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Im MAZ-Video: Steine gegen Landtag

Max-Dortu-Gedenksteinwerfen Im MAZ-Video: Steine gegen Landtag

Kreative Gedenkveranstaltung am Potsdamer Stadtschloss. 40 Potsdamer haben am Donnerstagabend Styroporsteine auf den Landtag und das Fortuna-Portal geschleudert. So sollte an die Revolution von 1848 und die Geschehnisse vom 12. November gedacht werden. Die MAZ war dabei, das Video finden Sie im Text.

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Die Wut des Volkes entlud sich am 12. November 1848 gegen den Sitz der Herrschenden. Am Donnerstag wurde nur gespielt.

Quelle: Christel Köster

Potsdam. „Nieder mit der Monarchie, es lebe die Republik“ rief die revolutionäre Masse unter Anführung von Max Dortu am 12. November 1848 und warf Steine gegen das Potsdamer Stadtschloss als Symbol der königlichen Herrschaft in Preußen. Am Donnerstagabend ist diese historische Szene beim ersten „Gedenksteine-Werfen“ von rund 40 Potsdamern nach einem Aufruf von der Wählergruppe Die Andere am Landtag nachgespielt worden.

Die Protagonisten dieser politischen Performance trugen Dreispitz und Zylinder, lange Mäntel und Fräcke. In den Händen hielten sie Fackeln und schwenkten die Farben der historischen demokratischen Bewegung – Schwarz-Rot-Gold. Selbst Versammlungsleiter Lutz Boede hatte sich in eine deutsche Flagge gehüllt. „Natürlich! Das sind die demokratischen und republikanischen Farben“, kommentierte er sein Kostüm. Im Gegensatz zum verbürgten Ereignis während der Revolution 1848 warfen die Teilnehmer allerdings keine Pflastersteine, sondern rund 300 grau gefärbte Styropor-Würfel, die in großen Weidenkörben für die Teilnehmer von der Fraktion Die Andere bereit gestellt wurden. Es ertönten zeitgenössische revolutionäre Lieder wie das „Badische Wiegenlied“ oder das Preußen-kritische Volkslied „O König von Preußen“. Daneben wurden die Umstände und Ursachen der Revolutionen in deutschen Staaten, die Ereignisse in Potsdam und die Rolle Max Dortus als Redner und Anführer erklärt. Anschließend erfolgte der symbolische Angriff der Menge auf das Stadtschloss.

Juristische Auseinandersetzung um Veranstaltung

Mehrere Dutzend Polizisten in Mannschaftswagen hielten sich im Hintergrund – die Veranstaltung war zwar angemeldet, aber erst vor wenigen Tagen gerichtlich erlaubt worden. Die polizeilichen Auflagen untersagten ursprünglich „das Werfen von Gegenständen jeglicher Art an das Landtagsgebäude“ und sogar „das Werfen in Richtung des Landtagsgebäudes“. Die Polizei fürchtete, dass echt Steine unter die ungefährlichen Styroporwürfel geschmuggelt werden könnten. Wegen dieser Einschränkungen hatte Boede das Gedenksteinwerfen 2014 sogar abgesagt. Diesmal legte er Widerspruch ein und bekam gerichtliche Rückendeckung für die Aktion.

Versammlungsleiter Lutz Boede republikanischen Farben

Versammlungsleiter Lutz Boede republikanischen Farben.

Quelle: Christel Köster

Vom Landtag zeigte sich bei der kreativen Gedenkveranstaltung für Demokratie und Bürgerrechte nur Michael Bode, Leiter der Haussicherheit. Der war um die Fassade und Würde des Gebäudes nicht besorgt, sondern warf sogar Steine zurück, um die „Revolutionäre“ mit neuer Munition zu versorgen. Einen der Styroporwürfel steckte er am Ende ein: „Der kommt auf meinen Schreibtisch.“ Die übrigen „Steine“ wurden von den Veranstaltern für das kommende Jahr sorgfältig eingesammelt. Dann soll aus der Performance eine Tradition werden.

FDP kritisiert die Veranstaltung als geschmacklos

Während sich das Landtagspräsidium laut Boede gar nicht zu der Gedenkveranstaltung geäußert hat, kam von der Potsdamer FDP deutliche Kritik. Die Vorsitzende der Freien Demokraten, Linda Teuteberg, nannte die Aktion in einer Mitteilung „geschmacklos“. Sie werde „dem großen Einsatz Max Dortus für Demokratie und Freiheit“ nicht gerecht. Teuteberg warf den Veranstaltern „persönliche und ideologische Vorbehalte gegen das Stadtschloss als Gebäude“ vor. Indem Max Dortu für diese Zwecke instrumentalisiert werde, „wird der existenzielle Kampf für Freiheit und Demokratie unter den Bedingungen der damaligen Monarchie banalisiert“, teilte Teuteberg mit.

„Max Dortu wäre heute sicherlich kein Mitglied der FDP.“

Für Boede dagegen ist klar: „Max Dortu wäre heute sicherlich kein Mitglied der Freien Demokraten.“ Die Wählergruppe veranstaltet regelmäßig am Jahrestag von Dortus Hinrichtung, dem 31. Juli, ein würdevolles Gedenken an seinem Geburtshaus in der Dortustraße. „Dort habe ich Frau Teuteberg aber noch nie gesehen“, so Boede. Er verteidigte seinen szenischen Ansatz: „Es ist ein Versuch, der sich vom üblichen Kranzniederlegen abhebt und ich denke, diese Form historische Prozesse zu verdeutlichen spricht junge Menschen an.“

Der Dortu-Protest

Johann Ludwig Maximilian Dortu stammte aus Potsdam und nahm als 21-Jähriger an der Märzrevolution von 1848 teil. Nach der Wiedereinnahme Berlins am 10. November durch königliche Truppen, rief Dortu dazu auf, die Militärtransporte nach Berlin zu verhindern.

Am 12. November stürmten die Revolutionäre um Dortu nicht nur zum Stadtschloss, sondern zerstörten auch die Telegrafenverbindung und die Eisenbahnschienen nach Berlin.

Nach dem Sabotageakt sollte Dortu verhaftet werden. Er floh nach Paris und kämpfte im Jahr 1849 als Major der Revolutionsarmee im süddeutschen Baden. Dort wurde er von preußischen Truppen gefangen genommen und nach einem Prozess zum Tode verurteilt und hingerichtet.

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Von Peter Degener

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