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Potsdam „Ich werde zur Verfügung stehen“
Lokales Potsdam „Ich werde zur Verfügung stehen“
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21:50 11.04.2017
Superintendent Joachim Zehner ist auch Pfarrer an der Friedenskirche. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Superintendent Joachim Zehner (59) ist seit 2008 Superintendent im Kirchenkreis Potsdam. Ende August 2018 endet seine Amtszeit. Zehner promovierte bei dem katholischen Theologen Hans Küng über den interreligiösen Dialog.

Wissen Sie schon, was Sie zu Ostern machen?

Joachim Zehner: Ja, ich werde die Predigt beim Ostergottesdienst in der Friedenskirche halten. Es gibt auch schon den Osterwitz dazu.

Was ist ein Osterwitz?

Es geht darum, dass man über die Besiegung des Todes lacht. Das ist das traditionelle Osterlachen. Weil ich meinen Witz schon gefunden habe, fühle ich mich auf einem guten Weg.

Können Sie schon was verraten?

Es ist ein Witz über Juri Gagarin und seine erste Raumfahrt, wo er Gott nicht findet. Aber es ist am besten, wenn man in die Kirche kommt und sich den Witz anhört. Allerdings bin ich dankbar, dass ich einen Witz gefunden habe, der nicht auf Kosten von Pfarrern geht. Solche gibt es nämlich in Hülle und Fülle.

Nun ist es ja nicht mehr weit bis zum Kirchentag, der vom 24. bis 28. Mai stattfindet. Auch in Potsdam werden Tausende Gäste erwartet. Die Evangelische Kirche hat Privatleute dazu aufgerufen, Betten für Kirchentagsteilnehmer zur Verfügung zu stellen. Wie ist die Resonanz?

Das kann ich gar nicht so genau sagen. Ich weiß nur, dass viele Teilnehmer bei Bekannten in Potsdam unterkommen. Auch meine Frau und ich werden Freunde beherbergen. Vor allen Dingen sucht der Kirchenkreis aber noch nach Freiwilligen für die Betreuung der Turnhallen in Potsdam, wo meist die jüngeren Gäste unterkommen sollen.

Was müssen die Freiwilligen machen?

Um sechs Uhr morgens wird das Frühstück zubereitet. Ab 18 Uhr sind die Hallen wieder geöffnet. Ab Mitternacht werden die Nachtwachen gehalten. Interessierte können sich bei ihren jeweiligen Kirchengemeinden bewerben.

2018 steht die Wahl des Superintendenten oder der Superintendentin an. Wie ist da die Lage?

Die Synode hat eine Vorschlagskommission gebildet, die demnächst ihre Arbeit aufnehmen wird. Meine Amtszeit läuft bis 31. August 2018. Die Kommission sucht Kandidaten und wird dann auch ihre eigenen Regeln aufstellen, wie sie vorgeht.

Werden Sie wieder Ihren Hut in den Ring werfen?

Ich werde zur Verfügung stehen.

In den vergangenen Jahren sind Sie krankheitsbedingt wegen eines Hirntumors über längere Zeit ausgefallen. Trauen Sie sich vor diesem Hintergrund eine neue Amtszeit als Superintendent zu, die immerhin über zehn Jahre geht?

Ich bin dann 61 Jahre alt und würde das nicht mehr über den ganzen Zeitraum machen können, sondern nur noch vier Jahre.

Wäre es aber in gesundheitlicher Hinsicht nicht vernünftiger, einen Gang runterzuschalten und sich zu schonen? Warum streben Sie dennoch eine Wiederwahl an?

Zum einen ist es die Verantwortung, die man hat. Zum Beispiel, dass das Garnisonkirchenkonzept, das die Synode inhaltlich festgelegt hat, jetzt auch umgesetzt wird. Zum anderen ist das, was ich mir immer erhofft hatte, auch eingetreten. Ich hatte mir einen wachsenden Kirchenkreis gewünscht, und das ist eingetreten. Als ich herkam, hat man in einer wachsenden Stadt für eine schrumpfende Kirche geplant.

Das heißt?

Im Stellenplan waren viele K.w.-Vermerke, was so viel heißt wie „Kann weg“. Es ist gelungen, jetzt das Potenzial der Gemeinden zu erschließen und viele Dienste und 21 Stellen und Stellenanteile zu schaffen. Das würde ich auch gerne fortsetzen. Der Kirchenkreis ist um 1600 Gemeindeglieder gewachsen seit meinem Dienstantritt. Das ist in ganz Deutschland ungewöhnlich.

Aber können Sie wirklich garantieren, dass Sie mit 100 Prozent Ihrer Kraft weitermachen?

Ja. Ich möchte jetzt den Dialog Muslime-Christen begleiten. Das interessiert mich. Wir haben beispielsweise eine Hundert-Prozent-Stelle für den Flüchtlingspfarrer geschaffen. Es gibt auch Muslime, die sich taufen lassen. Bislang waren es drei Männer. Das ist eine immens spannende Zeit.

Würden Sie dafür plädieren, dass die Stadt eine Moschee finanziert?

In unserem Land gibt es die Religionsfreiheit, Glaubens- und Gewissensfreiheit. Von daher wird man Muslimen Unterstützung zukommen lassen, aber ihre Religionsausübung wird sich im Rahmen unserer Rechtsordnung bewegen müssen. Es gibt eine Trennung zwischen Kirche und Staat – insofern kann es keine Finanzierung einer Moschee geben. Unsere Kirchengemeinde hat aber seinerzeit den Beschluss gefasst, dass sie den Friedenssaal auch als Gebetsraum für Muslime zur Verfügung stellen würde.

Gratis?

Nein, aber zu ungefähr denselben Konditionen wie in der Biosphäre, wo die Muslime jetzt ihr Freitagsgebet abhalten.

Der Imam sprach nach der Medien-Berichterstattung über isolationistische Predigten beim Freitagsgebet von einer „Lügenpresse“. Eine solche Wortwahl spricht nicht gerade für Toleranz.

Das war nicht klug. Aber die Aufgabe von Theologen ist, dass man den notwendigen Dialog schafft. Ich möchte auf den Imam zugehen. Ich bin sehr dankbar dafür, wie er nach dem Attentat am Breitscheidplatz in Berlin reagiert hat. Das war sehr deeskalierend. Ich werde deshalb das Gespräch mit ihm suchen.

Von Ildiko Röd

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