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Potsdam Awo übernimmt Asylheim im Kreml
Lokales Potsdam Awo übernimmt Asylheim im Kreml
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20:59 30.11.2015
Der alte Landtag (September 2015). Quelle: dpa
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Potsdam

In Potsdam steht die nächste Infoveranstaltung zur Unterbringung von Flüchtlingen an. Diesmal geht es um den Bezug des ehemaligen Landtages auf dem Brauhausberg, im Volksmund Kreml genannt. Ab Mitte Dezember soll das leerstehende Gebäude zum Asylheim werden. Die Stadtverwaltung informiert dazu am Montag, 30. November, ab 18 Uhr in der Sporthalle Heinrich-Mann-Allee.

MAZ war live dabei und berichtet hier aktuell:

Die Beigeordnete informiert

Elona Müller-Preinesberger, Beigeordnete für Soziales, Jugend, Gesundheit und Ordnung, informiert im ersten Teil des Abends zu den Plänen für den alten Landtag:

- Insgesamt 472 Flüchtlinge will die Stadt im Kreml unterbringen.

- Im Dezember sollen die ersten 100 Menschen unterkommen. Sie stammen vorwiegend aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, Eritrea und dem Irak, wie Müller-Preinesberger mitteilt, haben demnach überwiegend eine gute Aussicht, in Deutschland bleiben zu dürfen.

- Die Stadt hat das Gebäude für drei Jahre mit der Option auf Verlängerung um ein Jahr gemietet.

- Träger der neuen Unterkunft wird die Arbeiterwohlfahrt (Awo).

Der Andrang hält sich in Grenzen. Quelle: Mischa Karth

Die Fragen und Bedenken der Anwohner

Im zweiten Teil des Abends stellen Anwohner ihre Fragen. Die Halle hat sich noch ein wenig gefüllt, 100 Besucher sind gegen 18.30 Uhr vor Ort. Die Diskussion läuft sehr sachlich.

- Das Thema Sicherheit bewegt die meisten Fragesteller. Potsdamer äußern ihre Bedenken, dass Gewalt rund um den Brauhausberg zunehmen könnte. Sowohl mögliche rechte Gewalt als auch Taten von den Flüchtlingen selbst bereiten einigen Anwesenden Sorge. Elona Müller-Preinesberger betont, dass es laut Polizeiangaben keine signifikante Zunahme von Straftaten im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften gegeben habe. Anwohner sollen die Möglichkeit bekommen, sich telefonisch an den Wachschutz zu wenden. Die Beleuchtungssituation im Umfeld der Unterkunft soll überprüft werden.

- Den Bedenken, die Zahl der Flüchtlinge sei zu hoch, hält Frank Thomann, Fachbereichsleiter Soziales, entgegen, dass der Kreml über 12.000 qm Fläche und 23.000 qm Außenfläche und somit genügend Platz verfüge. "Im Prinzip könnte der Alltag noch viel mehr Menschen beherbergen", sagt Thomann. Die maximal denkbare Kapazität liegt demnach bei 650 Plätzen. Allerdings sei die Nutzung der Seitenflügel zunächst nicht vorgesehen. Zwar habe die Stadt bislang bewusst auf kleine Unterkünfte gesetzt, doch in diesem Fall böten die Räumlichkeiten die Möglichkeit, eine große Zahl Menschen unterschiedlicher Herkunft unterzubringen, ohne dem Integrationsgedanken zu widersprechen.

- Die ersten hundert Flüchtlinge sollen am 15. Dezember einziehen, die Vollbelegung mit 472 Personen soll bis zum Frühjahr 2016 erfolgen. Zu Beginn hatte Müller-Preinesberger die aktuellen Zahlen für Potsdam genannt. Demnach muss die Stadt bis Jahresende noch 883 Flüchtlinge aufnehmen. Damit wären in diesem Jahr 2245 Asylbewerber in Potsdam untergekommen.

- Die Frage, wie es mit dem Landtag in drei bzw. vier Jahren weitergeht, beantwortet Frank Thomann wie folgt: "Wir gehen davon aus, dass die Belegung des Kreml nach den drei bzw. vier Jahren beendet sein wird." Der Investor wolle dort perspektivisch Wohnungen schaffen, weshalb das Gebäude als Flüchtlingsunterkunft wohl zeitlich nur begrenzt genutzt werden wird.

 - Unterdessen betont Müller-Preinesberger noch einmal, dass es die große Herausforderung der kommenden Monate wird, ein Programm für sozialen Wohnungsbau voranzutreiben. Bislang sei die ProPotsdam beauftragt, bis 2019 1000 Wohnungen zu schaffen. "Das wird nicht reichen", sagt die Beigeordnete.

- Andere Fragen betreffen unter anderem die kulturelle Integration und die Beschulung von Kindern und Jugendlichen. Einige Anwesende monieren, dass es zu wenig um den alten Landtag geht.

Hintergrund

Die Stadt mietet das seit Januar 2014 leerstehende Gebäude auf dem Brauhausberg bis 2018 von dem Investor, der es in diesem Jahr dem Land Brandenburg abgekauft hatte. Die Stadtverordneten im Hauptausschuss hatten den Plänen in einer nicht öffentlichen Sitzung zugestimmt.

Die vielen Maßnahmen für Flüchtlinge werden momentan noch aus dem geplanten Haushalt gestemmt. Für 2015 sind 13,9 Millionen Euro vorgesehen, für das Jahr 2016 sind 20,9 Millionen Euro geplant. Ungefähr ein Drittel der Summe muss Potsdam selbst aufbringen.

Wer in Potsdam helfen will: http://potsdam.helpto.de/de

Von Mischa Karth und MAZonline

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