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Immer mehr Obdachlose in Potsdam

Sozialer Brennpunkt Immer mehr Obdachlose in Potsdam

Weit mehr als 400 Menschen leben in Potsdams Notunterkünften, auf der Straße oder als verdeckt Obdachlose in den Wohnungen von Freunden und Bekannten. Die Zahl ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen, wie das Rathaus auf MAZ-Anfrage mitteilte.

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Zur Anzahl der Obdachlosen, die in Potsdam auf der Straße leben, gibt es nur Schätzungen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. In der Landeshauptstadt leben immer mehr Obdachlose. Laut Antwort von Rathaussprecher Stefan Schulz auf eine MAZ-Anfrage waren zum Stichtag 30. September insgesamt 370 Obdachlose in verschiedenen Einrichtungen und Wohnungen untergebracht. Keine zahlenmäßige Erfassung gebe es zu den auf der Straße lebenden Obdachlosen. Durch die Mitarbeiter der von der Stadt mit der Straßensozialarbeit beauftragten Creso Creative Sozialarbeit gGmbH würden übers Jahr in Potsdam 30 bis 50 Personen angesprochen, die sich auf der Straße aufhielten, so Schulz.

Darüber hinaus gebe es junge Erwachsene ohne eigene Wohnung, die teilweise durch das Streetwork-Projekt Wildwuchs der Stiftung SPI betreut würden. Sie seien meist verdeckt obdachlos und hielten sich in den Wohnungen von Freunden und Bekannten auf. Auch zu diesem Personenkreis gibt es nach Angaben des Rathaussprechers keine amtlichen Zahlen.

Im Vergleich zu früheren Jahren hat sich die Anzahl der registrierten Obdachlosen in Potsdam deutlich erhöht. 2012 gab es nach Mitteilung von Schulz 241 untergebrachte Obdachlose. Anfang dieses Jahres war in der Antwort der Verwaltung auf eine kleine Anfrage von Clemens Viehrig (CDU/ANW) die Rede von aktuell 299 untergebrachten Obdachlosen. Die Anzahl der registrierten Betroffenen ändert sich mit dem Wechsel der Jahreszeiten. Im vergangenen Jahr gab es im Mai mit 247 ordnungsrechtlich untergebrachten Wohnungslosen einen Tiefstwert. Der Höchstwert für 2016 wurde mit dem Wintereinbruch im November mit 343 untergebrachten Personen registriert.

Gegen den Trend entwickelte sich die Nachfrage bei der Suppenküche der Volkssolidarität auf dem Rathausgelände. Im Jahr 2012 kamen durchschnittlich 50 bis 70 Gäste pro Tag. Aktuell sind es laut Schulz nur noch 30 bis 40 Personen pro Tag. Neben Frühstück und warmem Mittagessen gibt es in der Suppenküche auch die Möglichkeit zum Duschen und Wäschewaschen sowie eine Kleiderkammer. Eine weitere Anlaufstelle für Obdachlose in der Innenstadt ist die Arbeitsgruppe Wohnungssicherung im Haus 2 des Verwaltungscampus an der Jägerallee.

Die Streetworker der Creso und der Stiftung SPI sind nach Angaben von Rathaussprecher Schulz regelmäßig am Hauptbahnhof, in der Brandenburger Straße sowie im Klinikum „Ernst von Bergmann“ und im St. Josefs Krankenhaus als Ansprechpartner für die Betroffenen da. Die Stiftung SPI hat ihre Büroräume in der Mauerstraße 2.

Die größte Obdachlosenunterkunft der Landeshauptstadt mit 95 Betten und 15 Notbetten befindet sich am Lerchensteig. Ebenfalls auf dem Gelände ist eine Unterkunft „Junge Wilde“ mit 24 Betten. 60 Plätze hat das Familienhaus Am Stern, weitere mehr als 50 Plätze gibt es in so genannten Gewährleistungswohnungen. Spenden für die Obdachlosenhilfe können laut Rathaussprecher Schulz in der zentralen Spendensammelstelle in Drewitz, bei der Volkssolidarität in der Suppenküche und direkt bei den Streetworkern der Creso in der Gartenstraße 42 und den Streetworkern von „Wildwuchs“ in der Mauerstraße 2 abgegeben werden. Neben Schlafsäcken würden aktuell Wintersachen benötigt.

Auch Patenschaften für Obdachlose sind möglich. Das Rathaus empfahl Interessenten in der Antwort auf Viehrigs Anfrage, sich direkt an eine der Obdachloseneinrichtungen oder direkt an die Ehrenamtsagentur der Arbeiterwohlfahrt zu wenden, da sich alle Einrichtungen für Obdachlose in Potsdam in Trägerschaft der AWO befänden.

Kontakt und Öffnungszeiten

Das Obdachlosenheim der Arbeiterwohlfahrt am Lerchensteig ist unter der Telefonnummer 0331/52 06 92 zu erreichen, die Streetworker von „Wildwuchs“ unter 0170/28 55 963, der Creso unter 0176/12 10 98 77 oder 0176/12 10 98 94.

Die Suppenküche ist täglich 9-14 Uhr für Bedürftige, 8-15 Uhr für Spender geöffnet, Tel: 0331/280 52 62. Kontakt zur zentralen Spendensammelstelle für Bedürftige in Drewitz, Slatan-Dudow-Straße: 0331/289 15 19, offen für Spender und Bedürftige Di 6.30-12 Uhr, Mi/Fr 9-13 Uhr, Do 13-18 Uhr.

Von Volker Oelschläger

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