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Iraner mit Gangster-Attitüde verhöhnt Bluttat

Messerattacke in Potsdamer Asylheim Iraner mit Gangster-Attitüde verhöhnt Bluttat

Der aus dem Iran eingewanderte Isa H. hat im Asylheim in Potsdam einen Mann mit einem Messer verletzt – aber wollte er ihn auch töten? Diese Frage klärt derzeit das Landgericht. Am dritten Prozesstag zeigte sich der Angeklagte amüsiert, als ein Polizist seine Eindrücke vom Tatort schilderte. Überall war Blut. Und Isa H.? Der gab sich durchweg als Gangster.

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Quelle: dpa

Potsdam. Wollte der Iraner Isa H. einen Menschen töten, als er am 26. Oktober 2015 nach einem Gelage im Asylbewerberheim an der Alten Zauche zum Messer griff? Am dritten von acht am Landgericht angesetzten Verhandlungstagen sind die Polizisten als Zeugen vorgeladen, die an jenem blutigen Abend im Einsatz waren.

Blut überall auf dem Boden

Der Notruf erreichte Benjamin H. (28) über Funk im Streifenwagen. Als der Polizist mit seiner Kollegin am Tatort ankommt, sind schon zwei Kollegen da. Am Eingang stoßen sie auf die beiden Mitbewohner des Angeklagten, die immer wieder „knife, knife“ sagen – ein Messer ist im Spiel, höchste Eile geboten. Die Polizisten fahren mit dem Fahrstuhl in den fünften Stock. „Schon beim Aussteigen konnten wir ein Gewusel und Gewimmel erkennen“, erzählt Benjamin H. „Es herrschte eine Art Basarstimmung. Es war sehr laut und sehr unübersichtlich.“ Der verletzte Mohammed H. habe auf dem Boden gesessen, Gesicht und Hände blutverschmiert, Blut überall auf dem Boden. „Zwei Finger breit hinter dem Haaransatz klaffte eine offene Wunde“, so Benjamin H. Der Verletzte sei bei Bewusstsein, aber nicht ansprechbar gewesen.

Hätte er eine Waffe, würde er schießen

„Die Leute, die bei ihm standen, deuteten den Flur entlang zum Zimmer des Angeklagten. Er wartete vor der Tür.“ Die Frage, ob er ein Messer habe, habe Isa H. verneint. „Er machte einen sehr unkooperativen, aufgeregten und aggressiven Eindruck. Er rief Flüche und Beleidigungen, gab aber zu, dass er dem Verletzten die Wunde zugefügt hat und sagte, er würde das auch wieder tun. Auf die Frage, ob er eine Waffe habe, antwortete er: Hätte ich eine, dann würde ich ihn erschießen.“ Isa H. soll dabei mit Zeigefinger und Daumen eine Pistole angedeutet und über die Schaulustigen hinweg „in Gangster-Attitüde“ auf sein Opfer gezielt und „abgedrückt“ haben.

„Es folgten unentwegt Beleidigungen. Dass wir dumm wären: wir als Polizisten und als Deutschland“, berichtet Benjamin H. „Die Bundesrepublik würde wegen ihrer Asylpolitik zugrunde gehen, wir seien dumm, uns das gefallen zu lassen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass er das Recht hat, in Deutschland zu sein – dass er Iraner aber auch Deutscher wäre.“

Angeklagter verhöhnt die Prozessbeteiligten

Bei all diesen Ausführungen gibt sich der Angeklagte betont desinteressiert. Er kritzelt, reckt und streckt sich, verfällt immer wieder in albernes Gekicher, als würde er das Schauspiel, das allein seinetwegen veranstaltet wird, verhöhnen. Selbst, als Staatsanwalt Peter Petersen Richter Theodor Horstkötter die Tatwaffe, ein Brotmesser, reicht, wirkt Isa H. amüsiert.

Bleiben drei Fragen. Erstens: Wie betrunken war der Angeklagte zur Tatzeit? – Das hat niemand überprüft. „Auf mich machte er keinen alkoholisierten Eindruck“, so Benjamin H. „Er sprach normal, er bewegte sich normal, Alkoholgeruch ist mir nicht aufgefallen.“ Zweitens: Hat der Angeklagte versucht, dem Opfer in den Bauch zu stechen? Weil es offenbar an Deutsch- und Englischkenntnissen der Zeugen haperte, haben sie der Polizei die Tat vorgespielt. Demnach wollte Isa H. in Richtung Bauch-Oberkörper stechen, was aber nicht gelang, weil sich eine Person zwischen ihn und Mohammed H. stellte und andere Bewohner des Asylheims die Streitenden umringten.

Drittens: Wieso sagen die Heimbewohner vor Gericht anders aus als unmittelbar nach der Tat bei der Polizei? Zwei von ihnen wollten laut Benjamin H. schon damals am liebsten gar nichts mit der Sache zu tun haben. „Sie wollten nicht mit zur Polizei, weil sie Angst vor dem Beschuldigten hatten. Sie hatten Angst, geschlagen zu werden, wenn sie gegen ihn aussagen.“

Der Prozess wird am 26. April fortgesetzt.

Von Nadine Fabian

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