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Im Bornstedter Feld fehlen Geschäfte

MAZ zu Hause in... Im Bornstedter Feld fehlen Geschäfte

Im jungen Potsdamer Stadtteil Bornstedter Feld wird gebaut und gebaut, doch die Infrastruktur lässt zu wünschen übrig. Außer zwei Supermärkten und einem Autohaus gibt es kaum Geschäfte und Freizeitmöglichkeiten. Eine Anwohnerin erzählt, wie sie die Sache sieht.

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Wohnen im Grünen: Gaby Richter lebt gern in der August-Bonnes-Straße.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Bornstedter Feld. Der Wind pfeift unbarmherzig durch die Georg-Hermann-Allee. Ein Laster rumpelt am Quader der Fachhochschule vorbei. Modder spritzt von den Rädern. „Hier wird gebaut ohne Ende, gebaut und gebaut“, sagt Gaby Richter und zeigt Richtung Biosphäre. „Nur mit der Infrastruktur kommen sie überhaupt nicht hinterher“, ärgert sich die 64-jährige Rentnerin. „Außer zwei Supermärkten an der Pappelallee und einem Autohaus gibt es hier kaum Geschäfte. Es gibt keine Apotheke, keinen Papierladen. Die nächste Apotheke findet man in der Potsdamer Straße, dort können sie aber nicht parken. Es fehlt an Ärzten. Die wenigen, die hier praktizieren, nehmen keine neuen Patienten mehr auf. Am Abend kann man sich hier nirgendwo treffen, um mal ein Glas Wein zu trinken. Der Bäcker macht um 18 Uhr zu, das gerade wieder eröffnete Café am Wasserspielplatz schließt um 20 Uhr. Wenn ich aus meinen vier Wänden raus will, muss ich in die Innenstadt. Da laufe ich zu Fuß eine Viertelstunde“, erzählt die gebürtige Mecklenburgerin, die in Schwerin aufwuchs und jahrzehntelang in Rostock und Kiel gelebt hat.

Gaby Richter zog aus familiären Gründen nach Potsdam

Vor zwei Jahren ist Gaby Richter aus familiären Gründen in die August-Bonnes-Straße gezogen. Die Wohnung sei herrlich, alles barrierefrei. „Jede Wohnung hat einen Balkon, es gibt einen Fahrstuhl bis in den Keller. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich den Spielplatz am Haus und die Spitze vom Buga-Park. Bis zum Park muss ich keine einzige Straße überqueren, nur einmal über die Straßenbahngleise“ schwärmt die Neu-Potsdamerin über ihr Domizil. Die schmucke Wohnanlage hat indes ihren Preis: Für 52  Quadratmeter werden 499 Euro Kaltmiete fällig.

Die Tage von Gaby Richter, die in Kiel die Geschäfte einer Sportversicherung führte, sind klar strukturiert. Am Vormittag geht sie ihren eigenen Angelegenheiten nach, nachmittags kümmere sie sich mit ihrer Tochter Kerstin um deren Kinder. Die Familie wohnt ganz in der Nähe – Am Schragen. Enkeltochter Mathilda ist sechs Jahre alt und geht in die 1. Klasse der Grundschule im Bornstedter Feld, Enkelsohn Matteo (4) ist schwerstbehindert und wird tagsüber von geschultem Personal in der Kita betreut. Später kommt die Oma ins Spiel. „Für beide Enkelkinder bin ich der Shooting Star“, sagt Gaby Richter und lacht. Mit Mathilda gehe sie zum Ballettunterricht, oder in die Bibliothek am Platz der Einheit. „Abends lese ich vor. Das mögen sie besonders.“

Eine Schwimmhalle fehlt am meisten

Was im Bornstedter Feld am meisten fehle? „Eine Schwimmhalle“, kommt prompt die Antwort. Die könnte man ja in die Biosphäre hineinbauen. „Für eine Schule ist die Halle viel zu schade“, glaubt Gaby Richter. Ihre Enkelin wünsche sich zudem einen T-Shirt-Laden. „Ich würde gern Sport machen, aber nicht Fußball spielen“, ergänzt die rüstige Oma. Und für jüngere Leute gebe es überhaupt keine Angebote in der Umgebung. „Was machen die Jugendlichen am Abend außer vor Rewe zu stehen und Bier zu trinken?“

Gaby Richter glaubt nicht, dass sie bis zum Lebensende in Potsdam bleiben wird. Wenn mich die Enkelkinder nicht mehr brauchen, ziehe ich wieder nach Rostock. „Ich habe mit Potsdam noch keinen Frieden geschlossen“, gibt sie ehrlich zu. „Das ist eine genauso miefige Garnisonstadt wie Schwerin. Außerdem vermisse ich die Ostsee. Das Rauschen der Wellen, die frische Luft...“

Bauen im Bornsteder Feld

1991 fasste die Stadt Potsdam den grundlegenden Beschluss, die Entwicklung eines neuen Stadtteils auf den rund 300 Hektar großen Brachen des Bornstedter Feldes, das seit dem 18. Jahrhundert militärisch genutzt worden war, in eigener Regie zu übernehmen.

Bis zum Jahr 2020 sollen hier circa 7000 Wohneinheiten in Eigenheimen, Stadtvillen, Mietshäusern oder in Wohnformen für Studierende und
Senioren entstehen.

11 400 Bewohner sollen künftig im Bornstedter Feld leben. Im Jahr 2014 wurde hier 10 382 Menschen gezählt. Das Durchschnittsalter betrug 39,2 Jahre.

Von Jens Trommer

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