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Potsdam In Freiheit geborgen
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00:19 15.07.2018
Eine WG wie keine andere: Gabriele Grafenhorst (l.) und Gitta Zander (r.) mit der ehrenamtlichen Helferin Sandra Oleniczak und Hündin Lotta. Quelle: Nadine Fabian
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Als dieses Haus Ende Oktober 2014 zu ihrem Zuhause wurde, war Gabriele Grafenhorst noch immer zum Plaudern aufgelegt. „Hier ist es wahr und lebendig, schön und kuschelig“, sagte sie damals der MAZ. „Es ist einfach wunderbar.“ Heute, vier Jahre später, spricht Gabriele nicht mehr. Verstummt ist sie dennoch nicht. Eine Decke um die Schultern gelegt, zieht sie ihre kleinen Kreise durch den blühenden Garten – ein Lächeln im Gesicht, ein Lied auf den Lippen. Der Nebel des Vergessens mag ihr die Worte genommen haben, die Melodie aber ist noch da.

Der Weg zum Omi-Opi-Haus war lang und oft verworren

75 Jahre ist Gabriele Grafenhorst alt. Wie alle, die in dem weißen Einfamilienhaus mit der Nummer 68 an der Heinrich-Mann-Allee leben, ist sie an einer Demenz erkrankt. Doch Gabriele – das sieht selbst ein Fremder auf den ersten Blick – ist glücklich. Und das wiederum macht Manja Sprdlik froh. Sie ist Gabrieles Schwiegertochter und hat den Verein „Lebenwert“ und die private Demenz-WG – auch als Omi-Opi-Haus bekannt – mitgegründet. Ein langer, oft verworrener Weg liegt hinter ihr. Dabei war das Ziel immer klar: Demenzkranke sollen selbstbestimmt in einer Gemeinschaft leben, in der sich auch ihre Angehörigen und die Pflegekräfte wohl fühlen können. „Ein Leben und Arbeiten ohne Druck“, sagt Manja Sprdlik: „Menschwürde für alle.“

Das Omi-Opi-Haus – bald soll es ein zweites geben. Quelle: Nadine Fabian

Als sie einst für Gabriele eine Heimstatt suchte und nur Heimplätze fand, habe sie alles „einfach nur schlimm“ gefunden: das Einerlei der Zimmer, die schematisierte Pflege, die Einsamkeit. Was für ein Glücksfall die kleine WG in der Rudolf-Breitscheid-Straße in Babelsberg da doch war! Gabriele war gerade eingezogen, als es mit der WG auch schon wieder aus war: Nach einem Brand im April 2014 wurden die Bewohner ins Umland verteilt – und Manja Sprdlik wurde erfinderisch. „Ich dachte mir: Eine WG, in der die Bewohner und Angehörigen das Sagen haben und niemand anderes, das muss doch gehen! Hätte ich gewusst, wie schwer es wird, hätte ich es nicht angefasst.“

Die Warteliste für die Demenz-WG ist lang

Inzwischen ist das Omi-Opi-Haus, in dem sich Fachkräfte, Angehörige und ehrenamtliche Helfer gemeinsam um das Wohl der Bewohner bemühen und in dem die Betroffenen in allen Stadien der Demenz geborgen, aber frei leben können, in der Potsdamer Pflegelandschaft etabliert. 15 Männer und Frauen stehen auf der Warteliste für einen der neun Plätze. „Wir möchten diesen Menschen so gern helfen und ein neues Projekt aufbauen“, sagt Manja Sprdlik. Die Hoffnung ruht nun auf einem Förderantrag, die „Lebenswert“ bei der Landeshauptstadt gestellt hat. Wird er bewilligt, kann eine angeleitete Selbsthilfegruppe gegründet werden, in der Angehörige all das aus erster Hand erfahren, was sich Manja Sprdlik und ihre Mitstreiter in mühevoller Recherche angeeignet haben – der Weg für eine zweite Demenz-WG wäre geebnet.

Sozialdezernent Mike Schubert, WG-Gründerin Manja Sprdlik (M.) und die Bundestagsabgeordnete Manja Schüle im Gespräch. Quelle: Nadine Fabian

„Dann fehlt nur noch die passende Immobilie“, sagt Manja Sprdlik. Wie schwer es ist, in Potsdam ein Häuschen wie das an der Heinrich-Mann-Allee zu finden, braucht sie niemandem zu erzählen – auch nicht der Bundestagsabgeordneten Manja Schüle und dem Sozialbeigeordneten Mike Schubert (beide SPD), die in diesen Tagen zu Besuch in der WG waren und sich vom Motto „Nehmt eure Alten in die Mitte“ mitreißen ließen. Sie versprachen, sich für die WG einzusetzen.

Kontakt über 0172/9 91 27 09

Von Nadine Fabian

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