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Potsdam Integration ist große Herausforderung
Lokales Potsdam Integration ist große Herausforderung
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16:07 09.01.2016
Marc Liebscher ist Vorstandsvorsitzender des Vereins Flüchtlingshilfe Babelsberg e.V.. Quelle: privat
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Babelsberg

Rechtsanwalt Marc Liebscher (43) ist Vorstandsvorsitzender des Vereins Flüchtlingshilfe Babelsberg.

MAZ: Ende November gründete sich die Flüchtlingshilfe Babelsberg. Was hat sich seither getan?

Marc Liebscher: Mehr als 250 Babelsberger haben sich zusammengeschlossen, um den Trägern der Unterkünfte und der Stadt bei der Integration der Neubabelsberger zu helfen. Ziel ist es, die Flüchtlinge willkommen zu heißen, ihnen im Alltag mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Wir sind in Babelsberg gut aufgestellt, so dass ich zuversichtlich, dass uns dies gelingt.

Wer macht bei Ihnen mit?

Liebscher: Vom Schulkind bis zum Uralt-Rentner, vom Arbeitslosen bis zum Universitätsprofessor, von der Hausfrau bis zum Unternehmensgründer sind Helfer dabei. Gebraucht wird jeder. Denn jeder übt in unserer Gesellschaft irgendeine Tätigkeit aus, kann Kenntnisse und Fähigkeiten weitergeben. Auch jemand, der immobil und zu Hause ist, kann helfen – etwa mit Telefondienst. Den Ideen und Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist uns: Unser Verein ist überparteilich und überkonfessionell, wir werden von allen politischen Farben und Glaubensrichtungen unterstützt.

Momentan sind die Ausschreitungen in der Neujahrsnacht in Köln, in denen unter anderem Asylbewerber sexuelle Übergriffe an Frauen begangen haben sollen, in aller Munde. Was bedeuten diese Geschehnisse für Ihren Verein?

Liebscher: Die Vorkommnisse in Köln bestärken uns nur in unserer Arbeit. In Köln hat offenbar keine oder eine falsche Integration stattgefunden. Man muss auch Flüchtlingen deutlich machen, was hier geht und was nicht. Aber bislang hatten wir in Babelsberg damit keinerlei Probleme, im Gegenteil: Die hier untergekommenen Flüchtlinge sind außerordentlich höflich und zurückhaltend. Natürlich ist es eine Herausforderung, so viele Menschen in so kurzer Zeit zu integrieren. Aber: Ob und wie viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen, entscheiden nicht wir Babelsberger. In Babelsberg können und sollten wir aber dafür sorgen, dass die hier untergebrachten Flüchtlinge hier Fuß fassen können und integriert werden. Wenn wir nämlich den Eindruck hätten, die Integration wird unproblematisch und von selbst laufen, dann hätten wir den Verein nicht gegründet. Man muss sich nachbarschaftlich und lokal um die Flüchtlinge kümmern.

Wie viele Flüchtlinge wohnen zurzeit in Babelsberg?

Liebscher: In der Unterkunft an der Sandscholle sind 88 junge Männer untergebracht. Übrigens: Die jungen Syrer, zwischen 20 und 30 Jahre, haben eine sagenhaft gute Kinderstube genossen. In den kommenden Wochen ziehen weitere 60 Flüchtlinge, vor allem Familien mit Kindern, an den Konsumhof. Ziel ist es, im Frühjahr die beiden Unterkünfte relativ gut betreuen zu können.

Bei Infoabenden der Stadt haben einige Babelsberger Ressentiments gegenüber Flüchtlingen geäußert. Wir schätzen Sie aktuell die Stimmung im Stadtteil ein?

Liebscher: Es gibt mehrheitlich tolle Unterstützung, aber natürlich auch Babelsberger, die zurückhaltend. auch verunsichert sind. Aber auch sie stehen den Flüchtlingen nicht ablehnend gegenüber.

Am Sonntag veranstaltet die Flüchtlingshilfe ein Willkommensfest. Worauf darf man sich freuen?

Liebscher: Es kann gemeinsam gegessen, getanzt, Musik gehört – und gemacht – werden. Das Fest ist eine Plattform, auf der sich Flüchtlinge, Babelsberger Initiativen und interessierte Potsdamer und Nachbarn kennen lernen können.


Von Ricarda Nowak

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