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Hurengespräche zum Frauentag

50. Bühnenjubiläum des Potsdamer Kabarettisten Peter Buchheim Hurengespräche zum Frauentag

Peter Buchheim, Opernsänger, Mitbegründer des Potsdamer Kabaretts „Obelisk“, langjähriger musikalischer Begleiter des Volksschauspielers Walter Plathe, feiert in diesem Jahr sein 50. Bühnenjubiläum. Zum Frauentag ist er im „Obelisk“ an der Seite von Walter Plathe mit Heinrich Zilles „Hurengesprächen“ zu erleben.

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Peter Buchheim in seinem Arbeitszimmer.

Quelle: Friedrich Bungert

Potsdam. Peter Buchheim, Opernsänger, Mitbegründer des Potsdamer Kabaretts „Obelisk“, langjähriger musikalischer Begleiter des Volksschauspielers Walter Plathe, feiert in diesem Jahr sein 50. Bühnenjubiläum. Jede Vorstellung ist ein Unikat, sagt der Pianist: „Begleitung heißt für den Musiker, immer da zu sein, wenn der Schauspieler an irgend einer Stelle etwas tut.“

Zum Frauentag am Mittwoch wird Buchheim in einer ausverkauften Vorstellung im „Obelisk“ gemeinsam mit Walter Plathe Heinrich Zilles „Hurengespräche“ geben – erschütternde, authentische Milieustudien, angereichert mit Liedern und Chansons von Brecht bis Villon.

„Dass ich überhaupt in diesem Beruf arbeite, habe ich meiner Mutter zu verdanken“, sagt der 76-Jährige Wahl-Potsdamer. Aufgewachsen in Borna-Schönewitz (Sachsen), bekam er schon mit fünf Jahren Klavierunterricht. Und er sang: „Die Kantorin hat bei uns in der Kneipe den Volkschor geleitet.“

Entdeckt wurde Buchheim in Oschatz (Sachsen) in der von DDR-Fernsehstar Heinz Quermann gegründeten Show „Junge Talente stellen sich vor“ mit „O sole mio“ und „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“. Am Konservatorium in Halle (Sachsen-Anhalt) stellte er sich erfolgreich mit der Ballade „Es war ein König in Thule“ vor, später wechselte Buchheim an die Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin.

1967 ging Peter Buchheim als Opernsänger an das Friedrich-Wolf-Theater in Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern). Dass seine Frau, die er im Studentenclub in der Berliner Linienstraße kennengelernt hatte, aus der Mecklenburger Kreisstadt stammte, war ein glücklicher Zufall. Am 11. August heirateten sie. Sechs Wochen später, am 29. September, hatte er seinen ersten Auftritt als Chorsänger im Musical „My fair Lady“. Im Ballbild durfte er mit Eliza tanzen. In der Generalprobe sagte er der Blumenverkäuferin dabei: „,Du, ich bin Papa geworden.’ Und da gibt die mir ’nen Kuss!“ Neben der großen Bühne entdeckte Buchheim seine „Liebe für die kleine theatralische Form“. Am Klavier begleitete er musikalisch-literarische und kabarettistische Programme. Seine Abschiedsvorstellung in Neustrelitz gab Buchheim 1978 als Webbs in Carl Zellers Operette „Der Vogelhändler“.

Ans Potsdamer Kabarett kam Buchheim über Matthias Meier, den ersten künstlerischen Leiter der Satirebühne. Meier war Schauspieler und Spielleiter in Neustrelitz und zugleich Mitglied des von Christian Kozik geleiteten Chansonstudios Potsdam. Von Kollegen kam Zuspruch zum Wechsel: „Peter, die große Stimme hast du nicht. Aber die Spielfreude. Ich konnte immer durch meine Spielfreude überzeugen.“

So wurde Buchheim zum Mitgründer des Kabaretts „Obelisk“ im Saal des früheren gleichnamigen Lichtspielhauses an der Schopenhauerstraße. Das Eröffnungsstück hieß praktischerweise „Startschüsse“. Gretel Schulze ist heute das letzte Ensemblemitglied aus der Riege der Gründer.

„Die schönste Zeit waren die ersten zehn Jahre.“ In Erinnerung ist Buchheim eine Schlagzeile der Frankfurter Allgemeinen: „In Potsdam tobt die Konterrevolution.“ „Auf der anderen Seite waren wir für viele Leute die Hofnarren der Partei.“ Seine persönliche Meinung: „Satire hat noch in keiner Gesellschaftsordnung was verändert. Aber sie kann aufrütteln, zum Nachdenken anregen. Sie kann die Leute, die kommen, aufmuntern.“

Die unmittelbare Nachwendezeit erlebte Buchheim als Geschäftsführer des Kabaretts, das zu der Zeit die personelle Stärke von zwei Ensembles hatte und für eine kurze Zeit auch im Westen ankam: „Wir waren in Hamburg, in Memmingen, in Gütersloh, das hatte sich dann aber rasch wieder beruhigt.“ 1993 verließ Buchheim das Kabarett „Obelisk“.

Walter Plathe als Heinrich Zille

Walter Plathe als Heinrich Zille: „21 Jahre sind wir jetzt schon zusammen.“

Quelle: Agentur

Zu Walter Plathe kam er 1996. Der Schauspieler suchte eine zweite Klavierbegleitung und sah in Berlin das Programm „Aufgeblüht und losgeduftet“ mit Buchheim und der Schauspielerin Madeleine Lierck-Wien: „Und da hat er gesagt, das könnte passen. Ich bin zu ihm nach Kappeln gefahren, nach Kappeln an der Schlei. Da hat er 17 Jahre den ,Landarzt’ gespielt. Dort haben wir das probiert, es war ein langer Weg, mindestens ein halbes Jahr, dann die erste Vorstellung. 21 Jahre sind wir jetzt schon zusammen.“

Es folgten nicht nur unzählige gemeinsame Auftritte mit Horst Pillaus „Kohlenpaul“, „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ oder „Zille“, einem Stück, in dem Buchheim den Komponisten Walter Kollo spielt. Auf Vermittlung von Plathes Manager Teddy Goldhuber wurde Buchheim 2000 als Pianist für das Traumschiff „MS Deutschland“ engagiert. 14 Jahre lang bereiste er manchmal mehr als 40 Tage am Stück die Küsten Afrikas, Europas und Amerikas – am Klavier des Bordrestaurants „Alter Fritz“.

Sein 50. Bühnenjubiläum will Buchheim am 29. September in der Kulturscheune von Borna feiern, „weil ich dort groß geworden bin“. Aufgetreten sei er dort bisher noch nie. Das Programm soll eine Reise durch die Jahrzehnte werden, „ein Sammelsurium aus dem Repertoire der vielen Jahre“. In der Region gastieren Buchheim und Plathe nach dem morgigen Auftritt im „Obelisk“ wieder am 17. März im Wirtshaus Moorlake, Wannsee, mit „Hurengespräche“ und am 2. April im Kulturhaus Falkensee mit dem Otto-Reutter-Abend „Alles weg’n de Leut“.

Von Volker Oelschläger

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