Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam „Ich mag Autofahren eigentlich gar nicht“
Lokales Potsdam „Ich mag Autofahren eigentlich gar nicht“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:31 19.12.2017
Herbert Geister (76) geht als Fahrdienstleiter der Tafel Potsdam in Ruhestand. Er übergibt den Staffelstab an seinen bisherigen Stellvertreter Carsten Stegemann (54). Quelle: Annika Jensen
Anzeige
Potsdam

Er mochte es noch nie, Auto zu fahren. Das sagt Herbert Geistert über sich – bis heute. Und doch war er 14 Jahre im Fahrdienst der Potsdamer Tafel ehrenamtlich tätig. 12 Jahre davon war er Leiter des Fahrerteams. Nun geht der 76-Jährige in den Ruhestand. „Das erste Jahr bin ich zwar gefahren“, sagt Geistert. „Aber dann kam Günter Werner und der wollte unbedingt fahren. Insofern haben wir uns perfekt ergänzt.“ 13 Jahre waren sie ein Team. Damit waren sie die Ausnahme. Denn normalerweise werden die Fahrerteams nach Verfügbarkeit zusammengestellt. Werner hörte im vergangenen Jahr auf. Geister in diesem.

„Ab morgen bist du Chef“

Damals, 2005, kam die Leiterstelle recht plötzlich. „Ab morgen bist du Chef. Ich zieh nach Werder, sagte der damalige Leiter“, erinnert sich Geistert und lächelt dabei. Dass der Leiter aufhören würde, habe sich abgezeichnet, aber nicht, dass Geistert übernehmen soll. Es gab eine kurze und knappe Übergabe und dann ging es los mit den neuen Aufgaben. Er mussten die Routen und Fahrer organisieren. Für jeden Fahrer musste es nämlich auch einen Beifahrer geben. Nur so lassen sich bis heute die großen Mengen an Lebensmittel abholen und ausladen. „Es war nicht so schön, weil es sehr plötzlich kam“, erinnert sich Geistert an jene Tage der Stellenübernahme. „Aber ich glaube, ich habe das Beste draus gemacht.“

Das Fahrerteam der Potsdamer Tafel

Die Potsdamer Tafel gründete sich 1997. Ein Jahr später nahm sie den Betrieb auf. Dem Fahrerteam standen damals zwei kleine Transporter zur Verfügung. Heute sind es vier große und alle sind mit Kühlsystemen ausgestattet. Drei sind täglich auf den Straßen unterwegs. Ein Transporter wird für Sonderfahrten eingesetzt – wenn etwa große Lebensmittelproduzenten große Mengen spenden.

Als Herbert Geistert die Leiterstelle antrat, gab es 20 Fahrer, die wöchentlich nach Verfügbarkeit eingeteilt wurden. Heute sind 28 Fahrer-Beifahrer-Teams unterwegs und bekommen langfristige Pläne in die Hand. „Früher meldete man sich an, heute meldet man sich ab“, beschreibt Herbert Geistert die heutige Organisation.

Drei Autos bedeuten, dass täglich drei Fahrerteams unterwegs sind. Sie fahren jeweils 23 Supermärkte an. Dadurch kommen die Lieferungen von 70 Geschäften in den Ausgabestellen in Teltow und in der Waldstadt I an.

Zur Weihnachtszeit sind die Spenden aus Supermärkten stets knapp. Wer als Privatperson geben möchte, sollte beachten: Die Lebensmittel müssen verschlossen sein und dürfen das Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht überschritten haben. Weitere Infos und wo Sie spenden können unter: www.potsdamer-tafel.de.

Offensichtlich habe es wahrlich alles geklappt, sagt Pressesprecherin der Potsdamer Tafel, Maria Conze. „Zwölf Jahre lang und das Fahrerteam hat in dieser Zeit eine große Entwicklung genommen.“ Als Geistert zur Tafel stieß, steckte sie noch in den Kinderschuhen. „Damals war das Fahrerteam eine lose Gruppe von 20 Fahrern und Beifahrern, die man wöchentlich zusammenwürfelte“, sagt Conze. „Heute haben wir feste Fahrerteams, die an festen Tagen ihre festen Routen fahren.“ Herbert Geistert formte aus den vorhandenen Leuten ein zuverlässiges Team. Er lehrte seine Kollegen einen verantwortungsbewussten Umgang mit den Lebensmitteln und den Autos. „Sie glauben ja nicht, in welchem Zustand die Leute uns die Wagen auf den Hof gestellt hatten“, so Geistert. „Von innen schmutzig, von außen demoliert.“ Seit 2005 war Herbert Geistert zudem im Vorstand aktiv. Und so arbeitete der Rentner durchschnittliche 36 Stunden in der Woche ehrenamtlich für die Tafel.

Tafel wünscht sich mehr Hilfsbereitschaft der Potsdamer

„Er leitete also die gesamte Tafel mit. Er war eine absolute Respektsperson in unserer täglichen Arbeit“, so Conze. Als Leiter des Fahrerteams konnte er in den Vorstandssitzungen einen sehr direkten Einblick in die Arbeit der Ehrenamtler geben. Wo steht die Tafel? Wo will sie hin? Kaum jemand konnte diese Fragen durch seine täglichen Erfahrungen so gut beantworten wie Herbert Geistert.

Die gute Organisation des Tafel-Fahrerteams übernimmt nun ein anderer: Der 54-jährige Carsten Stegemann. 2009 fing er als Fahrer bei der Tafel an. Seit vier Jahren ist er Stellvertreter von Herbert Geistert. Bei den beiden verlief die Übergabe langsamer und weniger plötzlich. Er ist als rechte Hand Geisterts quasi in die Leitungsposition hineingewachsen. „Wir haben uns lange drauf vorbereitet und es sorgfältig geplant“, sagt Stegemann. „Und das Team wusste auch lange Bescheid. So war es keine große Umstellung.“ Stegemann ist zudem Leiter der Tafelausgabestellen und der Logistik. Für ihn ein Vorteil. Die Personalunion helfe sehr dabei, dass alle Abteilungen sich besser absprechen und sich einfacher koordinieren können, so der neue Fahrdienstleiter. Für die Zukunft wünsche er sich vor allem eines: Noch mehr Hilfsbereitschaft der Potsdamer. „Wir brauchen immer neue Helfer. Wir müssen schon echt koordinieren, damit alle Autos vom Hof fahren können. Und natürlich wünsche ich mir mehr Spenden – Lebensmittel, aber auch Geld. Irgendwie müssen wir unsere Autos und Ausgabestellen ja finanzieren.“

Von Annika Jensen

Heute wird geredet und gerätselt. Erst geht es um Jodtabletten, Kunstrasenplätze und später am Abend dann um einen Jackpot. Vorher vielleicht noch schnell in den Weihnachtswald und später auf jeden Fall auf den Weihnachtsmarkt.

19.12.2017
Potsdam MAZ-Weihnachtsaktion in Potsdam - Jette Joop zu Besuch im Kinderheim

Modedesignerin Jette Joop hat am Montag im Potsdamer DRK-Heim Am Stern zusammen mit den Kindern den Weihnachtsbaum geschmückt und Plätzchen gebacken. Das alte Gebäude des Heims hat sie schockiert. Zum Glück ist der Neubau schon geplant – Spenden dafür werden aber immer noch benötigt.

18.12.2017
Potsdam Potsdam: Doppelhaushalt 2018/19 - Viel Geld für Schulen, aber auch hohe Schulden

Die Stadt Potsdam und ihr Kommunaler Immobilienservice investieren in den nächsten Jahren so viel wie noch nie in Kitas und Schulen. Doch auch die Schulden wachsen dramatisch. Das sind zwei Kernbotschaften des Entwurfs für den Doppelhaushalt 2018/19, den Bürgermeister Burkhard Exner (SPD) am Dienstag den Stadtverordneten vorlegt.

04.04.2018
Anzeige