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Potsdam Intendant Wellemeyer auf Abschiedstour
Lokales Potsdam Intendant Wellemeyer auf Abschiedstour
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18:19 10.09.2017
Trotz Regenwetter strömten die Besucher ins Hans-Otto-Theater. Es war das letzte Fest mit dem scheidenden Intendanten Tobias Wellemeyer. Quelle: Friedrich Bungert
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Schiffbauergasse

Der eigens für das Theaterfest plakatierte Mann im bunt gehäkelten hautengen Ganzkörper-Overall wirkte am Samstag wie eine Bekleidungsempfehlung für das kalte, regnerische Wetter. Die vom Niesel unbeeindruckten, gut gelaunten Theaterfreunde jeden Alters bewiesen ab Mittag mit ihrem massenhaften Einfall in die Schiffbauergasse eindrucksvoll ihre Faneignung. Da die Tickets für die offenen Proben von „Das Wasser im Meer“, „Prinz Friedrich von Homburg“ und „Agent im Spiel“ heiß begehrt waren, standen die Besucher am Theatereingang zur Kartenausgabe Schlange.

Drinnen im Foyer und auf der Bühne zerrten kleine Kinder ihr Begleitpersonal von einer Attraktion zur nächsten. Ganze Familien verkleideten sich und ließen sich schminken, um sich anschließend auf einem Thron ablichten zu lassen. Um 13 Uhr sammelten sich mit einer Mischung aus Neugier und Aufregung Besucher, um sich von drei auskunftsfreudigen Damen in die jeweiligen Proben lotsen zu lassen. Als die am Jugendtheater-Erfolgsstück „Agent im Spiel“ des Kanadiers Davis S. Craig Interessierten ihre Plätze einnahmen, sah man, dass es fast nur Erwachsene waren. Lediglich ein Trio in der ersten Reihe gehörte der Zielgruppe an.

22 Neuinszenierungen

Der scheidende Intendant Tobias Wellemeyer des HOT verabschiedet sich in seiner letzten Spielzeit mit 22 Neuinszenierungen und 17 Wiederaufnahmen.

Uraufführungen wie „Skizze eines Sommers“ von André Kubiczek (Regie Niklas Ritter) wechseln mit Klassikern wie Heinrich von Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“ (Regie von Alexander Charim) und Theodor Fontanes „Effi Briest“ als Sommer-Open- Air-Inszenierung im Gasometer (Regie Christian von Treskow).

Wellmeier führt Regie in „Unterleuten“ von Juli Zeh und in „Der Sturm“ von William Shakespeare.

Musiktheater- Highlights sind das Oratorium „Elias“ von Felix Mendelsohn Bartholdy in der Friedenskirche und die Gastspiele des Staatstheaters Cottbus mit Jacques Offenbachs „Ritter Blaubart“ und „Sunset Boulevard“ von Andrew Lloyed Webber.

HOT-Intendant Tobias Wellemeyer startet in seine letzte Spielzeit in Potsdam. Quelle: Friedrich Bungert

Die junge Regisseurin Aurelina Bücher steht mit ihren vier Akteuren noch am Anfang der Probenarbeit und so wurde es auch im Wortsinn eine Probe, in der es etliche Korrekturen gab. Trotzdem war an den Reaktionen und auf den Gesichtern der drei Youngster abzulesen, dass sie vom Spiel und der jugendgemäßen Sprache gefesselt waren. Heftig schaukelten ihre Beine und die Mimik verriet, dass sie die Worte und Gesten auf der Bühne förmlich aufsaugten. Der Protagonist Daniel, der seine unstete Mutter auf ihrer Flucht vor diversen Jobs, Liebschaften und Wohnungen begleitet, erträgt das Chaos, indem er sich in eine Parallelwelt als Geheimagent flüchtet. Als die Regisseurin die Zuschauer verabschiedete, gab es viel Beifall.

Nicht wenige eilten danach zur Terrassenbühne, um den Intendanten zu hören. Tobias Wellemeyer gab einen Ausblick auf wichtige Inszenierungen, versprach ein „frisches Programm“ und kündigte das Theater auch als Plattform für Stadtgestaltungsfragen an. Das folgende Liederprogramm rockte vor allem Rita Feldmeier. Als sie den Friedrich-Holländer-Song „Stroganoff“ beendet hatte, tobte das Publikum und Bravorufe waren zu hören.

Schauspielerin und Sängerin Rita Feldmeier las über „Unsterbliche Frauen und wahre Diven“. Quelle: Friedrich Bungert

So war es nicht verwunderlich, dass am Nachmittag etliche dieser Begeisterten in der Kaschierabteilung saßen, um Feldmeiers Lesung „Unsterbliche Frauen und wahre Diven“ zu lauschen. Ihre Textcollage aus Eva Gesine Baurs literarischer Porträtsammlung „Göttinnen des Jahrhunderts“ komprimierte zwei der insgesamt siebenundzwanzig Schicksale von Filmdiven. Feldmeier startete mit Romy Schneider – „Die Verschwenderin, deren Herz niemals heilte“. Sie las über deren Verschwendung von Energie, Geld, Liebe, Hass und Können. Dem frühen Berufseinstieg Romys folgten auch acht Filme an der Seite ihrer Mutter Magda Schneider, die sie fast an den Rand des Wahnsinns trieben. Natürlich fehlte auch ihr Leinwandmärchen „Sissi“ nicht. Nicht nur Walt Disney befand damals, sie sei das „hübscheste Mädchen der Welt“. Große Namen wie Luchino Visconti und Alain Delon, begleiteten ihren Lebensweg. Als sie 1982 hoch verschuldet starb, hatte sie sich bewusst verschwendet und so zur Göttin gemacht.

Von Marlene Dietrich wusste Feldmeier zu berichten, dass sie als sie beim Wischen ihrer Garderobe überrascht wurde, sagte: „Ich bin die Königin von Ajax.“ Für einen kalifornischen Arzt, der sie um einen Fetisch bat, besprühte sie ein bei Dior geordertes winziges Spitzenhöschen mit ihrem Parfüm und stellte es als Eilpost zu. Marlene war da bereits 87 und hatte ihren Humor behalten. Als Feldmeier ihre viel zu schnell vergangene Lesung beendete standen etliche Besucher um sie herum, um sich den Buchtitel aufzuschreiben. Überhaupt sah man an diesem Tag im Umkreis des Theaters nur strahlende Gesichter.

Von Lothar Krone

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