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Immer mehr Lehrer sind Seiteneinsteiger

Bildung in Potsdam Immer mehr Lehrer sind Seiteneinsteiger

Bislang war es eher ein Problem der Brandenburger Randgebiete, aber inzwischen trifft der Lehrermangel auch Potsdam. Auch in der Landeshauptstadt unterrichten zunehmend Lehrkräfte ohne Lehramtsbefähigung.

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Ein Problem in allen Bundesländern: Lehrernachwuchs ist rar.

Quelle: Foto: dpa

Potsdam. Bislang war es eher ein Problem der Brandenburger Peripherie, aber inzwischen trifft der Lehrermangel auch die Landeshauptstadt: Um alle Stellen besetzen zu können, greift das Land vermehrt auf Seiteneinsteiger ohne Lehramtsbefähigung zurück. 72 Lehrer, die an Potsdamer Schulen unterrichten, haben Stand September 2016 keine klassische Pädagogenausbildung. Das sind 4,6 Prozent der insgesamt 1556 als Lehrkräfte Tätigen, wie das Bildungsministerium auf Anfrage mitteilt. Vergleichszahlen aus den Vorjahren gibt es nicht. „Es ist aber anzunehmen, dass die Zahl der Seiteneinsteiger in Potsdam zugenommen hat, da landesweit ein Anstieg zu verzeichnen ist“, so Ministeriumssprecher Ralph Kotsch.

„Der Lehrermangel macht sich mittlerweile auch in der Landeshauptstadt bemerkbar“, bestätigt der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Günther Fuchs. „Potsdam hat bei der Gewinnung von Lehrern lange von seiner Attraktivität als kulturelles Zentrum profitiert. Aber die Zeiten sind langsam vorbei“, so Fuchs. „Andere Städten holen auf.“ Zudem spitze sich der Wettbewerb um junge Lehrer nicht nur innerhalb des Landes zu, auch der Konkurrenzkampf unter den Bundesländern halte an. „Ausbildung und Bedarf sind nicht mehr deckungsgleich“, sagt der Gewerkschaftschef. Zudem gebe es durch Ziele wie Inklusion, also den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung, einen zusätzlichen Bedarf an Lehrern.

Potsdam liegt noch ein gutes Stück unter der landesweiten Seiteneinsteiger-Quote von 7,6 Prozent. „In der Tat gibt es jedoch auch in Potsdam einen Anstieg bei den Quereinsteigern“, konstatiert Clemens Viehrig, Vorsitzender des Potsdamer Bildungsausschusses. „Die Landesregierung fährt beim Thema Lehrerausbildung seit Jahren auf Sicht“, kritisiert der CDU-Stadtverordnete. „Im Moment sind Seiteneinsteiger deshalb unumgänglich und machen im Einzelfall auch gute Arbeit“, sagt Viehrig. Gleichzeitig müssten die Weiterbildungsplätze für Lehrer ausgebaut werden, fordert der Ausschusschef. „Andernfalls droht in Brandenburg eine Zweiklassengesellschaft im Lehrerzimmer. Auf der einen Seite Lehrer mit voller Ausbildung und vollem Gehalt. Auf der anderen Seite die Seiteneinsteiger als Dumpinglohn-Lehrer ohne weitere Qualifizierung und mit befristeten Arbeitsverträgen.“

Keine unbesetzten Stellen

Von den 72 Quereinsteiger, die in Potsdam unterrichten, haben 46 die Möglichkeit, durch Weiterqualifizierung eine Lehramtsbefähigung zu erwerben. Dabei kommt es auf den erlernten Beruf an: Ein Diplom-Ingenieur kann eine Befähigung erhalten, eine Kindergärtnerin ohne Studium nicht. Die meisten „ungelernten“ Lehrer, 20 insgesamt, sind in Potsdam in Grundschulen eingesetzt. An Oberschulen unterrichten zwölf, an Gesamtschulen elf und an Gymnasien sechs Seiteneinsteiger. An Förderschulen gibt es zehn Quereinsteiger, an beruflichen Schulen zwölf und an der Schule des Zweiten Bildungsweges eine Lehrkraft ohne einschlägiges Studium. In welchen Fächern sie eingesetzt sind, ist nicht erfasst.

Unbesetzte Stellen gebe es bei den staatlichen Schulen in Potsdam derzeit nicht, so das Ministerium. Auf dem Fachkräfteportal Brandenburg werden lediglich drei Leitungsfunktionen angeboten: Die Grundschule am Humboldtring, die Grundschule „Ludwig Renn“ und die Eisenhart-Schule suchen stellvertretende Schulleiter. Die Alfred-Nobel-Gesamtschule in freier Trägerschaft hofft laut Ausschreibung auf einen Mathematiklehrer.

Von Marion Kaufmann

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