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Potsdam „Irgendwann werd’ ich Raumfahrer“
Lokales Potsdam „Irgendwann werd’ ich Raumfahrer“
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18:34 06.06.2018
David Rosenbaum (4) ist begeistert von der Raumfahrt. Im Planetarium hat er die Astronauten beim Start zur ISS beobachtet. Quelle: Fotos: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

David Rosenbaum umschließt seine Mütze ganz fest. Er hat sie zu einem länglichen Knäuel geformt. Es ist seine eigene, kleine Rakete, die er leise hoch und wieder hinunter steuert. Dann reißt er die Augen auf, streckt seinen Kopf in den Nacken. Es ist still. Er blickt auf die Leinwand im großen Saal des Urania Planetariums in Potsdam. Da sind sie, seine Helden. Sie tragen weiße Anzüge und eine runde Kugel auf dem Kopf, winkeln die Beine an und warten eng an eng auf den Start. „Irgendwann werd’ ich Raumfahrer sein“, sagt David. Noch hat er dazu alle Zeit, denn er ist vier Jahre alt.

Zum zweiten Mal ist der deutsche Astronaut Alexander „Astro-Alex“ Gerst zur ISS gestartet, um für ein halbes Jahr zu forschen. Menschen auf der ganzen Welt haben den Start verfolgt, 140 von ihnen im Potsdamer Planetarium. Jung, älter und dazwischen – „überraschend“, sagt Christian Rösler. Er hat mit wenigen Menschen gerechnet, die in Gesellschaft eines der Ereignisse des Jahres ansehen wollen. „So einen Start habe ich noch nie live verfolgen können“, sagt er. Es ist der Fortschritt, der ihn interessiert. Als kleiner Junge habe er den ersten Flug ins All miterlebt, Juri Gagarin verehrt. Nur in Echtzeit konnte er nicht zusehen. „Seither ist das etwas Faszinierendes für mich.“ Weil der 68-Jährige nicht sicher war, ob technisch beim Public Viewing alles funktionieren würde, hat er das Ereignis zuhause mit einem Rekorder gesichert. „Außerdem kann ich mir das dann noch einmal ganz in Ruhe ansehen.“

Der Rentner Christian Rösler hat den Livestart der Rakete in Potsdam angesehen. Quelle: Christin Iffert

Tatsächlich, das Bild setzt aus, läuft weiter, dann ruckelt es auf der Leinwand. Es gibt Ladeprobleme. Ein Raunen geht durch die hinteren Reihen im Saal. Dort sitzt eine ganze Schulklasse. Es sind die letzten Minuten vor dem Start, jetzt darf nichts mehr schief gehen. Weder in Baikonur in Kasachstan, noch bei der Übertragung des Livestreams in Potsdam. Wenn das Bild dauerhaft ausfällt, dann ist es in etwa so, als hätte man das Traumtor von Mario Götze bei der WM 2014 gegen Argentinien im Finale verpasst, das Deutschland zum Weltmeister machte. Stattdessen gibt es eine Sanduhr, die sich dreht und dreht. Doch in Potsdam stabilisiert sich das Bild an diesem warmen Mittwochmittag. Der vierjährige David Rosenbaum schmiegt sich an seine Oma Christel Langhoff. Sie hatte ihn extra früher an ihrem gemeinsamen Oma-Tag aus dem Kindergarten abgeholt. „Er wollte den Raketenstart keinesfalls verpassen und wir sind glücklich, dass uns das hier live erlebbar gemacht wird“, sagt sie. Zuhause bastelt der Junge seine eigenen Raumschiffe und Raketen aus Pappe, mit denen er in die Weiten des Weltalls fliegt.

Kurz vor dem Start wurde es im Saal ganz still. Quelle: Bernd Gartenschläger

Der Countdown startet, pünktlich um 13.12 Uhr (MESZ) setzt die Sojus-Rakete vom russischen Weltraumbahnhof zur Raumstation ISS ab. Einige zählen laut mit. Vier, drei, zwei, eins – ein roter Feuerschwall legt sich unter die Rakete. Für den Bruchteil dieser einen Sekunde ist kein Ton im Raum zu hören. Dann setzt das Klatschen ein, einige Pfeifen. Davids Augen fixieren die Rakete, die in die Luft steigt und immer kleiner zu einem kleinen Punkt am Horizont wird. „Wie ein Stern sieht das aus“, flüstert er.

René Schulz aus Elstal (Havelland) hat seine Mittagspause genutzt, um den Livestream im Urania zu verfolgen. „Es passiert schließlich nicht alle Tage, dass ein Deutscher ins All fliegt und die Weiten des Universums erkunden kann“, sagt der 45-Jährige. Überhaupt sei das eine enorme wissenschaftliche Leistung. „Immer nah an der Grenze des Machbaren“, sagt Planetariumsleiter Simon Plate. Dass Alexander Gerst als Kommandant zur ISS fliegt, sei besonders und zeige, dass die Ausbildung hierzulande sehr gut sei. Allerdings sei der Wissenschaftler ein Baustein in dieser wichtigen Mission, die zahlreiche Forschungsergebnisse liefern soll – unter anderem für die Charité. Würden Sie gern ins All, Herr Plate? „Ich sehe mir die Sterne lieber von hier unten an.“ Und den Start, den könne man als „verbindendes, tolles Ereignis“ auf der Leinwand in Potsdam verfolgen. Selbst, wenn er selbst gerade einmal die letzte, entscheidende Minute sehen konnte, weil der Andrang so groß, die Fragen so vielfältig seitens der Besucher waren.

David Rosenbaum dagegen wird bald wieder abheben – mit seinen Pappraketen. „In die Schwerelosigkeit. Da sehe ich die Erde und den Mond“, sagt er. Vielleicht auch „Astro-Alex“, der ihm von der ISS zuwinkt.

Von Christin Iffert

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