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Potsdam „In die Extreme gehen“
Lokales Potsdam „In die Extreme gehen“
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18:33 02.03.2017
Veronika Eberle (28) hat mit sechs Jahren Geigenunterricht bekommen und spielte mit zehn Jahren die ersten großen Konzerte. Quelle: Felix Bröde
Innenstadt

Sie bittet, Takt 30 verhaltener zu spielen, „wahnsinnig innig in 44, offen bis 60.“ Veronika Eberle ist eine Feinmechanikerin, sie weiß, welche Weichen sie stellt, und ist im Bilde, in welche Richtung sie die Töne treibt. Brandenburgisches Konzert Nr. 2, F-Dur. Das Stück beginnt zu atmen unter den klaren, freundlichen Direktiven der Geigerin im blauen Kleid.

Sie selbst tanzt fast zu der Musik, die sie hier probt, Nikolaisaal, vierter Stock, sechs Musiker aus der Kammerakademie – und eben sie, die Solistin an der Geige, einer Stradivari, gebaut im Jahre 1700. Sie sagt, „das Instrument ist zu meiner Stimme geworden.“ Seit sieben Jahren hat sie diese Violine, die Nippon Music Foundation hat sie ihr zur Verfügung gestellt, denn Geigen dieses Alters und dieser Qualität „sind nicht mehr bezahlbar“, sagt Eberle. Zwei Jahre hat die Stradivari im Tresor gelegen. Sie klang nasal. Veronika Eberle, 28 Jahre, hat sie zurück in die Balance gespielt.

Draußen Regen. Drinnen Bach. Veronika Eberle hat sich einen Ruf erarbeitet, der weltweiten Respekt genießt. Mit den großen Orchestern hat sie zusammengespielt, mehrmals unter Sir Simon Rattle, ein Stern am Dirigentenhimmel. „Es ist ein Traum, mit Simon zu arbeiten“, sagt sie, „er ist ein großer Humanist, er hat einen unglaublichen Reichtum an Wissen. Er kann Sphären gestalten.“ Versonnene Pause. „Und er bringt ein Orchester zum Sprechen.“ Veronika Eberle lächelt. Kein Professionelles Lächeln. Ihre Augen funkeln.

Bach trifft Beethoven

Veronika Eberle wurde am 26. Dezember 1988 in bayerischen Donauwörth als Tochter eines musikinteressierten Ärztepaares geboren und erhielt seit dem sechsten Lebensjahr Geigenunterricht.

Seit ihrem Debütkonzer

t im Alter von zehn Jahren mit den Münchner Symphonikern konzertierte sie mit einigen der weltweit führenden Orchestern. Sie spielte unter anderem mit den Berliner Philharmonikern unter dem Dirigenten Sir Simon Rattle, mit dem Los Angeles Philharmonic Orchestra, den Prager Symphonikern und den Rotterdamer Philharmonikern.

Bei der Kammerakademie Potsdam ist sie derzeit Artist in Residence. Bei mehreren Auftritten wird sie mit dem Orchester in dieser Saison zusammenspielen.

Ihre Geige ist eine Stradivari anno 1700.

„Bach trifft Beethoven“ heißt ihr Programm an diesem Sonntag in der Potsdamer Friedenskirche um 18 Uhr. Bachs Brandenburgische Konzerte 4 und 2 werden gespielt sowie das Violinkonzert D-Dur von Beethoven.

Tickets an der Abendkasse oder unter Tel. 0331/28 888 28.

Trotz der Eloge auf das segensreiche Dirigat von Rattle kann sie klar erläutern, warum sie nun, an diesem Sonntag in Potsdam, ohne Dirigenten spielt. „So bin ich näher am Orchester, es hat fast den Charakter von Kammermusik, wir spielen direkter und freier miteinander.“ Das sei möglich, weil die Potsdamer Kammerakademie ein Orchester „mit Herz und Leidenschaft ist“, eben dieses wache Herz und den wendigen Kopf brauche das Violinkonzert von Ludwig van Beethoven in D-Dur. „Ich stelle mir das Werk mit den Potsdamern sensationell vor!“ Wieder Funkeln in den Augen.

Ihre Stimme ist leicht bayerisch gefärbt, ihre Herzlichkeit auch. Nach der Probe, vier Stunden hat sie gedauert, isst sie eine Banane. Und die Kraft kehrt zurück. Sie spricht von der Friedenskirche, in der sie am Sonntag die Brandenburgischen Konzerte Nr 4 und 2 (in dieser Reihenfolge) und Beethovens Konzert in D-Dur spielt. „Kirchen sind speziell“, sagt sie furchtlos. „Im Grunde gibt es keinen besseren Ort für Bach als eine Kirche, doch die Akustik ist besonders. Energetisch und geladen, es gibt Hall.“ Viel Marmor, Stein und wenig Stoff, da läuft der Ton fast über. „Man muss in Kirchen in die Extreme gehen“, auch in Potsdams Friedenskirche – Veronika Eberle nennt sie „fast das Kinderbett der Brandenburgischen Konzerte“.

In Potsdam fühlt sie sich „wie auf einer Zeitreise“, sie kommt sich zuweilen vor wie in der Ära der Kurfürsten. „Das geht mir auch in Salzburg so, wo ich fast Mozart neben mir spüre.“ Derzeit ist Veronika Eberle häufig in Potsdam, denn sie wurde zum Artist in Residence berufen. Mit der Kammerakademie hat sie vor gut drei Jahren erstmals gespielt, seither immer wieder. „Die Intelligenz dieses Orchesters bewundere ich“, sagt sie, „auch menschlich ist vieles gewachsen.“ Das erleichtere die Arbeit, sei aber keine Notwendigkeit für gutes Gelingen. „Manchmal spielst du zum ersten Mal mit einem Musiker und merkst: Unglaublich, wir sprechen dieselbe Sprache!“

Ein Violinkonzert von Mendelssohn hat sie mit den Potsdamern schon gespielt, es folgt das Kammerkonzert von Alban Berg und Musik von Mozart am 8. April im Nikolaisaal sowie das Oktett von Schubert am 7. Mai im Foyer.

Der Draht zur Potsdamer Kammerakademie hat sich über Antonello Manacorda ergeben, dem Künstlerischen Leiter des Orchesters. Er ist Dirigent, aber auch Violinist. Eberle und Manacorda sagten, als sie sich sahen: „Wir müssen mal etwas zusammen machen.“ Ein Spruch unter Musikern, oft ein folgenloser. Diesesmal hat er sich erfüllt. Die Akademie hat sie eingeladen. Zum Vorteil beider Seiten. Eberle genießt in Potsdam beste Arbeitsbedingungen, Potsdam wiederum genießt ihre Auftritte.

Ihre Solistenprobe führt Veronika Eberle mit Übersicht und menschlicher Kompetenz. „Ich bin kein Karajan“, sagt sie, niemand, der schreie, wenn es nicht läuft. Die Probe ist vorbei. Sie umarmt die Musiker. Harmonie in reinem Dur.

Von Lars Grote

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