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Potsdam „Ich vermisse den Babelsberger Park“
Lokales Potsdam „Ich vermisse den Babelsberger Park“
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19:30 20.11.2015
Marvin, Mathias, Graeme, Robert und Marcel (v.l.) treten im Lindenpark auf. Quelle: Promo
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Potsdam

Das Benefizfestival „Maggies Farm & Friends“ im Lindenpark geht am heutigen Samstag ab 20 Uhr in die dritte Runde. In diesem Jahr haben die Potsdamer drei weitere Bands eingeladen, die ohne Gage für den guten Zweck spielen. Mit dabei sind „Berlin Syndrome“. In der Band spielt auch der gebürtige Potsdamer Marcel, der mit seinen Musikerkollegen Rede und Antwort stand.

MAZ: Muss man eigentlich Bart tragen, um bei euch mitmachen zu dürfen?

Marcel Behrens: Es können auch gerne Frauen mit Bart mitmachen, aber momentan sind wir voll besetzt. Aber tatsächlich haben wir uns alle so wie wir sind kennengelernt und haben nicht extra Bartträger gecastet.

Wie habt ihr denn zusammen gefunden?

Robert Meinel: Unser Sänger Graeme ist bei Freunden in die WG eingezogen, wo ich ihn direkt an der Gitarre singend kennengelernt habe. Am selben Abend kamen wir ins Gespräch und haben über unsere Bandideen gesprochen, die ich bereits auch schon öfter mit Marcel ins Blaue gesponnen habe. Danach haben wir die Schwarmintelligenz von Facebook genutzt und noch einen Schlagzeuger und einen Bassisten gesucht – und schließlich auch gefunden.

Ihr seid ja alle Magdeburger, trotzdem taucht das Wort „Berlin“ in eurem Bandnamen auf – war euch „Magdeburg Syndrome“ zu uncool?

Robert: Magdeburg hat sicher auch ein Syndrom, aber verkörpert nicht das Berlin Syndrome. Wir sind alle in Städten aufgewachsen, auf die Berlin eine ungemeine Anziehungskraft hat, gerade wenn man jung ist, studieren geht und seinen Lebensweg sucht. Berlin ist extrem und bringt Leute in einen Zwiespalt. Diese Stadt kann Menschen verschlingen. Manche finden dort ihren Weg und werden glücklich, andere gehen unter, scheitern oder fliehen wieder. Viele Freunde von uns leben in Berlin und wir sind selbst auch oft da und erleben, dass jeder anders auf Berlin reagiert.

Warum gerade Berlin und nicht Hamburg, London, New York …. ?

Robert: Weil wir die anderen Städte nicht so gut kennen, wie eben Berlin und seine Wirkung.

Euch gibt es jetzt gut anderthalb Jahre, in der Zeit habt ihr schon einige Wettbewerbe gewonnen und dieses Jahr auch viele Festivalgigs gespielt. Andere Bands trauen sich das erste Jahr nach der Gründung ja nicht einmal aus dem Proberaum raus, bei euch ging das ja alles sehr schnell …

Mathias Wagner: Wir haben das eigentlich von Anfang an provoziert und uns mit unseren ersten vier Songs direkt nach 8 Wochen auf die Bühne gestellt. Sicher gehört auch Glück, Mut und harte Arbeit dazu, aber viel live zu spielen hat uns sicherlich geholfen. Darüber hinaus hatten wir von Anfang an viele Unterstützer von Außen, die ebenfalls alle ihren Teil dazu beigetragen haben.

Ihr werdet gern mal als „Überflieger“ bezeichnet, man liest über euch ihr seid „auf dem Weg nach ganz oben“. Wie geht ihr mit so viel Lob um?

Robert: Wo liest man denn das? (lacht)

Marcel: Natürlich ist es toll für das was man macht, gelobt zu werden. Manchmal ist es sogar sehr überraschend, von wem man ein Lob kommt.

Graeme Salt: Wir freuen uns selbstverständlich über jedes Lob, wer tut das nicht. Aber man kann sich nicht einfach darauf ausruhen, sondern muss sich weiter entwickeln. Da hilft dann auch konstruktive Kritik.

Für die Leute die euch noch nicht gehört haben: Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?

Robert: Melancholisch und schwermütig zugleich, immer mit einem Schimmer Hoffnung. Ein Wechselspiel von laut und leise mit Graemes’ einprägsamer Stimme als zentralen Fixpunkt.

Einer von euch kommt ja ursprünglich aus Potsdam – Marcel, was hat dich denn weggetrieben?

Marcel: Naja, es hat mit meinem Studienwunsch nicht so geklappt wie es sollte und dann hat es mich nach Magdeburg verschlagen, als nächstgrößere Stadt. Tja, und jetzt wohne ich da seit 5 Jahren.

Vermisst du deine Heimat manchmal?

Marcel: Ja, manchmal. Ich vermisse die Sommer und das Fahrradfahren, vermisse die Havel und den Babelsberger Park, wenn er vom morgendlichen Nebel durchzogen wird. Leider sehe ich meine Familie und die alten Freunde ja auch nur noch sehr selten. Aber so ist das halt, wenn man in verschiedenen Städten wohnt und dort sein Leben lebt.

Planst du nach dem Studium denn wieder Potsdamer zu werden?

Marcel: Wenn ich denn mal irgendwann fertig studiert habe, werden die Karten ja eh neu gemischt. Ob ich dann aber sofort wieder nach Potsdam ziehe, kann ich mir nicht vorstellen. Vielleicht eines schönen Tages Abend, wenn ich mich zur Ruhe gesetzt habe. Und dann schlendere ich Hand in Hand mit meiner Frau über den Weihnachtsmarkt auf der Brandenburger Straße, so dass niemand mehr vorbei kommt. Andererseits kosten die Wohnungen dann bestimmt das Doppelte. Ich fang dann schon mal an zu sparen (grinst).

Ihr spielt ja am Samstag bei „Maggies Farm & Friends“ im Lindenpark - wie kam das zustande?

Marcel: Wir versuchen immer in unseren Heimatstädten zu spielen und haben uns sehr über die Einladung gefreut. Den Lindenpark gibt es bereits seit gefühlten Ewigkeiten und dass ich jetzt mit Berlin Syndrome dort spiele, wo viele Freunde bereits vor 10 Jahren hingegangen sind, ist schon aufregend.

Euer erstes Konzert außerhalb Magdeburgs habt ihr 2014 ja in Potsdam gespielt – wie war es damals zum ersten Mal euer „Wohnzimmer“ zu verlassen? Habt ihr gute Erinnerungen an die Stadt?

Robert: Beim letzten Mal haben wir sehr viel von der Stadt gesehen, denn es war damals sehr warm und sonnig. Aber da unser erster Auftritt verhältnismäßig klein war, freuen wir uns nun eine neue Location und ein paar mehr Leute in Potsdam kennen zu lernen.

Einlass ab 19 Uhr

Die Potsdamer Band „Maggies Farm“ ist am Samstag Gastgeber von „Maggies Farm & Friends“.

Bereits zum dritten Mal veranstaltet die „Rage Against The Machine“ Coverband gemeinsam mit dem Lindenpark das Rockfestival.

Traditionell wird der Erlös gespendet, alle Bands verzichten auf ihre Gagen.

Die Einnahmen des Abends sollen in einen Fond fließen, aus dem Fahrkarten für Flüchtlinge finanziert werden, damit diesen die Teilnahme an Integrationsangeboten erleichtert wird.

Neben Maggies Farm spielen Berlin Syndrome, Samavayo und IndieGo.

Einlass ist 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr. Karten kosten an der Abendkasse Ermäßigt 8 Euro, sonst 10 Euro.

Von Friederike Steemann

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