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Inselhotel-Chef feiert heute 60. Geburtstag

Zu Hause in der... Templiner Vorstadt Inselhotel-Chef feiert heute 60. Geburtstag

Inselhotelier Burkhard Scholz wird heute 60 Jahre alt. Im MAZ-Gespräch verrät der umtriebige Jubilar, weshalb er sich nicht für teamfähig hält, weshalb er immer ein kleines Spielzeugauto in der Jackettasche mit sich herumträgt und dass er statt der 60 lieber 30 Jahre alt wäre – mit der Erfahrung der letzten 30 Jahre.

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„Ein entspanntes Miteinander“

Das Inselhotel auf dem idyllischen Hermannswerder ist eine der ersten Adressen der Stadt.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Templiner Vorstadt. Ganz traurig und ein bisschen wehmütig mache ihn der Blick zurück, das sind die ersten Worte von Burkhard Scholz. Für diese Gefühle hat der Insel-Hotelier auf Hermannswerder in diesem Jahr gleich zwei Anlässe. Es ist quasi ein Wehmutsjahr: Im Juni feierte das Inselhotel 20-jähriges Bestehen. Und heute feiert Burkhard Scholz seinen 60. Geburtstag.

Trauer und Wehmut gelten indes nicht dem Hotel, dass sich trotz beständiger Blockade des Bauamtes ganz prächtig entwickelt – woran Scholz den größten Anteil hat –, sondern dem Umstand, dass der Jubilar seine Familie „20 bis 25 Jahre lang vernachlässigt“ habe. Kein Wunder bei einem Arbeitstag, der gegen acht Uhr beginnt und oft nicht vor 21.30 Uhr endet. Dann noch eine kurze Reise ins heimatliche Wilhelmshorst.

Pikante Erlebnisse als Nachtportier

Ein eigenes Zimmer im eigenen Haus hat Burkhard Scholz stets abgelehnt. Einmal musste er es tun, als ihm der Nachtportier mitteilte, er sei nicht dienstfähig. Also schlief Scholz in einem kleinen Raum hinter dem Tresen. Gegen 1 Uhr klingelte das Telefon, ein Herr forderte Champagner aufs Zimmer. Burkhard Scholz sprang in den Anzug und servierte dem Schuldirektor aus Niedersachsen, der dort mit einer Kunstlehrerin übernachtete, das Gewünschte, lehnte indes die fünf Euro Trinkgeld höflich, aber bestimmt ab. Er ging wieder zu Bett, um vier Uhr weckte ihn aber der selbe Herr mit der gleichen Bitte. Burkhard Scholz wechselte wieder vom Schlaf- in den Tagesanzug und servierte, lehnte erneut das Trinkgeld ab und schlief dann bis zum Morgen durch. Am Abend – es war ein Silvestertag – stand dann der Sektempfang an, und der Direktor aus dem Zimmer erkannte in seinem Nachtportier den Hoteldirektor. „Der Mann wurde knallrot“, erinnert sich Burkhard Scholz mit feinem Lächeln, „und sagte nur, er verstünde jetzt, warum ich kein Trinkgeld annahm.“

Am Tag, als die Kelly Family zu Besuch kam

Der Hotelinhaber hat viele solcher Anekdoten auf Lager, und er erzählt sie mit sichtlicher Freude – ob nun die Kelly Family bei ihnen übernachtete und plötzlich das Hotel von 400 kreischenden Teenagern umlagert war oder bei einer Industriellenhochzeit der künftige Schwiegersohn mit sieben Kamelen anrückte, um um die Hand der Tochter des Brautpaars zu werben.

Solche Höhepunkte bleiben in Burkhard Scholz’ Erinnerung. Sie dienen quasi als Belohnung und Ausgleich für den Umstand, dass das Inselhotel Tag für Tag in 20 Jahren harte Arbeit bedeutete.

Ein langer Weg zum Erfolg

Es kam schwer in die Gänge, als sich der ehemalige Verwaltungsleiter der auf Hermannswerder ansässigen Hoffbauerstiftung sich in die Selbstständigkeit wagte, ein hoher Erbpachtzins drückte ihn, für einen Ostdeutschen ohne Hotellerie-Erfahrung war es schwer bis unmöglich, einen Kredit zu bekommen, also holte sich Burkhard Scholz einen Berliner Hotelfachmann und einen Steuerberater ins Boot, doch deren Einlagen blieben aus, alles endete in juristischen Streits. Schließlich schloss man einen Vergleich, seine Hausbank traute ihm mittlerweile, und im April 1996 empfing das Inselhotel die ersten Gäste.

Burkhard Scholz hat das Inselhotel auf Hermannswerder aufgebaut und führt es seit 20 Jahren

Burkhard Scholz hat das Inselhotel auf Hermannswerder aufgebaut und führt es seit 20 Jahren.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Damit war es natürlich nicht getan. Burkhard Scholz ist engagiert bis in die letzte Zelle, er verbessert ständig hier und dort etwas, entwirft Räume und Details, ob vom Zimmerschnitt bis zum Wellnessbereich, lässt Aufzüge austauschen und schaut den Angestellten über die Schulter. Er begrüßt jovial jeden Gast und kennt jeden zweiten, weil Inselhotel-Gäste schnell zu Stammgästen werden – mittlerweile komme die zweite Generation Gäste regelmäßig, sagt er stolz.

Burkhard Scholz räumt ein, dass er „nicht unbedingt teamfähig“ sei, er gestaltet lieber selbst, als sich etwas vorschreiben zu lassen, doch der Umgang mit den Mitarbeitern und das Klima im Hotel sind freundlich. Ein Hotel zu betreiben, das sei für ihn ein Kindheitstraum, sagt er noch, denn als Kind war er einmal in einem Hotel, wo er täglich Spielzeug kam. Seitdem ziert eine Schachtel mit Matchbox-Autos sein Arbeitszimmer, eines hat er vermutlich sicherheitshalber immer in der Anzugtasche.

Die Tochter steht schon in den Startlöchern

Nach seinen Wünschen befragt, nennt der 60-Jährige noch zehn bis 15 Jahre Gesundheit und mehr Frieden auf der Welt. Seine Tochter, eine promovierte Steuerberaterin, ist dennoch schon in die Hotelführung eingearbeitet – „man weiß nie“. Auch wäre Burkhard Scholz gern noch einmal 30 – „mit den Erfahrungen der letzten 30 Jahre“, sagt er und lacht schelmisch. Dass noch zehn, 15 Jahre bei guter Gesundheit im Hotel sein großes Glück wären, ist ihm anzumerken – Burkhard Scholz rückt selbst bei einer Führung noch Stühle zurecht und wischt Spinnweben fort.

Das Inselhotel Hermannswerder

88 Zimmer hat das Inselhotel, hier waren schon die Kanzler Schröder und Merkel mehrfach zu Gast sowie jede Menge nationale und internationale Politiker und Stars.

60 Mitarbeiter sind hier beschäftigt, die Gewinnung qualifizierten Nachwuchses ist derzeit eines der größten Probleme, die Auslastung stimmt. Burkhard Scholz reiste schon bis in den Kosovo, um neue Mitarbeiter zu gewinnen und stellte sieben Flüchtlinge ein, die auch regulär bezahlt werden.

Zu einer Tradition ist der Streit zwischen Hotel und Bauamt geworden, ganz gleich, ob es um Markisen, Terrassen, Seesauna, den Stall von Esel Fritz oder einen Holzstapel geht. Nur Ex-Baudezernent Matthias Klipp (Grüne) sorgte zeitweise für eine Waffenruhe.

Von Jan Bosschaart

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