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Potsdam Interview zum Mosaik am Rechenzentrum
Lokales Potsdam Interview zum Mosaik am Rechenzentrum
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12:41 26.02.2018
Rechnerraum mit Großcomputern auf einem Mosaik von Fritz Eisel am Sockel des Rechenzentrums. Quelle: Archiv
Potsdam

Susanne König, Professorin für Kunstgeschichte an der Fachhochschule Potsdam, sprach am Donnerstag in einem Werkstattgespräch des Leibniz-Instituts für Raumbezogene Sozialforschung in Erkner zur DDR-Planungsgeschichte über Fritz Eisels Mosaik „Der Mensch bezwingt den Kosmos“ am Potsdamer Rechenzentrum.

In welcher Beziehung stehen Sie zu diesem Kunstwerk?

Susanne König: Ich habe mich über ein Seminar mit Studenten der Fachhochschule Potsdam erstmals intensiv damit beschäftigt. Ich habe viele der bisherigen Diskussionen dazu noch nicht unmittelbar selbst mit erlebt, da ich erst seit eineinhalb Jahren in Potsdam bin. Aber Distanz ist sicherlich nichts schlechtes, um etwas beurteilen zu können. Eigentlich scheint uns allen noch häufig der zeitliche Abstand zu fehlen, um die Kunst der DDR umfassender zu bewerten. Insgesamt aber bin ich der Ansicht, dass dieses Mosaik eine ausgesprochen spannende und historische wertvolle Arbeit darstellt, die man unbedingt erhalten sollte.


Das Rechenzentrum soll nach aktueller Planung 2023 freigezogen und dann abgerissen werden.
Wie sollte man dabei mit dem Mosaik verfahren?

Das Mosaik steht seit 1991 unter Denkmalschutz. Demnach dürfte es gar nicht zerstört werden, sondern müsste an seinem Platz erhalten werden. Es ist eine Arbeit, die speziell für diesen Ort erschaffen wurde. Deshalb sollte man schon fragen, ob es Sinn macht, diese Arbeit von ihrem Ort loszulösen.

Wie erklärt sich eigentlich der kunsthistorische Wert dieses Mosaiks?

Es gibt noch viel Forschungsbedarf. Bei unseren Recherchen haben wir entdeckt, dass schon der Titel „Der Mensch bezwingt den Kosmos“ hinterfragt werden kann. Denn es ist sehr viel mehr darauf zu sehen. Fritz Eisel sagte, dass es ihm in dieser Arbeit um die Datenverarbeitung ging. Dargestellt sind die technischen Errungenschaften der 1960er und 1970er Jahre, neue Technologien wie der Großcomputer, Raketen, Düsenflieger oder Radaranlagen. Es sind die Errungenschaften der sogenannten „wissenschaftlich-technischen Revolution“ in der DDR, die hier künstlerisch verarbeitet wurden. Dies steht natürlich auch in direkter Beziehung zum Ort.

Gibt es mit der Rekonstruktion der historischen Stadtlandschaft und dem Wiederaufbau der Garnisonkirche nicht aber auch gewichtige Gründe für den Abriss des Rechenzentrums?

Wenn ich sehe, wie sinnvoll dieses Haus als innerstädtisches Kunst- und Kreativzentrum heute genutzt wird, kann man schon hinterfragen, was dort eigentlich nach dem Abriss geplant ist.

Warum genügt es nicht, das Mosaik etwa in Fotografien als Erinnerung an die Nachwelt zu überliefern?

Das Mosaik ist ein Zeugnis der Zeitgeschichte, das erhalten werden sollte, damit auch spätere Generationen die Möglichkeit erhalten, sich damit und in diesem Zusammenhang auch mit der jüngeren Geschichte auseinanderzusetzen. Es muss auch in Zukunft die Möglichkeit geben, das reale Objekt an dem Ort zu betrachten, für den es geschaffen wurde.

Verfolgt die Stiftung Garnisonkirche mit dem Wiederaufbau nicht ein vergleichbares Ziel mit der Rekonstruktion eines Bauwerks an dem Ort, für den es geschaffen wurde? Hat sie nicht sogar den älteren Anspruch?

Natürlich gibt es diesbezüglich verschiedene Interessen. Dennoch ist es ein großer Unterschied, ob man etwas zerstören oder erhalten will, was noch da ist, oder ob man etwas rekonstruiert. Eine Rekonstruktion ist nicht das Original. Zudem gibt es die bekannten Einwände: Man kann heute nicht sagen, wer die Garnisonkirche nach dem Wiederaufbau mit welchen Erinnerungskulturen verbinden wird. Da ist vieles möglich – von den antinapoleonischen Befreiungskriegen bis zur Stätte des Nationalsozialismus. Nicht zuletzt: Wie viele Kirchen gibt es in Potsdam, für deren Sanierung dringend Geld benötigt wird?

Zur Person

Susanne König studierte 1994 bis 2001 in Stuttgart Kunstgeschichte und Philosophie, promovierte 2002 bis 2008 am Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg.

2015/16 als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Leipzig beteiligt am Forschungsprojekt „Westkunst/Ostkunst. Kunstsysteme und Geltungskünste im geteilten und wiedervereinigten Deutschland zwischen 1945 und 2000“.

2016 Professur „Grundlagen der Kunstgeschichte“ am Fachbereich Architektur und Städtebau an der Fachhochschule Potsdam.

Von Volker Oelschläger

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