Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
In Teltow wird Knorpelgewebe gezüchtet

Biotechnologie: Hilfe für lädierte Gelenke In Teltow wird Knorpelgewebe gezüchtet

Nach jahrelangen Studien sieht das Teltower Biotechnologie-Unternehmen Codon jetzt gute Voraussetzungen für eine europaweite Zulassung der produzierten Knorpel-Ersatzgewebe für lädierte Gelenke. Für den Schritt auf den internationalen Markt ist mit dem renommierten Unternehmen für medizinische Hilfsmittel Bauerfeind auch ein verlässlicher Partner mit an Bord.

Voriger Artikel
Müder Potsdamer (fast) Opfer eines Taschendiebs
Nächster Artikel
Es ist gruselig im Filmpark Babelsberg

Die Firma Codon in Teltow stellt Produkte für die Behandlung von Knorpelschäden her. Hier eine Laborantin im Reinraum.

Quelle: Stephan Laude

Teltow. Jahrelang machte das börsennotierte Teltower Biotechnologie-Unternehmen Codon AG durch relativ undurchsichtige Gesellschafter aus Zypern mit russischem Hintergrund und internen Machtkämpfen von sich reden. Inzwischen stehen offenbar solidere Zeiten an. Die Firma, die sich mit einem Verfahren zur Züchtung von organischem Knorpelgewebe aus körpereigenen Zellen etwa für Kniegelenke zumindest auf dem deutschen Markt etabliert hat, kann mittlerweile auf einen führenden Hersteller medizinischer Hilfsmittel als Fadenzieher im Hintergrund setzen.

Seit kurzer Zeit hält die im thüringischen Zeulenroda ansässige Bauerfeind AG etwas über 25 Prozent der Aktien. Der rund um den Globus nicht nur Spitzensportlern vertraute Bandagen- und Orthopädie-Produzent hat damit mehr als nur eine stützende Funktion als Anteilseigener. Der neue Hauptaktionär besitzt nun eine Sperrminorität, die sämtlichen Entscheidungen die Richtung weisen kann. Mit nur etwas mehr als 14 Prozent der Anteile ist der Einfluss des Vorstandsmitglieds des Bundesverbandes der pharmazeutischen Industrie Bernd Wegener dagegen begrenzt.

Der neue strategische Investor verfolgt mit seinem Engagement auch mehr als eine „Idee, die gerade dem Zeitgeist entspricht“, wie Vorstandschef und Gründerenkel Hans B. Bauerfeind sagt. Zusammen mit den eigenen Produkten sehe das Unternehmen einen „grundsätzlichen Ansatz für eine ganzheitliche Therapie“. Auch Codon baut auf eine elementare Partnerschaft und hofft auf die Position von Bauerfeind im europäischen Markt. Vorstandschef Dirk Hessel spricht von einem „langfristig orientierten Ankerinvestor“ mit „langjähriger internationaler Erfahrung“ und „großen Schnittmengen“. Codon etabliere „sich zunehmend als ein führendes biopharmazeutisches Unternehmen im Bereich der personalisierten Medizin“.

Steigende Kurse an der Börse

Mit Hilfe von Reinraum-Technologie züchtet die börsennotierte Codon AG nach einer in Teltow entwickelten Methode aus Patienten entnommenen körpereigenen Zellen Knorpel-Transplantate. Die biologischen Ersatzteile kommen in durch Abnutzung oder auch Unfällen geschädigten Knie-, Hüft und Schultergelenken sowie Bandscheiben zum Einsatz.

Zwei Investmentgesellschaften aus Zypern – offenbar mit russischen Geldgebern im Rücken – hatten 2012 mehr als 25 Prozent der Codon-Anteile übernommen. Zudem gab es nach Umbesetzungen in Vorstand und Aufsichtsrat Sorgen um einen Ausverkauf der Technologie.

Die Investoren aus Zypern stiegen Anfang des Jahres wieder aus und verkauften ihre Aktien. Mit nicht ganz unbeträchtlichem Gewinn, wie die Entwicklung des Aktienkurses zeigt. Zwischen 2013 und 2015 hat sich der Wert eines Codon-Papiers an der Börse nahezu verdreifacht. Im Juli gaben Codon und Bauerfeind bekannt, dass das bereits 1929 gegründete Traditionsunternehmen mehr als 25 Prozent der Aktien der Teltower erworben hat.

Die von Codon entwickelte Heilungsmethode von Kniegelenk-, Hüft- und Bandscheibenschäden durch aus körpereigenen Zellen gezüchteten Knorpelprothesen soll nun bald auch im europäischen Ausland Erfolge feiern können. Die zur Zulassung auf EU-Ebene seit Jahren laufenden Studien gingen in die Abschlussphase und eine Genehmigung im europäischen Ausland sei noch im kommenden Jahr angestrebt, so Codon-Sprecher Matthias Meißner. Die zwölf Millionen Euro teuren Untersuchungen über Dosis und Wirksamkeit waren nötig geworden, nachdem neue europäische Richtlinien Exporte in andere EU-Länder unmöglich gemacht hatten. Mit Hilfe der Markterweiterung sollen die angelaufenen Verluste ausgeglichen und 2018 im Geschäftsabschluss eine „schwarze Null“ erreicht werden.

In Deutschland hat sich die Therapie mit Züchtungen aus körpereigenen Zellen dagegen inzwischen vielfach etabliert. Mehr als 10 000 Anwendungen der auch von den gesetzlichen Krankenkassen finanzierten Methode habe es bislang bereits gegeben, nahezu neun von zehn mit Erfolg, so Meißner. Die Umsätze bei Codon sind zwar im ersten Halbjahr 2016 erneut gegenüber den ersten sechs Monaten 2015 um ein Fünftel auf knapp 3,1 Millionen Euro gestiegen, getrieben durch die Studienkosten und den forcierten Unternehmensausbau wuchsen aber auch die Verluste um mehr als 50 Prozent auf 1,2 Millionen Euro.

Auch die deutliche Unternehmenserweiterung geht vor allem auf die geplante EU-Erweiterung zurück. So wurde ein neuer Sitz für Geschäftsführung und Marketing im Zentrum Berlins aufgebaut. Aber auch die in Teltow angesiedelte Produktion, Forschung und Entwicklung sowie Qualitätssicherung wurde vergrößert. Innerhalb Jahresfrist konnte die Belegschaft von zuvor 60 auf inzwischen 85 Mitarbeiter ausgebaut werden.

Von Gerald Dietz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam
Potsdams Innenstadt - vor und nach dem Krieg

Der 14. April 1945 ist ein sonniger, warmer Frühlingstag – ein Sonnabend.  Um 22:15 Uhr ertönen die Sirenen, Bomben fallen auf Potsdam und wenig später marschiert die russische Armee in Potsdam ein. Das Stadtbild ist ein anderes geworden.

Das Protokoll zum Luftangriff: www.maz-online.de/Nacht-von-Potsdam

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg