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Potsdam Im Katastrophenfall hilft das Landeskommando
Lokales Potsdam Im Katastrophenfall hilft das Landeskommando
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12:53 02.04.2016
Ein ursprünglich für ein Gefallenendenkmal in Göttingen erschaffener Bronzeadler thront vor der Havellandkaserne in Eiche. Quelle: Marcel Kirf
Eiche

Die massive Adlerstatue vor dem Hauptgebäude des Landeskommandos Brandenburg sieht man bereits von der Straße aus, durch das Tor der Havellandkaserne, die sich entlang der Kaiser-Friedrich-Straße in Eiche erstreckt. Dabei gehört sie gar nicht hierher, wie die Männer der Abteilung Informationsarbeit der Bundeswehr berichten. Gerettet worden sei der mächtige Bronzeadler des Bildhauers Adolf Breymann, der mit ausgebreiteten Schwingen eine lorbeerumkränzte Pickelhaube und einen Säbel bewacht. Einst Teil eines Kriegerdenkmals im niedersächsischen Göttingen, das 1876 zur Erinnerung an die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges errichtet worden war, sollte es verschrottet werden. Die Soldaten brachten es nach Brandenburg, in Sicherheit. Mit dem Retten kennt man sich hier aus.

Ein Blick auf das Gelände. Quelle: Kirf

Hochwasser, Sturm oder Brand – in Eiche sitzen besondere Helfer

Im Katastrophenfall wird von der Havellandkaserne aus die militärische Unterstützung der zivilen Behörden koordiniert. Das Landeskommando Brandenburg, das hier seinen Sitz hat, ist das Verbindungsglied zwischen Landesregierung und Bundeswehr. Bei Wald- und anderen Großbränden, Hochwasser, Stromausfällen oder der Beseitigung von Sturmschäden helfen die Soldaten den anderen Rettern und Katastrophenschützern – sofern die öffentliche Verwaltung darum bittet. Der letzte größere Einsatz der Truppe war die Unterstützung in der Flüchtlingshilfe, etwa beim Transport, der Registrierung und dem Aufbau von provisorischen Unterkünften. Durch 18 Kreisverbindungskommandos in allen Landkreisen und kreisfreien Städten Brandenburgs haben die Landräte und Oberbürgermeister jeder individuelle Ansprechpartner. In Potsdam-Eiche laufen alle Fäden der „zivil-militärischen Zusammenarbeit“ im Bundesland zusammen. Außerdem sind auf dem rund 30 Hektar großen Gelände, das sich über einen Berg bis zum Universitätscampus in Golm erstreckt, der bis in die 1950er Jahre ebenfalls militärisch genutzt wurde, bevor dort die Stasi-Schule eingerichtet worden ist, Reservisten und Jugendoffiziere beheimatet, ein Materialprüftrupp, das evangelische Militärpfarramt Potsdam, Sanitäter und Veterinäre sowie die Bundeswehr-Fahrschule. In insgesamt 9 Dienststellen arbeiten hier in Eiche 348 Soldaten und zivile Angestellte der Bundeswehr.

Die Bundeswehr in der Region

Die Havellandkaserne in Eiche und die Henning-von-Tresckow-Kaserne in Geltow (Gemeinde Schwielowsee) gehören zum Standort Potsdam-Schwielowsee. Dazu zählen außerdem: das Truppendienstgericht in der Berliner Straße, das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in der Zeppelinstraße und das Karrierezentrum der Bundeswehr in der Behlertstraße.

In Geltow ist das Einsatzführungskommando der Bundeswehr untergebracht. Von hieraus werden seit 2001 die Auslandseinsätze der Bundeswehr koordiniert.

In Beelitz ist das Logistikbataillon 172 stationiert, das Truppenteile der Bundeswehr weltweit bei Auslandseinsätzen unter anderem mit Verpflegung, Munition und Kraftstoff versorgt.

Uniformierte Soldaten sieht man im Freien wenige. An der Einfahrt zur Havellandkaserne stehen Männer eines privaten Sicherheitsdienstes. Die militärischen Armbinden mit der Aufschrift „Wache“ tragen sie über ihren zivilen Wachschützeranzügen. „Das erfolgt auf Weisung der Frau Ministerin“, lässt der Standortfeldwebel wissen. Die Maßnahme sei Teil der „Attraktivitätsagenda“ von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen: „Soldaten sollen nicht mehr Wache stehen, um sich auf ihre originären Aufgaben konzentrieren zu können.“ Eine deutschlandweite Regelung sei das. In Eiche arbeiten viele Soldaten in Büros. Soldaten in der Grundausbildung, die auf dem Hof exerzieren könnten, sind hier nicht untergebracht. Am sichtbarsten sind die Fahrschüler, die aus dem ganzen Land hierher abgeordert werden, um in sechswöchigen Lehrgängen den Umgang mit den großen Gefährten der Bundeswehr zu erlernen, LKW, Zugmaschinen und Anhängerzügen zumeist.

Der Hof bietet Platz für viele Militärfahrzeuge. Quelle: Kirf

Wehrmacht, kasernierte Volkspolizei, NVA – und jetzt die Bundeswehr

In ihrer heutigen Form ab 1935 erbaut, wurde die heutige Havellandkaserne am 1. April vor 80 Jahren im Rahmen der Neuaufstellung der Luftwaffe unter den Nazis in die Luftnachrichten-Abteilung eingegliedert, erweitert und ausgebaut. Im Juni 1936 erhielt sie den Namen „General-Wever-Kaserne“. Der über dem repräsentativen Einfahrtor aus Naturstein angebrachte Schriftzug wurde nach 1945 demontiert. Ansonsten sind alle Gebäude auf dem Areal aus dieser Zeit erhalten. Zwar sei saniert und modernisiert worden, erzählt ein Bundeswehr-Experte, „aber es wurde nichts dazugebaut und nichts abgerissen“ – weder durch die Sowjet-Armee, noch durch die in der DDR von 1951 bis 1989 hier untergebrachte NVA respektive deren Vorgängerin, die Kasernierte Volkspolizei.

Dass hier einmal mehr als 3000 Wehrmachtssoldaten untergebracht waren, kann man sich gut vorstellen, wenn man die Weitläufigkeit des Geländes ins Auge nimmt. Nach 1990 übernahm die Bundeswehr, verkleinerte ihre Standorte in der Stadt aber nach und nach. In Potsdam und Schwielowsee sind heute noch insgesamt 1750 Bundeswehrangehörige tätig. Auch in Eiche wurden Flächen abgegeben. Hinter der Zufahrt zur Havellandkaserne steht ein Schild mit der Aufschrift „Gefährdungsstufe: Alpha“. Das ist die kleinstmögliche Stufe. Alles ruhig in Potsdam-Eiche.

Von Marcel Kirf

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