem Tierarzt zu telefonieren, um sicherzustellen, dass die Praxis auf ist.

Viele Hunde verschlingen unterwegs Gefundenes in Sekundenschnelle.

Nicht nur beim Spaziergang, sondern in der Wohnung, dem Garten oder der Garage, lauern allerlei chemische Gefahren.

Die Vergiftung eines Tieres ist Tierquälerei und strafbar.

Ein Tierquäler ist jemand, der „ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt“. Dies wird mit bis zu drei Jahren Haft bestraft.

Die Stadt sieht das Vergiften als Ordnungswidrigkeit, die bis zu 25.000 Euro kostet.

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Bereits Hund und Katze qualvoll verendet

Hundebesitzer in Potsdam sind alarmiert: In den vergangenen Tagen sind im Westen und Süden der Stadt vermehrt Giftköder gefunden worden. Nach Angaben des Vereins Tierrettung sind bereits ein Hund und eine Katze nach dem Verzehr der Köder gestorben.

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