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Im Museums-Depot auf Hermannswerder

MAZ zu Hause in ... Templiner Vorstadt Im Museums-Depot auf Hermannswerder

Die Geschichte der Depots des Potsdam-Museums ist eine endlose Abfolge von Provisorien. Aktuell bewahrt es einen Teil seiner Schätze in einem alten Laborgebäude auf Hermannswerder auf. Weitere Abteilungen des Depots befinden sich in Groß Glienicke und seit Juli an der Friedrich-Engels-Straße auf dem Gelände der MAZ.

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Hannes Wittenberg mit Fotografien von Max Baur im Depot des Potsdam-Museums auf Hermannswerder.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam/Hermannswerder. Fotografien von Max Baur liegen auf dem Labortisch. Sie zeigen Aufnahmen von der ersten Ausstellung des Heimatmuseums nach dem Zweiten Weltkrieg im Marstall, dem heutigen Sitz des Filmmuseums. Hannes Wittenberg, der stellvertretende Direktor des Potsdam-Museums, hat den Karton mit diesen Bildern wie zufällig aus dem Regal gezogen. Doch die Geschichte, die dem Historiker dazu spontan einfällt, verweist auch auf den aktuellen Ort des Fotoarchivs, der wie viele andere vorher nur ein Provisorium ist.

Gegründet 1909 im Rathaus am Alten Markt, sollte das Potsdam-Museum mehr als ein Jahrhundert lang von Provisorium zu Provisorium ziehen, bis es 2012 mit der Ausstellung zum 300. Jubiläum Friedrichs des Großen wieder ins Alte Rathaus zurückkehrte. Das war in den vergangenen Jahren zum „Potsdam-Museum – Forum für Kunst und Geschichte“ ausgebaut worden. Die Geschichte der provisorischen Ausstellungsorte ist auch eine Geschichte der provisorischen Depots.

Der Marstall diente nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur als Ausstellungshalle, unter dem Dach lagerte auch das nach Evakuierungen und Umzügen verbliebene Museumsgut. Vieles ist verloren gegangen. Manches fand sich überraschend wieder an. So wie das monumentale Gemälde der „Schlacht von Zorndorf“. „Sie haben es 1960 beim Auszug aus dem Marstall zusammengerollt auf dem Dachboden gefunden.“ Jahrzehnte später wurde es erneut entdeckt, diesmal zusammengerollt in einem Depot in der heutigen Lindenstraße.

Über Jahre war das kostbare Museumsgut in der alten Volksschule in Klein Glienicke deponiert, die seit dem Mauerbau 1961 im Sperrgebiet stand. 1974 verlegte man das Hauptdepot in die Puschkinallee, die Schule am Klein-Glienicker Waldrand wurde kurz darauf gesprengt. 2005/06 wurden die Bestände des Museums aus den damaligen Depots in der Puschkinallee und in der Hebbelstraße in einem früheren Laborgebäude auf Hermannswerder zusammengefasst.

Die Fotosammlung hat dort einen Raum, in einem anderen sind Grafiken untergebracht, in einem dritten Gemälde. An den Wänden des Flurs hängen Bilderrahmen und Spiegel, manche halb blind. „Schrift und Druck vor 1945“ steht an einer Tür. Unter den Broschüren und Zeitschriften, die hier auf Tischen und Regalen liegen, ist auch ein Band der „Inselblätter Hermannswerder“ von 1935. Auf der Titelseite reimt es unter einem Idyll mit Kirche und Bäumen in Fraktur: „Froher Kinder Jugendland, Treuer Schwestern Heimatland, Deutschen Geistes Ackerland – Das ist Hermannswerder Land!“

„Inselblätter Hermannswerder“ vom Juni 1935

„Inselblätter Hermannswerder“ vom Juni 1935.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Eigentlich sollte Hermannswerder die endgültige Lösung sein. Doch weder reichte das Geld noch der Platz. Von einem Schaudepot, das es hier einmal geben sollte, redet niemand mehr. Wollte man bleiben, müsste man anbauen, sagt Wittenberg. Mittlerweile ist das Museum erneut auf drei Depotstandorte verteilt – neben Hermannswerder nutzt es Räume in der Groß-Glienicker Waldsiedlung sowie auf dem Gelände der MAZ.

Perspektivisch, sagt Wittenberg, „halten wir daran fest, dass wir ein Depot haben und nicht wie jetzt drei Standorte.“ Bis 2020, hofft er, könne die Entscheidung für einen zentralen Standort auf städtischem Grund getroffen werden.

Sammlung mit fast 270 000 Objekten

Die Sammlung des Potsdam-Museums umfasst aktuell fast 270 000 Objekte, die außerhalb aktueller Ausstellungen an drei Standorten aufbewahrt werden.

Neben dem Depot auf Hermannswerder nutzt das Museum Räume in der Groß-Glienicker Waldsiedlung für die Galerie sozialistische Kunst und die Militariasammlung.

Auf dem Gelände der MAZ ist seit Juli unter anderem das Hausarchiv des Museums untergebracht.

 

Von Volker Oelschläger

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