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Potsdam Im Kunstraum wird Geld vernichtet
Lokales Potsdam Im Kunstraum wird Geld vernichtet
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19:00 26.02.2018
Benedikt Braun mit seiner „Jackpot“-Geldvernichtungsmaschine. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam/Schiffbauergasse

Wenn die Maschinen lärmen und die Münzen rhythmisch scheppern, dann ist der „Jackpot“ in Betrieb. Vier Förderbänder hat Benedikt Braun (39) dafür zusammengeschoben. 50 000 Ein-Cent-Stücke bewegen sie in einem schier endlosen Kreislauf. Verluste sind einkalkuliert. In einer Ausstellung tief im Westen der Republik haben Punkrocker das Geld geraubt und auf dem Marktplatz verstreut, erzählt der Künstler. Gravierender jedoch ist der permanente Abrieb, der die Münzen sukzessive verschwinden ließe, wenn sie dem „Jackpot“ nicht rechtzeitig entnommen würden.

Das „Münzmeer“ kann nur über einen Hochsteg passiert werden. Quelle: Bernd Gartenschläger

„Münzmeer“ ist der Name des Geldfriedhofs im Durchgang des Waschhaus-Kunstraums, dessen Boden komplett mit solchen halb verschlissenen Ein-Cent-Stücken in edel schimmernden Plastik-Etuis ausgelegt ist. Die Gäste der Ausstellung können den Gang nur über einen Hochsteg passieren. Auf dem „monetären Massengrab“, so eine alternative Bezeichnung, liegt klein und dreckig ein Staubsaugerbeutel voll mit Kupferstaub aus dem „Jackpot“. „Der ist ziemlich schwer“, sagt Braun. Ein kompletter Gelddurchlauf mit 500 Euro in kleinster Münze wiegt 120 Kilogramm.

Auf der anderen Seite des Hochstegs hockt ein schwarzer Kakadu unter Glas vor einem vielleicht kambodschanischen Idyll mit Dschunken in immergrünem Dickicht und Packeisschollen – dies sind zwei von eineinhalb Dutzend Kunstbausätzen, die Konstantin Bayer (34) ringsherum im Kunstraum aufgebaut hat. Bayer hat mit www.art-articles.com einen Katalog für Kunstwerke zum Selberbauen ins Internet gestellt. Der Katalog ist mit dem Online-Kaufhaus Amazon verbunden, in dem die Einzelteile dafür erworben werden können.

Das „Objekt Kakadu“ und der „Eisberg vor Flusslauf“. Quelle: Bernd Gartenschläger

Für das „Objekt Kakadu“ ordert man einen Plastik-Kakadu, eine Glasglocke, Atemschutzmaske und Bitumen schwarz für den Fahrzeug-Unterboden in der Sprühdose, für „Eisberg vor Flusslauf“ eine Fototapete, Tapetenkleister und Deckenbürste, Dämmplatten (für die Eisschollen), Luftpolsterfolien (für das Eiswasser) sowie einen Bau- und Mörteleimer. In seinem Katalog liefert Bayer die Montageanleitung. Wer dem Künstler ein Bild vom fertigen Werk zukommen lässt, kann bei Gefallen auf ein Echtheitszertifikat hoffen. 20 davon habe er schon vergeben, sagt Bayer.

„Im Dialog“ ist der Titel der Ausstellung, die am Sonnabend eröffnet wird. Bayer und Braun arbeiten schon seit Jahren immer wieder einmal zusammen. Beide studierten an der Bauhaus-Universität in Weimar, Bayer zusätzlich in Shanghai. Der aus Konstanz stammende Braun lebt und arbeitet in Weimar, Bayer ist Gründer und künstlerische Leiter der Galerie Eigenheim in Weimar und Berlin. Aufs Geld kam Braun nach der Finanzkrise 2008, als er in einer Kunstaktion mit einem Eimer voll Geld auf einen Marktplatz ging und die Münzen auf die Straße warf: „Wie ein Bettler, nur umgekehrt.“

Konstantin Bayer in seinem „Arabischen Raum zum Selberbauen.“ Quelle: Bernd Gartenschläger

Bayers Thema sind die Konsumkultur, die Wegwerfgesellschaft, der ökonomische und ökologische Irrsinn der Gegenwart. Kunst zum Selberbauen mit dem Katalogpreis allein für die Einzelteile schafft einen bleibenden Wert verbunden zum Beispiel mit der Geruchserfahrung von Bitumen und Tapetenleim. Mit einer speziellen Installation will er auch im Kunstraum Gäste zum Schaffen animieren. „Schwalbennester für Potsdam“ ist der Titel einer „Produktionslinie“, wie der Künstler es nennt, mit Holzbeton als Material gleich neben dem lärmenden „Jackpot“-Förderband.

Vernissage und weitere Termine

Eröffnung „Im Dialog“ mit Kunst von Konstantin Bayer und Benedikt Braun im Waschhaus-Kunstraum, Schiffbauergasse, am Sonnabend um 19 Uhr. Die Ausstellung läuft bis 25. März.

Einen Abend über Salons und Zirkel in Potsdam in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit dem Potsdamer Kunsthistoriker Andreas Hüneke gibt es am 6. März um 19 Uhr im Salon unter dem Dach des Kunstraums.

Die nächsten Ausstellungen folgen mit Henrik Eiben (14. April bis 13. Mai), Frank Gaudlitz (19. bis 21. Mai) und Cecile Wesolowski (2. Juni bis 22. Juui).

Von Volker Oelschläger

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