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Potsdam In Babelsberg fehlen wieder Schulplätze
Lokales Potsdam In Babelsberg fehlen wieder Schulplätze
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05:05 17.05.2017
Zu viele Erstklässler: In der Landeshauptstadt sind Grundschulplätze seit Jahren knapp. Quelle: Foto: dpa
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Babelsberg

Wo sein Sohn ab September in die Schule gehen wird, weiß Christian Rühlemann nicht. Aber eines hat er Schwarz auf Weiß: Es wird nicht in Babelsberg sein. Denn auch in diesem Jahr reichen die Grundschulplätze in dem bei Familien beliebten Stadtteil nicht aus.

Die Einzugsschule der Rühlemanns ist die Goethe-Grundschule. Diese hat die Familie auch als Erstwunsch angegeben. Zweitwunsch: die Grundschule am Griebnitzsee. Doch beide Wünschen gingen nicht Erfüllung. Die Familie hat eine Absage bekommen. Die Schulen sind schon voll. Allein an der Goethe-Schule seien 21 Kinder abgelehnt worden, heißt es. „In ganz Babelsberg ist alles belegt“, sagt Rühlemann. Auch die Bruno-H.-Bürgel-Schule sei wieder übernachgefragt.

Eine genaue Zahl der fehlenden Plätze will Anja Henkes, Rektorin der Goethe-Grundschule, nicht nennen. Sie bestätigt aber: „Wir konnten nicht alle Erstwünsche erfüllen.“ An der beliebten Schule ist die Situation verschärft, weil mangels räumlicher Gegebenheiten keine zusätzliche erste Klasse mehr eingerichtet werden kann. Für das Schuljahr 2015/16 wurde einmalig eine dritte 1. Klasse eingerichtet – als Überbrückung, bis die Grundschule am Humboldtring mit Containern erweitert wurde.„Unsere Schule ist nur zweizügig ausgelegt“, sagt Henkes. Wenn selbst für alle Schüler im Einzugsgebiet die Plätze nicht reichen, entscheide die Entfernung von Schule und Wohnort. Und die ist bei den Rühlemanns zu weit, um einen Platz zu ergattern. Die Familie wohnt am Bahnhof Medienstadt – bis zur Goethe-Schule sind es etwa 2,5 Kilometer.

Ohnehin ein schon etwas weiterer Schulweg, aber nun sei die Prämisse von Stadt und Bildungsministerium „Kurze Wege, kurze Beine“ erst recht nicht erfüllt, sagt Christian Rühlemann, der hofft, nun im Zentrum-Ost einen Platz für seinen Sohn zu bekommen. Anderen Eltern sei ein Platz am Stern angeboten worden. „Erst mal durch die Stadt zur Schule fahren zu müssen, wenn die Arbeitsstelle in einer anderen Richtung liegt – das ist schwierig“, sagt der Vater. Außerdem erschwere es die sozialen Kontakte der Erstklässler, wenn die Schulfreunde alle in einem anderen Stadtteil wohnen.

Vergabekriterien sind in der Grundschulverordnung verankert

Hinter den Kulissen gibt es Zweifel, ob das Vorrangprinzip für Wohnortnähe in Potsdam immer eingehalten wird oder doch auch Kinder aus jeweils anderen Stadtteilen einen Platz bekommen. Die Stadt rechnet damit, dass einige Eltern versuchen werden, einen Schulplatz einzuklagen. Aus der Verwaltung heißt es, dass schon erste Beschwerden von Eltern vorliegen.

Nach §4 der Brandenburger Grundschulverordnung gilt Folgendes: „Übersteigt (...) die Zahl der Anmeldungen die Aufnahmekapazität einer Schule, so richtet sich die Auswahl nach der Nähe der Wohnung zur Schule und nach dem Vorliegen eines wichtigen Grundes.“ So ein wichtiger Grund könne zum Beispiel sein, dass an der anderen Schule kein Religionsunterricht angeboten wird, erklärt Ministeriumssprecher Ralph Kotsch.

Die Stadt teilt zur Situation in Babelsberg offiziell nur mit: „Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Alle Zahlen oder Meldungen sind nur Zwischenstände, denn bis zum Ende des Monats läuft das Anmeldeverfahren.“ Über die Inhalte informiere das Bildungsministerium.

Langfristig gibt es für Babelsberg wohl nur eine Lösung: „Wir brauchen dringend eine weitere Grundschule“, sagt Rektorin Anja Henkes und spricht damit vielen Eltern wie Christian Rühlemann aus der Seele. Aber bis eine neue Schule öffnet – ob nun auf der Sandscholle oder am Filmpark – können noch mindestens fünf Jahre vergehen.

Vier staatliche und zwei freie Schulen

Zum Sozialraum IV gehören die Stadtteile Babelsberg und Zentrum Ost.

Vier staatliche Grundschulen mit insgesamt rund 270 Plätzen gibt es im Sozialraum: die Goethe-Schule, die Bürgelschule, die Schule am Griebnitzsee und die Grundschule am Humboldtring.

Hinzu kommen zwei Babelsberger Schulen in freier Trägerschaft. Zusammen gut 100 Plätze bieten die Evangelische Grundschule und die Katholische Marienschule.

Von Marion Kaufmann

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