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Potsdam Investor wehrt sich gegen Vorwürfe der Stadt
Lokales Potsdam Investor wehrt sich gegen Vorwürfe der Stadt
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21:24 26.02.2018
Jan Kretzschmann, Chef des Berliner Projektentwicklers KW Development, zwischen dem fest fertigen Wohnviertel und dem brachen Gewerbeteil. Quelle: Rainer Schüler
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Waldstadt

Der Berliner Projektentwickler KW-Development wirft der Stadtverwaltung Potsdam falsches Spiel bei den Planungen für das so genannte Brunnenviertel vor. Streitpunkt ist die Ansiedlung von Gewerbe im zentralen Teil des früheren DDR-Plattenwerkes. Die städtische Wirtschaftsförderung besteht auf der Ansiedlung von Gewerbe auf dem ausgewiesenen Wirtschaftsstandort; das ist planerisch seit langem festgelegt. Amtsleiter Stefan Frerichs sagt, dafür gebe es in der Wirtschaft genug Bedarf; man habe der KWD mehrere Interessenten benannt. Doch KWD-Chef Jan Kretzschmar hat „nie ein Angebot bekommen.“ Er verweist auf zweijährige und vergebliche eigene Bemühungen, Nutzer für einen Gewerbeblock zu finden, der längst geplant ist, aber ungenutzt im Schreibtisch liegt.

„Nachfragen getauscht“ oder „Angebote gemacht“?

„Wir haben mit dem Besitzer Nachfragen zu der Liegenschaft ausgetauscht“, erklärte Stadtsprecher Markus Klier gegenüber dieser Zeitung. Mit Kretzschmar habe man „vor etwa einem halben Jahr“ als Projektentwickler ein Gespräch geführt und ihn über die Nachfragen bei der Wirtschaftsförderung passend zu der Fläche informiert, aus Datenschutzgründen anonymisiert; die angeblichen Interessenten wurden nicht genannt.

Der KWD-Chef glaubt nicht, dass es diese Interessenten je gegeben hat. Er beauftragte Makler mit der Suche, die französische Großbank BNP Paribas Real Estate etwa. Das brachte nichts. „Die Hälfte der angefragten Makler hat gleich abgewinkt“, sagt er: „Die anderen haben uns den Auftrag entnervt zurückgeben. Vielleicht sind wir und die Makler zu dumm dafür.“ Stefan Frerichs müsse sagen, wer den Gewerberiegel haben will, den die Fuchshuber-Architekten bis ins Detail entworfen haben.

Gewerbeblock längst entworfen, passend zum Wohnquartier

Der MAZ zeigte Kretzschmar diese Pläne: Ein 100 Meter langer Block mit 38 Fensterachsen auf vier Etagen. Vier Vorsprünge auf der Vorder- und der Rückseite lockern die Riegelwirkung gegen die nahe Eisenbahn. Die Fassade nimmt die Form- und Farbensprache der Wohngebäude gegenüber auf: Die erste und teilweise auch die zweite untere Etage sind grau geklinkert.

Fast 10800 Quadratmeter Nutzfläche hat das Gebäude, das klar auf „nicht störendes Gewerbe“ konzipiert ist, auf die Büronutzung vor allem. „Büros sind eine coole Nutzung“ findet Kretzschmar. „Wenn das Interessenten findet, bauen wir es auch, sogar in Vorleistung, falls wir die Bewerber noch nicht kennen.“ Spekulatives Bauen nennt Frerichs diese übliche Praxis.

Bauen ohne Nutzer ist ein Risiko für den Investor

Wie riskant solches Bauen sein kann, sehe man ein paar hundert Meter weiter: Im Buchhorst steht eine nagelneue Handwerkerhalle schlüsselfertig da und wartet auf Mieter, seit über einem halben Jahr. „Eigentlich haben die da eine zweite Halle gleich daneben stellen wollen“, sagt Kretzschmar: „Das haben sie schnell bleiben lassen.“ Das Interesse sei offenbar nicht da, sagt er. Und wieder sieht die Stadt das völlig anders. Das erste Gewerbegebäude am Buchhorst stehe „erfolgreich in der Vermietung“, erklärte sie der MAZ.

Alternative Planung entspricht offenbar dem Bedarf

Weil Kretzschmars KW-Development kein nennenswertes Interesse für ein reines Gewerbeobjekt im Brunnenviertel erkennen konnte (oder wollte), legte sie eine alternative Planung vor: Pflegeeinrichtung, betreutes Wohnen, ein Ärztehaus, eine Kita und ein Handwerkerhof. Mehrere Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung bekamen die Papiere und machten Änderungsanträge zum geltenden Bebauungsplan 124 daraus. Der Bedarf an den neu geplanten Nutzungen schien überzeugend: Die wachsende Stadt braucht die nun vorgeschlagenen Nutzungen tatsächlich Betreiber gibt es schon: Die Kinderwelt gGmbH würde die Brunnenviertel-Kita managen; sagt der KWD-Chef, AlexA die Senioren-Einrichtung.

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Der bereits als Variante geplante Gewerbeblock des KWD hat als zentralen Teil ein Bürogebäude. Die Stadt sieht Bedarf dafür, der Projektentwickler nicht.

Das Ärztehaus mit 15 Praxen, Laboren und Physiotherapieeinrichtungen ist beantragt und bleibt in jeder KWD-Planungsvariante bestehen. Acht Praxen sind schon reserviert, teils neue für Privatpatienten, teils Umzüge aus alten Ärztehäusern.

Änderungen der Bauplanung vorerst geblockt

Die CDU hat im Bunde mit den Grünen aus den Ersatzplänen der KWD einen Prüf-Antrag zur Änderung der 2014er Bebauungspläne formuliert; auch die Linken legten einen Antrag zur Umwidmung der Gewerbeflächen vor. Beide Vorstöße konnte Frerichs Wirtschaftsförderung abwehren – vorerst, denn Kretzschmar will kämpfen und den Info-Marathon durch die Fraktionen wagen. „Es ist meine Sache nicht, etwas unfertig zu lassen“, sagt er der MAZ im Angesicht der Sandberge auf dem Gelände.

Projektentwickler hat faktisch kein Risiko

Ein Risiko geht er nicht ein, denn ihm gehört die Gewerbefläche nicht. Die ist noch in der Hand des Baukonzerns Max Bögl, der zusammen mit der Baumarktkette Hellweg das alte Plattenwerk nach der Wende erworben und einen Teil an die KWD verkauft hatte. Kretzschmar hat eine Option auf das Gewerbeland. Nur er hat sie, und Bögl hat sie schoneinmal verlängert. „Ich bin mit diesem Mittelteil nicht auf Rendite aus“, behauptet Kretzschmar. „Ich bin Potsdamer. Abhauen ist nicht mein Anspruch. Ich will nur eins: die Brache da beseitigen.“

Da ist ihm auch Gewerbe recht; er sieht es sogar als Vorzugsvariante: „Die Bebauungspläne der Stadt zu ändern, kostet 18 Monate“, begründet er: „Für Gewerbe muss ich gar nichts ändern und kann sofort beginnen.“

Von Rainer Schüler

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