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Potsdam Im Kirchsteigfeld entsteht ein Netzwerk der Bewohner
Lokales Potsdam Im Kirchsteigfeld entsteht ein Netzwerk der Bewohner
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20:55 01.02.2018
Das Kirchsteigfeld will sich enger vernetzen. Gestern starteten Anwohner deshalb eine neue Internetseite für ihren Kiez. Quelle: Lutz Hannemann
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Kirchsteigfeld

„Richtig Stadt und doch im Grünen“ steht auf der Startseite der Internetseite www.kirchsteigfeld-potsdam.de, die den Besucher so bunt empfängt, wie es viele Fassaden in dem Stadtteil im Potsdamer Süden sind. Seit Donnerstag existiert die Seite. Viele Rubriken sind noch leer, doch bald soll hier das Kirchsteigfeld umfassend präsentiert werden – nach außen und nach innen. Ein „lebendes Projekt“ nennt Marcus Müller die Seite, die er gemeinsam mit dem Webdesigner Sven Scheidler aus seiner Nachbarschaft initiiert hat.

„Unser Stadtteil hat sich immer selbst gekümmert“

Der 38-jährige Müller ist Polizeibeamter in Potsdam und lebt seit 2001 mit Frau und Kindern im Kirchsteigfeld. „Unser Stadtteil hat sich immer selbst gekümmert, bevor etwas verwahrloste. Egal, ob es um Kinderbetreuung, Sauberkeit oder die Vereine hier ging. Die Stadt hat sich auch ein Stück weit darauf ausgeruht“, sagt Müller.

Sein erster Impuls, sich und seine Nachbarn zu vernetzen, kam ihm im Zuge der Auflösung der Potsdamer Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge. „Dass die Familien auf Wohnungen verteilt wurden, war einerseits gut für die Integration, aber andererseits wurden die Leute danach zum Teil alleingelassen“, konstatiert er.

Manches Problem besteht nur durch fehlende Vernetzung

Durch seine eigenen Kinder hörte er von Problemen und Schwierigkeiten, die er für vermeidbar hielt. „Ein besonderes Erlebnis war, als ich im Stadtteilladen ein positives Feedback bekam, weil man dort Sprachmittler zur Hand hatte. Wenige Minuten später war ich auf dem Sportplatz beim SC Potsdam, wo viele Flüchtlingskinder aktiv sind und dort wurde geklagt, dass es an der Verständigung hapert. Das liegt nur daran, das jede Einrichtung für sich allein macht und sich nicht vernetzt“, schloss er aus dem Erlebnis.

60 Partner sind schon auf den Netzwerktreffen gewesen

Müller putzte seitdem Klinken, holte Leute ins Boot und lud seit vergangenem Oktober bereits drei Mal zu einem moderierten Netzwerktreffen. Rund 60 Empfänger umfasst die Liste seiner Einladungen. Schule, Hort und Kitas, Einzelhändler, Vereine, Ärzte, auch die Kirche und der Stadtteilladen gehören dazu. Dazu kommen rund zehn Privatpersonen, „die das Ohr am Kirchsteigfeld haben“. Es sollen mit der neuen Internetpräsenz aber deutlich mehr werden. „Wer nicht nur meckert, sondern anfassen will, soll sich bei mir melden“, sagt Müller.

Eine kleine Modellstadt sollte das Potsdamer Wohngebiet Kirchsteigfeld werden. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Wir sind mittlerweile weg vom engen Fokus auf die hier wohnenden Flüchtlinge. Es geht uns um die Entwicklung des Kiezes und um Bürgerbeteiligung. Wir müssen aus unserem Schlafstadtcharakter herauskommen“, erklärt Müller das Ziel seines Engagements und nennt Verwahrlosungstendenzen, Integration und die Schulwegsicherung als Schlagworte.

Die Internetseite soll bündeln, was den Stadtteil ausmacht

Einen von vielen engagierten Mitstreitern hat er in Sven Scheidler gefunden. Der war durch einen Bericht in der Stadtteilzeitung des Kirchsteigfelds kurz vor Weihnachten auf Müller aufmerksam geworden und bot spontan seine Dienste als Webdesigner an. Seit Donnerstag ist die Seite nun am Netz. „Sie soll sich Stück für Stück füllen durch mich, die Bewohner und das Netzwerk. Sie soll alles bündeln, was den Stadtteil ausmacht“, sagt Scheidler.

So wird das Kiezportal künftig auflisten, was im Kirchsteigfeld eigentlich vorhanden ist, egal ob Firmen, Vereine oder städtische Einrichtungen. Auch einen Veranstaltungskalender gibt es und ein Forum ist geplant. In einem Downloadbereich steht als erstes Dokument eine Einverständniserklärung für alle Kiez-Institutionen und Händler bereit, die sich auf dem Portal präsentieren wollen.

Auch Architekt Christoph Kohl unterstützt die Initiative

Das Ziel soll ein Stadtteilnetzwerk sein, wie es in Potsdam-West bereits besteht und in Babelsberg in diesen Wochen gerade entsteht. Sogar Architekt Christoph Kohl, einer der Schöpfer der Modellstadt, ist darauf bereits aufmerksam geworden. „Das Kirchsteigfeld ist sein Baby und er ist sehr an der Entwicklung interessiert. Er hat mir gesagt, dass er Teil des Netzwerks und Botschafter sein will“, sagt Marcus Müller.

Kontakt: info@kirchsteigfeld-potsdam.de

Die Modellstadt Kirchsteigfeld

Der Grundstein zum Kirchsteigfeld wurde vor 25 Jahren im Dezember 1993 gelegt. 2016 lebten dort bereits über 5100 Menschen auf 59 Hektar Fläche zwischen Drewitz, Alt-Drewitz und der A 115.

Mit rund 2000 geförderten und etwa 700 frei finanzierten Wohnungen galt das Quartier als das größte und zugleich städtebaulich anspruchsvollste Siedlungsprojekt der neuen Bundesländer.

Ein internationales Architektenteam sollte eine Modellstadt der kurzen Wege zwischen Wohnung und Arbeit, mit Kirche, Kitas, Schulen und Stadtteilzentrum auf den Acker neben Drewitz stellen. Das Land und die Stadt förderten dieses Projekt üppig.

Der Plan ging nur teilweise auf. Ein Gewerbegebiet für die kurzen Arbeitswege wurde nicht realisiert und auch die Mieter kleinteiliger Gewerbeflächen haben immer wieder aufgeben müssen.

Von Peter Degener

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