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Im Bett mit Benno Fürmann

Babelsberger Regisseur drehte Erotik-Thriller Im Bett mit Benno Fürmann

Florian Gottschick traut sich was: Erst überzeugt der Jungregisseur den bislang auf knackige Hetero-Typen festgelegten Benno Fürmann davon, in seine erste schwule Rolle zu schlüpfen. Dann legt der 32-Jährige dem Kinostar gleich noch zwei Männer und immerhin eine Frau ins Bett. Das Motiv mit dem nackten Quartett aus Gottschicks Diplomfilm "Nachthelle" gilt Christoph Gröner bereits jetzt als "Kinobild des Jahres".

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Quartett im Bett (v.l.): Bernd (Benno Fürmann) mit Ex-Freundin Anna (Anna Grisebach) und ihrem Lebensgefährten Stefan (Vladimir Burlakov) sowie Bernds Freund Marc (Kai Ivo Baulitz).

Quelle: Filmfest

Potsdam. Gröner leitet die Reihe Neues Deutsches Kino beim Filmfest München: Dort feiert "Nachthelle" am Sonntag Weltpremiere.

Gottschick, frisch gebackener Absolvent der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" (HFF), hat einen Film gedreht, der - glücklicherweise - in keine Schublade passen will. Drama, Thriller, Mystery, Erotik - steckt alles drin. Die Story: Enddreißigerin Anna (Anna Grisebach) liebt den viel jüngeren Stefan (Vladimir Burlakov), war einst mit Bernd (Benno Fürmann) zusammen, der nun schon lange Marc (Kai Ivo Baulitz) hat. Die Pärchen begegnen sich in Annas und Bernds alter, nahezu menschenleerer Heimat. Man nimmt Abschied: Das Lausitz-Dorf muss dem Tagebau weichen. Was als sommerlicher Ausflug zu einem idyllischen Fleckchen Erde beginnt, entwickelt sich zu einem Psychotrip - insbesondere für Anna, die von alten Ängsten, Eifersucht, Traumata, innerer Zerrissenheit geplagt wird und doch nur geliebt werden möchte. Aber keine Gnade nirgends, wenn die Pärchen sich beim Rotwein mit Kafka treffen: "Der Beischlaf ist die Strafe für das glückliche Beisammensein." Wie und warum das Quartett dann im Bett landet, wird an dieser Stelle nicht verraten.

Gottschick schaut in "Nachthelle" mit genauem Blick auf Beziehungen und ihren Status, auf Grenzen, Leiden(schaft) und Boshaftigkeiten in zwischenmenschlichen Verhältnissen. "Ich gebe keine Lösungen vor, jeder Zuschauer wird diesen Film mit seiner eigenen Lebenserfahrung anders verstehen", sagt der Wahlberliner. Auch seine hingebungsvoll agierenden Schauspieler interpretierten das Drehbuch unterschiedlich. Für das Projekt überreden musste Gottschick keinen seiner Akteure. Anna Grisebach, die schon in seiner ersten Filmübung an der HFF überzeugte, war ohnehin gesetzt. Sie kennt wiederum über einen gemeinsamen Schauspielcoach Benno Fürmann, brachte ihn für eine der schwulen Rollen ins Spiel. "Zunächst konnte sich Benno nicht vorstellen, einen Mann zu küssen", verrät Gottschick. Doch Fürmann ist Profi und präsentierte während des Drehs hochsensible Facetten.

Regisseur Florian Gottschick.

Quelle: Nicolai M. Mehring

Schauplätze waren Kemmen bei Calau (Oberspreewald-Lausitz), Königs-Wusterhausen und Studio Babelsberg. "Nachthelle" entstand - in Koproduktion von Berliner Almost Famous Film- und Medienproduktion mit der HFF "Konrad Wolf" - als eines der ersten Projekte der "Leuchtstoff"-Reihe. Unter dieser Marke fördern RBB und Medienboard Berlin-Brandenburg vielversprechende Projekte von Nachwuchstalenten. "Nachthelle" löst bereits Versprechen ein: Beim Filmfest München ist der Beitrag in allen vier Kategorien (Regie, Drehbuch, Produktion, Schauspiel) für den Förderpreis Neues Deutsches Kino nominiert worden.

Dass Gottschick erotische Experimente auf der Leinwand mag, zeigte er bereits im Grundstudium mit seinem Kurzfilm "Zwillinge" (2010), in dem er von einem inzestuösen Bruderpaar erzählt. Um Sex, Erotik und Abhängigkeiten dreht sich auch sein nächstes Projekt. Er verfilmt ab August Sonia Rossis Skandalroman "Fucking Berlin" über eine Mathestudentin und Teilzeithure.

HFF „KONRAD WOLF“ BEIM 32. FILMFEST MÜNCHEN

  • 1983 wurde das Filmfest München zum ersten Mal veranstaltet. Nach der Berlinale ist es das zweitgrößte deutsches Filmfestival. Präsentiert werden von heute bis zum 5. Juli Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme sowie TV-Filme.
  • Weitere Filmfest-Weltpremieren, die unter Beteiligung von HFF-Absolventen entstanden: „Wir waren Könige“ (zweiter Regisseur: Andreas Kannengießer, mit Schauspieler Mišel Maticevic), „Das Hotelzimmer“ (Kamera-Assistenz Dominik Roge) und „Schönefeld Boulevard“ (Produzenten Susann Schimk, Jörg Trentmann). Neun Beiträge auf dem Filmfest hat das Medienboard gefördert.
  • „Nachthelle“ wird am Sonntag sowie am 1., 3. und 4. Juli in der Festivalreihe „Neues Deutsches Kino“ gezeigt. rn

Zum HFF-Abschluss wollte Gottschicks stolzer Vater, erfolgreicher Architekt in Frankfurt am Main, seinem Sohn Visitenkarten spendieren, ihn darauf als "Diplom-Regisseur" ausweisen. Lieb gemeint, aber: "Damit wird man in der Filmbranche ausgelacht", erzählt Gottschick fröhlich. Die besten Visitenkarten für einen Regisseur sind schließlich Filme, die - wie "Nachthelle" - die Zuschauer umhauen.

Von Ricarda Nowak

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