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„Ich möchte eine große, starke Gemeinschaft“

Neuer Chef der AG Innenstadt im Interview „Ich möchte eine große, starke Gemeinschaft“

Europa, die USA, Asien – Manfred Gerdes (63) ist beruflich in der ganzen Welt herumgekommen. Seit dem Jahr 2012 lebt der ehemalige Sony-Deutschland-Chef in Potsdam. Hier hat er sich nun einer ganz besonderen Aufgabe angenommen: Er möchte die Stadt noch attraktiver machen. Gerade haben ihn die Einzelhändler zum Vorsitzenden der AG Innenstadt gewählt.

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Manfred Gerdes (63) ist der neue Vorsitzende der AG Innenstadt und will die Einzelhändler der City zu einer starken Truppe vereinen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Innenstadt. Alles neu macht der Mai bei der AG Innenstadt Potsdam. Nachdem der langjährige Vorsitzende Wolfgang Cornelius (81) Ende vergangener Woche aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten ist, hat nun Manfred Gerdes (63) übernommen – ein ausgewiesener Experte in Sachen Wirtschaft und Unternehmensführung und Potsdam-Fan. Der ehemalige Sony-Deutschland-Chef lebt seit 2012 in der Landeshauptstadt und ist mit der Innenstadt bestens vertraut.

Herr Gerdes, wann waren Sie zuletzt im Sterncenter oder in Steglitz einkaufen?

In der Schlossstraße war ich vor etwa acht Wochen. Ins Sterncenter gehe ich auch ab und zu. Meist nutze ich aber die Angebote in der Innenstadt. Viele Händler sehen im Sterncenter, in Steglitz und in den Bahnhofspassagen den bösen Konkurrenten – ich bin aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Ich sage: Den Wettbewerb gibt es und wir werden ihn nicht aufhalten – und das ist sogar gut so, denn der Wettbewerb macht Potsdam als Einkaufsstadt attraktiver.

Vielfalt ist Ihr Stichwort?

Ja, Vielfalt ist das Grundthema. Potsdam hat vielfältige Möglichkeiten und ein riesiges, geradezu unendliches Potenzial. Denken wir nur an die Historie, an die Kultur, die Natur und Freizeitmöglichkeiten. Das ist nicht nur für Touristen und Besucher interessant, sondern auch für die Potsdamer selbst. Das alles kann man hervorragend miteinander verknüpfen – und da kommen wiederum die Gastronomie, die Hotellerie und das Einkaufen ins Spiel. Auch diese Bereiche müssen sich stärker miteinander verbinden.

Aber ist die AG Innenstadt nicht für die Händler gedacht?

Das ist sie – aber von diesem Gedanken müssen wir uns verabschieden. Wir müssen ganzheitlich denken und auch die Gastronomen, Gastgeber und Immobilienbesitzer ins Boot holen. Wenn jeder für sich auf die Kunden zugeht, ist der Markt fragmentiert – das ist nicht förderlich. Im Moment gibt es keine umfassende Klammer – über diesen Punkt würde ich mit dem Vorstand und mit den Mitgliedern der AG Innenstadt gern einmal ganz in Ruhe diskutieren.

Sie haben in Ihrer Antrittsrede angekündigt, dass Sie alles auf den Prüfstand stellen werden...

Und ich habe direkt am Tag nach der Wahl damit begonnen.

Was ist das Ergebnis? Wie ist die AG Innenstadt Ihrer Meinung nach aufgestellt?

Dazu kann und möchte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht allzu viel sagen. Ich bin momentan der Fragesteller und will mir auf diese Weise ein Bild von der AG Innenstadt machen. Natürlich ist eine Analyse dessen, was die AG in der Vergangenheit gemacht hat und was es ihr gebracht hat, wichtig. Aber die Vergangenheit ist nun einmal vergangen – daran können wir nichts ändern. Ich beschäftigte mich lieber mit der Zukunft.

Wie könnte die für die AG Innenstadt aussehen?

Ich möchte eine große, starke Gemeinschaft. Was die AG leisten und erreichen kann und vor allem wie, dazu werde ich in den nächsten Tagen eine Konzeption ausarbeiten, die hoffentlich das Interesse der Händler weckt. Ein Detail habe ich ja schon verraten: Ich werde im Vorstand eine dezidierte Arbeitsteilung vornehmen und so auch entsprechende Aufgaben herausarbeiten. Jeder wird nach seinen Kompetenzen eingesetzt – das können wir bis tief in die Händlerschaft hineindeklinieren, denn der Vorstand soll und kann nicht alles allein machen. Deshalb ist es auch enorm wichtig, für die AG Innenstadt weitere Mitglieder zu gewinnen. Wir brauchen außerdem gute Kontakte mit der Stadt, mit der Industrie- und Handelskammer und den Einzelhandelsverbänden. Und ja – wir sollten auch den Schulterschluss zu anderen Interessengemeinschaften von Potsdamer Einzelhändlern wagen.

Womit wir dann wieder beim Wettbewerb wären...

Der Wettbewerb ist auch ein Vorteil. Man sollte keine Angst haben und in den Wettbewerb investieren. Wir wachsen schließlich gemeinsam. Potsdam ist eine Stadt mit wachsender Bevölkerung, wachsendem Einkommen und wachsender Kaufkraft. Von diesem Aufschwung kann sich jeder mitreißen lassen. Jeder kann vom Aufwind etwas abbekommen und mitsegeln. Das große Berlin, der Online-Handel, die Einkaufscenter: Es nutzt nichts, über Gespenster zu reden und sich zu ärgern – das ist nun einmal der Markt! Wir Einzelhändler sind Teil dieses Marktes und müssen uns auf ihm behaupten. Ich glaube fest daran, dass wir unsere Nische finden.

Sie sind in der ganzen Welt herumgekommen und leben seit dem Jahr 2012 in Potsdam. Wie gefällt Ihnen das Erscheinungsbild der Innenstadt?

Die Stadt Potsdam an sich ist toll und hat einen großen Reiz. Die Immobilienbesitzer haben viel investiert und tun das noch immer. In erster Linie rührt für mich die Attraktivität der Innenstadt aber daher, was für ein Angebot ich dort vorfinde. Natürlich sind auch Sauberkeit und Ordnung ein wichtiges Thema. Mülltonnen, die überlaufen, sind weder für Besucher noch für Einheimische schön anzusehen. Wir müssen generell alle dazu beitragen, dass Pizzaschachtel, Alufolie und sonstige Abfälle nicht auf die Straße gehören. Und vielleicht könnte die Stadt dafür sorgen, dass die Abfalleimer öfter geleert werden. Ein sauberes Erscheinungsbild ist unabdingbar. Was außerdem wichtig ist: Es muss mehr Entertainment in die Innenstadt. Wir müssen unsere Kunden und Besucher unterhalten – da gibt es noch sehr viele Chancen, unsere Stadt noch attraktiver in Szene zu setzen.

Zur Person

Manfred Gerdes wurde 1954 in Meppen (Niedersachsen) geboren und hat dort einen Teil seinen Kindheit verbracht. Ab dem 8. Lebensjahr ist er in Bramsche bei Osnabrück aufgewachsen und zur Schule gegangen.

Nach dem Abitur hat Manfred Gerdes eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert.

Seine berufliche Laufbahn führte ihn durch eine Reihe namhafter Unternehmen und durch Europa, Asien und die USA, so war er unter anderem in führenden Positionen bei TDK und Mitsubishi tätig.

Im Jahr 1995 startete Manfred Gerdes seine Karriere bei Sony, wo er zunächst als Sales Director in der Sparte Sony Computer Entertainment (SCED) tätig war und 1997 zum Managing Direktor von SCED ernannt wurde.

2005 stieg Gerdes zum Managing Director der Sony Deutschland GmbH auf. Als Sony-Deutschland-Chef begleitete er den Umzug des Firmensitzes von Köln nach Berlin und zeichnete für die strategische Neuausrichtung des Unternehmens verantwortlich.

Nach seinem Ausstieg bei Sony im Jahr 2007 war er unter anderem bei der Leipziger Messe und bei dem zur Burda-Gruppe gehörenden E-Commerce-Unternehmen Cyberport tätig. nf

Von Nadine Fabian

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